Im Mondlicht der Nacht


Das Mondlicht schien durch das Schlafzimmerfenster, Gardinen schirmten die Außenwelt ab und nur der Hauch des stählernen Lichts, das sich durch den Stoff kämpfte und letztlich auf der Bettdecke zum erliegen kam, tauchte die Umgebung in ein romantisches anmutiges Licht. Auf dem Laken spiegelte sich das Muster der zugezogenen Vorhänge wider, deren Schatten sich im Gleichklang des im Winde wehenden Stoffes, bewegten. Eine angenehme Kühle breitete sich im Zimmer aus. Dennoch gelang es ihm nicht, der Hitze des Tages zu entfliehen. Sein Herz pulsierte und auf seiner Stirn bildeten sich winzige Schweißperlen. Lag es tatsächlich nur an den sommerlichen Temperaturen, die ihn nicht schlafen ließen, oder doch an der Frau, die neben ihm lag?

Vor drei Stunden hatte sie an seiner Tür geklopft und um Asyl gebeten, nur für eine Nacht. Ein Wasserschaden hatte sie aus ihrer Wohnung getrieben, und Zuflucht suchte sie bei ihm. Bei Anthony DiNozzo. Specialagent des NCIS, Bundesagent, Beschützer und Retter in der Not. Und er konnte nicht leugnen, dass es ein wohliges Gefühl in ihm auslöste und mit Stolz erfüllte, dass gerade Ziva David ihn um Hilfe bat. Eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben stand und sich durch alle Wagnisse kämpfte, ja, ausgerechnet sie stand vor seiner Tür. Hilflos, beinahe bemitleidenswert. Und mit einem verschmitzten Lächeln hatte er sie herein gebeten, ihr angeboten, für zwei Tage bei ihm zu bleiben, in seinem Bett zu schlafen. Neben ihm. Schließlich waren sie zwei erwachsene Menschen, niemand sollte sich auf dem unbequemen Sofa den Rücken verrenken. Nein, niemals würden sie …

 

Tonys Blick wanderte über die weiße, leichte Bettdecke, die ihren Körper wie einen arabisch luftigen Schleier verhüllte. Sein Blick blieb an ihrer Schulter haften. Zarte, im Mondlicht glänzende Haut schillerte unter den dunklen Locken hervor und zog ihn in ihren Bann. Er spürte, wie sein Atem stockte, wie sich das Gefühl tausender Schmetterlinge in seiner Leistengegend ausbreitete und auch wenn seine Gedanken versuchten, ihn abzuhalten, war ihm gleichzeitig bewusst, wie sinnlos es war, sich dagegen aufzulehnen. Er war verloren. Im Mondlicht der Nacht.

 

In Gedanken rückte er näher, nahm den Duft ihres Körpers in sich auf, spürte den Hauch ihres gleichmäßigen Atems. In Gedanken streckte er seine Hand aus, strich über die weiche Haut ihrer Wangenknochen, seine zittrigen Fingerspitzen berührten ihre roten Lippen. Ja, in Gedanken war er mutig, im wahren Leben stand er nicht zu seinen Gefühlen. Leugnete sie. Seit Jahren. Doch jetzt spürte er, wie die eiserne Fassade bröckelte. Hier. Im Mondlicht der Nacht.

 

Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, betrachtete ihren friedlichen und verletzlich wirkenden Ausdruck, so wie sie hier vor ihm lag, kannte er sie nicht. Kein Schleier verhüllte ihr wahres Gesicht, nichts täuschte über die Verwundbarkeit hinweg. Tony sog die Luft tief in seine Lungen, fühlte wie sein Brustkorb sich mit dem nötigen Sauerstoff füllte, doch sein Herz krampfte und japste nach dem lebensnotwendigen Gas. Alles in ihm drängte, drängte zu handeln, drängte ihn vorwärts, auf ein unbekanntes Ziel zu. Im Mondlicht der Nacht.

