PASTA BASTA


Autor: agentES
Titel: Pasta Basta
Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Navy CIS gehören CBS, Paramount und Belisarius Productions.
Diese Fanfic wurde lediglich zum Spass geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.
Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
FSK: 12 Slash
Inhalt: Tony bringt Gibbs zur Verzweiflung, bis eine Situation das Blatt zu seinen Gunsten wendet, oder nicht?



Schweigen legte sich über die Großstadt. Der tobende Tageslärm von Washington D.C. hatte sich verzogen, selbst die Spatzen auf den Dächern hatten bereits vor einiger Zeit ihr Gezwitscher eingestellt und die Schnäbel geneigt. Kein Laut war mehr zu hören.
Stille, doch in der Ferne hörte man plötzlich lautes Geklapper, merkwürdiges metallisches Klirren und Scheppern. Irgendwo, in einer sporadisch eingerichteten Küche stand Anthony DiNozzo, Special Agent des Naval Criminal Investigative Service, BUNDESAGENT, bekleidet mit Boxershorts und einer rosaschimmernden, mit Klitzersteinchen besetzten Kochschürze und verfluchte die angebrannten Nudeln.

„Das ist ganz alleine deine Schuld“, zischte er den Mann an, der sich gerade etwas abseits auf der hölzernen Eckbank niederließ und mit einem breiten Grinsen im Gesicht den Chefkoch beobachtete. „Du hast mich abgelenkt“, fluchte Tony in einem fort und schmiss das Geschirrhandtuch achtlos in das bereits vollkommen überfüllte Spülbecken. „Was fällt dir ein?“ Wütend und verzweifelt wuschelte sich der Halbitaliener durch die Haare. „Wie konntest du das nur tun?“

Tony betrachtete das Chaos in der Küchenzeile, zuckte frustriert und sich ergebend mit den Schultern und drehte sich dann seufzend zu dem Mann um. Und der Anblick von Leroy Jethro Gibbs machte ihn auf der Stelle nur noch wütender. Der saß nämlich seelenruhig da, bedachte die Katastrophe, die Tony soeben angerichtet hatte, mit keinem einzigen Blick. Er saß einfach da und blickte ihm tief und fest in die Augen.

*****



„Wo steckt DiNozzo?“ platzte der Chefermittler in ein, mangels Tonys Anwesenheit, konstruktives Gespräch seiner beiden Agents, die vor dem großen Bildschirm standen und die Überweisungsdaten eines Verdächtigen checkten.
Timothy McGee und Ziva David blickten sich fragend an, ihre Blick waren gekennzeichnet von Unverständnis und Ungläubigkeit. Es war Ziva, die dann letztendlich zu einer Antwort ansetzte „Du hast ihn zur Befragung des ehemaligen Marines auf…“
„Ich weiß wo ich ihn hingeschickt habe“, knurrte er mitten in den Satz der Israelin. „Das ist aber schon ziemlich….“
„…lange her“, beendete McGee den Satz von Gibbs und warf einen genauen Blick auf seine Armbanduhr.
„Das weiß ich selber, McGee“, donnerte daraufhin die Stimme des Specialagent durch den Raum.
Während McGee die Augenbrauen zusammenzog, runzelte seine Kollegin die Stirn. Die Laune von Gibbs war heute miserabel, noch schlechter als sie es seit Jahren gewohnt waren. Er war heute schlichtweg ein Bündel der Gereiztheit und sozial absolut unverträglich.

Gibbs pfefferte seinen Kaffeebecher mit Schwung in den Papierkorb und widerstand dem Drang, diesem braunen Ungetüm noch einen Tritt zu verpassen, um seiner aufgestauten Aggression endlich Luft zu lassen und in einer brennenden Explosion zu entladen. Der Morgen hatte doch so wunderbar begonnen, und wozu? Nur um sich dann in ein Desaster zu verwandeln, sich von einem Windhauch zu einen ausgewachsenen Orkan zu steigern? Als er in der Früh die Augen geöffnet hatte, lag Tony neben ihm, seine Hand ruhte auf seiner Brust und Gibbs genoss die Zweisamkeit mit dem Mann, der ihm so viel bedeutete. Das war der gute Moment! Und mit dem zögerlichen Augenaufschlag von Tony eine geschlagene Stunde später, wandelte sich das Hochgefühl, welches sich in Gibbs Magen ausgebreitet hatte ,und von Minute zu Minute trat der Abgrund einen Schritt näher. Tony maulte über die zu feste Matratze, Tony meckerte über die zu rauen Handtücher, am vorbereiteten Frühstück hatte er alles auszusetzen. Honig zu süß, Butter zu weich, Kaffee zu heiß.