 

Und er tat, wozu er gezwungen wurde. Mit zittrigen Fingern strich er über ihre Schulter, verharrte einen Moment, bevor er sich tatsächlich dazu durchrang, näher zu rücken. Zärtlich berührten seine Lippen ihre Stirn. Für einen winzigen Augenblick, nicht greifbar für das Zeitkontinuum. Doch real für ihn selbst. Ihre Wimpern berührten seine Nasenspitze, kitzelten wohlig über seine Haut. Ein Glücksgefühl überkam ihn, unbeschreibbar, wie er es noch nie zuvor in seinem Leben verspürte. Hier. Im Mondlicht der Nacht.

 

Er fühlte sich wie in Trance. Nichts und niemand konnte ihn wecken, aufrütteln. Er schien abgesunken in eine unbekannte Welt, fernab des wahren Lebens. Er bemerkte zunächst nicht, wie die braunen, samtig weichen Augen ihn ansahen. Wie die Mundwinkel der Frau zuckten. Und wie sie die anfangs durch Erstaunen verkrampfte Haltung allmählich verlor. Erst als sich ihr Körper unter dem Hauch Stoff bewegte, als ihre Hand im Mondlicht erstrahlte und sie seinen Oberarm berührte, nahm er seine Umwelt wieder wahr.

 

Er spürte das Kribbeln auf seiner Haut, fühlte den wohligen Schauer über seinen Rücken laufen. Sein Atem ging stoßweise und doch vergaß er auszuatmen. Stockte. Mit einem Schlag spürte er die Hitze ihres Körpers, der von seinem Besitz nahm und ihn lähmte. Ziva rückte näher, schmiegte sich an ihn. Wortlos, als wäre jede Berührung selbstverständlich, als hätte niemals etwas zwischen ihnen gestanden. Ihre Hand glitt über seinen Rücken, streichelte zärtlich seine Haut. Zogen ihn sachte näher. Es gab kein Entkommen, er wollte nicht entkommen. Er wollte ihre Nähe. Sie. Im Mondlicht der Nacht.

 

Als er seine Hände über ihre Brüste gleiten ließ, stöhnte sie leise auf. Sein Daumen verharrte an ihrer Brustwarze, umspielte sie leidenschaftlich. Er sah in ihre Augen, erkannte ihre Willenlosigkeit und ihre auflodernde Leidenschaft. Ihre Lippen näherten sich, vereinigten sich. Ohne sich wirklich zu berühren. Er spürte die Wärme, schmeckte ihre Süße und fühlte ihre Nähe. Sie war bei ihm, mit ihm. Es war wie eine Verbindung fremder Welten. Als sie den Widerstand durchbrach, ihre Zunge seine Lippen berührten, verlor er den Verstand. Tauchte ab in eine fremde Dimension. Im Mondlicht der Nacht.

 

Was immer sie tat, es ließ ihn erschauern. Wellen der Leidenschaft und Lust breiteten sich unaufhaltsam in ihm aus. Er zog ihren Körper näher an seinen, streifte mit bebenden Händen die Träger des Nachthemds über ihre Schultern. Zog sie noch näher an sich. Nur um kurze Zeit später nach Atem zu ringen, als ihre Hände über seinen Rücken wanderten und fordernd seine Pobacken ergriffen. Er sah Sterne. Herzchen, inmitten der Schwärze, die seinen Geist umnebelten. Hier. Im Mondlicht der Nacht.

 

Ihre Finger wanderten weiter, entblößten ihn, entledigten ihn seiner Boxershorts. Sein pulsierendes Herz rutschte tiefer, schickte Stromstöße durch seine Lenden und sammelte sich in seiner empfindsamsten Stelle. Was immer er fühlte, er konnte es nicht in Worte fassen. Stattdessen berührten seine Lippen ihr Kinn, wanderten über ihren Hals und ihre Schultern, zu ihren Brüsten und wieder zurück. Ihr betörender Duft hielt ihn gefangen. Sie tat es ihm gleich und ihre Küsse hinterließen eine heiße Spur der Leidenschaft auf seinem Körper, brennende Sehnsucht, ihre Samtheit ließen ihn erzittern. Sein Körper verlangte nach mehr, und doch wollte er jede Sekunde auskosten. Was immer sie tat, es fühlte sich wundervoll an. Hier. Im Mondlicht der Nacht.

 

Ihre heiße Haut glänzte im Mondlicht, schimmerte silbern matt. Ihre Augen strahlten pure Energie. Alles an ihr war wunderschön. Seine Finger erforschten jeden Zentimeter des unbekannten Universums, wanderten über ihren Körper, über ihre Rundungen, über ihre Hüften. Sanft drückte sein Körper den ihren in die Kissen. Zärtlich und zugleich aufzeigend, dass er nicht gewillt war, zurück zu rudern, blickte er in ihre Augen. Es gab kein Zurück mehr. Er hörte das Blut in seinen Ohren rauschen, als seine Hände zu ihren Schenkeln hinunterglitten und sie vor Lust und Ekstase unter ihm erschauerte.

 

Ihr leises Stöhnen an seinem Ohr, forderte ihn heraus. Seine Lippen suchten erneut die ihren, seine Zunge fand Einlass und all die Leidenschaft, die in Wellen über ihn schwappte, spiegelte sich in einem innigen Kuss wider. Während sie ihren Körper in Position brachte, ihm den Weg bahnte, sie endlich vollkommen zu erobern. Die Augen geschlossen, die Sinne außer Kontrolle, stieß er in sie ein. Langsam, zärtlich und zügellos zugleich. Sie verlangte nach ihm mit einer nicht mehr aufzuhaltenden Heftigkeit. Er war wie im Fieber. Seine Hände, seine Lippen, sein ganzer Körper war in Bewegung. Er spürte, wie sie ihm die Hüften entgegenstemmte, um ihn weiter in sich aufzunehmen. Sie waren vereint. Hier. Im Mondlicht der Nacht.

 

Er konnte nicht mehr klar denken, hatte die Kontrolle längst verloren. Er wusste nur, dass sie gemeinsam auf den Abgrund zurasten, jetzt, in diesem unwiederbringlichen magischen Augenblick. Eine Wolke schob sich vor den Mond, Dunkelheit breitete sich aus. Die Hitze des Tages war längst der Hitze der Nacht gewichen. Das Mondlicht verschwand. Doch sie blieb bei ihm.


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Kommentare: 3
  • #1

    meine-eigene-welt (Sonntag, 18 November 2012 13:55)

    Juhu!! Du hast es endlich gepostet!
    Schmuddel war es ja nicht so ganz, aber es war trotzdem schön=)
    Der Mond war eine tolle Wiederholung, der die Stimmung so schön machte (und mit schön, meine ich wirklich schön schön...du weißt schon :P)

    Ich hätte es zwar gerne etwas...."heftiger" bei den Beiden, aber das weißt du ja;)

    Also alles in allem war es ein schön zu lesener SC=)

    LG Linda:)

  • #2

    Undercover Agent (Sonntag, 18 November 2012 21:44)

    Ja, ja, meine Liebe, du kannst mir glauben, ich hab´s begriffen:-)

    Aber es war trotz alledem mal wieder sehr schön, miterleben zu dürfen, wie du dein Tiva-Herz (wovon ich ja schon fast dachte, dass du es beerdigt hast) volle Kanone ausgeschüttet hast. Wie Tony sich angenähert hat, war auf eine erfrischende Art und Weise vorsichtig, zögernd und sehr süß neugierig. Dass seine Annäherungsversuche dann plötzlich erwidert wurden und dieses Mal der SC nicht mit Tod oder Verderben endete, war einfach nur "nääh, wat schön" und das meine ich ganz ernst!

    LG Silvia

  • #3

    jades-schreiberwerkstatt (Montag, 26 November 2012 20:47)

    Hallo Evelyne,

    also von mit bekommst du für diesen herrlichen "Leichtschmuddel" 10 Punkte. Ich muss sagen, ich hätte mir auch etwas mehr zur Sache gewünscht, aber es war okay...und wenn ich ehrlich bin, habe ich die ganze Zeit darauf gewartet das Tony allein und verwirrt aufwachen würde.... *lach* Immerhin kenn ich deinen Humor.... und was würde ihn mehr strafen als "scharf" zu träumen???

    Solltest du noch einmal so etwas schön TIVA mäßiges haben.... ich bin dabei.... und freu mich auf die nächste PN....

    LG Micha