„Ich versuch ihn mal zu erreichen“ Schwungvoll bewegte sich Ziva mit gekonntem Hüftschwung um die Schreibtischkante und ließ sich auf dem Drehstuhl nieder. Doch wenige Minuten später gab sie frustriert auf und blickte zu Gibbs, der sich nun ebenfalls an seinem Platz niedergelassen hatte, die Arme vor der Brust verschränkt und grimmig auf Tonys Platz starrte. „Er geht nicht ran, Boss.“
„Kein gutes Zeichen“, mischte sich McGee ein und blickte von seiner Tastatur auf. „Boss, ich habe soeben die Handydaten verglichen, dieser Marine, auf den du Tony angesetzt hast, ist im ständigen telefonischen Kontakt mit unserem Verdächtigen.“

Wenige Minuten später fürchtete Ziva David, die schrecklichste Autofahrerin, die sich zurzeit in den Vereinigten Staaten Amerikas aufhielt, auf dem Beifahrersitz um ihr Leben. Mit einem Seitenblick erkannte sie, dass es besser war, den Mund zu halten.
Gibbs Augen waren nur noch Schlitze, seine Nase war leicht gerümpft und seine Mimik vollkommen erstarrt. Er hatte einen Fehler gemacht und hatte Tony, mit einem zunächst ironischen, später hinter seinem Rücken heimzahlenden Lächeln an diesen Ort geschickt, weil er ihm zuvor so auf die Nerven gegangen war. Selbst im Fahrstuhl war es weitergegangen.
„Ich mach uns heute Abend Pasta“, hatte Tony geschwärmt und sich genüsslich über die Lippen geleckt.
„Ich will aber ein Steak“, hatte Gibbs erwidert, Tonys italienische Gerichte hingen ihm so langsam aus dem Hals. Er war ein Mann, er brauchte Fleisch, pur und am liebsten blutig.
„Es gibt Pasta, basta“
Es war einfach zum aus der Haut fahren. Tony war ein solcher Egoist, ein kindischer Macho, ein….. ein verlorengegangener Agent. Die Reifen des Wagens quietschten, als er ohne Vorwarnung auf den Vorplatz der Anlage abbog und danach rücksichtslos auf die Bremse stieg.
Ziva hielt für einen kurzen Moment die Luft an und als der Wagen nach einer gefühlten Ewigkeit endlich absolut still stand, schüttelte die Brünette nur verzweifelt den Kopf. Das Unverständnis stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Da steht sein Wagen“, murmelte sie und machte sich bereits auf eine frustrierende und beschimpfende Antwort der Person, die neben ihr saß, gefasst. Doch Gibbs stieg schweigend aus und stapfte bereits in Richtung Eingangstor, während Ziva noch dabei war, den Sicherheitsgurt, den sie heute als wichtiges Utensil zur Lebensrettung ansah, zu lösen. Sie schlug die Autotür zu und rannte hinter Gibbs her, der bereits das große Tor öffnete. Schlagartig blieb die ehemalige Mossadagentin stehen und hielt sich schützend die Hand vor das Gesicht, der Geruch löste ein Würgereiz in ihrer Kehle aus und sie musste sich aufopfernd zwingen durch den Mund zu atmen.
„Abartig“, murmelte sie, ohne auch nur einen winzigen Hoffnungsschimmer zu haben, eine Antwort von ihrem Boss zu erhalten.

„Jethro?“ Wenn man den kontinuierlichen Geräuschpegel ausschaltete, war ein leises Gewimmer hörbar, welches aus der hintersten Ecke ertönte. „Hilfe“, jammerte das kleine Häufchen Elend. „Hilfe, hol mich hier raus.“
Erleichtert, oder doch mehr aus Vergnügen, lachte Gibbs auf und dieser Stimmungswechsel verblüffte Ziva noch mehr, als zuvor bereits der jammernde Tony ihre Gedankenwelt beschäftigte. Doch kurz darauf brach auch sie in Gelächter aus. Das Bild, das sich ihr bot, war nicht nur ein Bild für die Götter, es war mehr als nur geeignet für ihr Fotohandy. Schamlos griff sie in ihrer Gesäßtasche, zog das heimtückische Gerät hervor und noch bevor Gibbs seinen Lachkrampf unter Kontrolle bringen konnte, drückte sie die Taste, die das Geschehen für die Nachwelt festhalten sollte.
„Sehr witzig“, schimpfte Tony los und sein Gesicht spiegelte seinen tiefen Zorn. „Hört auf zu lachen und holt mich hier raus“ Er blickte in die Augen seiner Betrachter. „Bitte“, fügte er schnell hinzu und verzog sein Gesicht.

„Ziva“ Gibbs drehte sich zu seiner Agentin um. Sein Grinsen wandelte sich in das ernste Chefgesicht.
„Nein“ Ziva schüttelte entsetzt den Kopf. „Nein, Boss. Ich geh da nicht rein.“
„Du widersetzt dich einem Befehl?!“, schrie Tony auf, der seine Hoffnung auf schnelle Hilfe dahinfläuchen sah.
„Vergiss es, Boss“ Ihre Entschlossenheit zeigte keinerlei Zweifel und um ihr noch zusätzlich Einheit zu gebieten, drehte sie sich um und ging zielsicher auf den Ausgang zu. „In diese Scheiße hat er sich ganz und gar selbst reingeritten.“
Gibbs sah Ziva hinterher und erst als sie tatsächlich durch das Tor ging und er sie erleichtert die frische Luft in sich aufsaugen sah, drehte er sich zu wieder zu Tony um.
„Was machst du eigentlich da oben?“
„Ich hänge fest.“
„Das sehe ich.“
„Holst du mich jetzt runter?“
„Wie bist du da hinein geraten?“
„Der Typ hat mich für einen Einbrecher gehalten und seinen Hund auf mich gehetzt.“
Gibbs gab sich einen Ruck und trat einen Schritt vor, achtsam beugte er sich vor und streckte vorsichtig seinen Arm aus. „Es reicht nicht.“
„Komm, Jethro. Nur noch einen Zentimeter. Stell dich nicht so an.“
Gibbs sah dem flehenden Tony in die smaragdgrünen Augen und überlegte, ob er sich das wirklich antun wollte.
„Was gibt es heute Abend zu essen?“ Er entschied sich, die Situation für sich zu nutzen.
„Pasta.“ Tony beugte sich so weit wie möglich vor.
„Was gibt es heute Abend zu essen?“, wiederholte Gibbs seine Frage.
„Ok, ok, ja, du hast gewonnen, es gibt …….aaaaaaaah“
Tony gelang es nicht das Gleichgewicht zu halten und es geschah, was er seit einer guten Stunde versuchte, zu vermeiden. Er kam ins Rutschen, er flog, er fiel und da er seine Hände nach Gibbs ausgestreckt hatte, konnte er sich noch nicht einmal mehr abstützen.
„Scheiße“, hörte Gibbs kurze Zeit später die gedämpften Worte von Tony, dessen Gesicht bis zum Halsanschlag im Stroh versunken war.
„Ich befürchte, du brauchst meine Hilfe nicht mehr“, lachte Gibbs auf, obwohl zeitgleich ein Hauch eines schlechten Gewissens in ihm aufflammte. „Darf ich dir vielleicht noch hochhelfen?“
„Oh mein Retter in der Not.“ Tony hob den Kopf, mehr oder weniger erkennbar, wenn man sich die Rückstände des Misthaufens wegdachte und ließ sich von Gibbs auf die Beine helfen.
„Gehen wir an die frische Luft“, flüsterte Gibbs lächelnd. „Und bevor du heute abend meine Wohnung betrittst, solltest du dich deiner Kleider entledigen. Du stinkst.“
„Mmh“, erwiderte Tony. „Und dann gibt es Pasta, basta!“


*****



„Was?“ grinste Jethro. „Was genau hast du jetzt wieder zu beanstanden?“ Er verdrehte die Augen, griff nach der Bierflasche auf dem Küchentisch und hielt unterdessen Tonys ernstem Blick stand.
„Du hast mich geküsst“, zischte Tony und riss theatralisch die Arme in die Höhe. „Nicht genug, dass du mich aus reiner Schadenfreude in dieser Kochschürze herumlaufen lässt, nein, du hinderst mich daran meine Pasta zuzubereiten, in der Hoffnung doch noch an dein Steak zu kommen.“
„Deine Nudeln sind angebrannt.“, sagte Gibbs beiläufig, stand auf und ging wieder auf Tony zu. „Ich habe sonst nichts im Haus, außer…“
„Außer einem Rindersteak“, grummelte Tony wissend und ließ sich wehrlos von seinem Gegenüber in die Arme ziehen.
„Weißt du was, Tony?“ flüsterte Jethro ihm ins Ohr.
„Ja, du bekommst dein Steak.“
„Nein“
„Nein?“
„Ich habe gar keinen Hunger mehr.“