Die kleinen Regentropfen lösten sich aus den Haarspitzen ihrer
schwarzen Rattenschwänze, die trostlos an ihr herunterhingen.
In unregelmäßigen Zeitabständen fielen die schimmernden blassen Perlen
auf die Tischplatte und bildeten sich dort zu einer kleinen Pfütze.

Abby hob den Kopf und starrte auf den Becher Cafpow, der vor ihr stand.
Doch heute hatte sie kein Bedürfnis nach dem Koffein - Getränk.
Alleine der Gedanke daran widerstrebte ihr.
Heute war alles anders.
Alles hatte sich verändert.

Die Katastrophe war mit einer unvorhersehbaren Heftigkeit über sie hereingebrochen.
Vierundzwanzig Stunden waren seit dem Ereignis vergangen.
Ein Tag, bereits ein langer Tag, ohne Trost.

In ihren Augen bildeten sich Tränen, ähnlich den Regentropfen,
die unentwegt vom Himmel strömten.
Doch sie wollte nicht weinen, noch nicht.
Weinen würde bedeuten, es zu akzeptieren.

Ihr Herz schmerzte, zog sich in ihrer Brust zusammen und hämmerte
pausenlos, unergründlich.
Ihre Lippen presste sie aufeinander, bis der Schmerz nicht mehr erträglich war.

Mit zitternden Händen griff sie nach dem Becher vor ihr,
hielt ihn unsicher in der Hand.
In einer unsagbaren Explosion ihrer inneren Verzweiflung warf sie ihn gegen die Wand.
Sekundenlang rührte sie sich nicht, beobachtete,
wie sich die rote Flüssigkeit auf dem Boden ausbreitete.


*****


Die Uhr tickte unermüdlich.
Unbeirrt behielt sie ihren Rhythmus bei und durchschnitt die Stille.
Seinen Mantel hing er an den Haken, den Hut daneben.
Regungslos blieb er stehen.
Jegliche Energie schien aus seinem Körper gewichen.

Ducky senkte den Kopf und starrte auf den kühlen Boden der Pathologie,
kalt und trostlos schimmerten die Fließen unter seinen Füßen.
Dieser Ort erschreckte ihn heute.
Heute war alles anders.
Alles hatte sich verändert.

Das Unglück kam plötzlich, unberechenbar.
Mit gewaltiger Stärke rollte es auf sie zu. Nicht erkennbar.
Gestern war noch alles in Ordnung, vor vierundzwanzig Stunden blieb die Zeit stehen.

Sein Blick hob sich und verschwommen nahm er seine Umgebung wahr.
Der vertraute Raum verwandelte sich in eine trübe Atmosphäre.

Er hielt die Luft an, versuchte so dem Schmerz jedes
einzelnen Atemzugs zu entkommen, unheilvoll.
Die Hände zur Faust geballt, den peinigenden Reiz ausblendend.

Mit wankenden Schritten ging er auf den Schreibtisch zu,
mit bebenden Händen nahm er die Teetasse vom Tisch.
In seiner Verzweiflung glitt sie zu Boden.
Er verharrte in seiner Bewegung, folgte dem Fall und zählte die Scherben.



*****


Der Regen störte ihn nicht.
Unermüdlich prasselte das Wasser auf sein Gesicht, kühl und rein.
Er suchte keinen Unterschlupf, keinen Schutz.
Unermüdlich lief er voran, ohne Ziel.
Schritt für Schritt, ohne innezuhalten.
Seine Tränen mischten sich mit dem Regen, verbanden die dunkle,
trübe Außenwelt mit seinem Inneren.
Der Schmerz erstickte seine Seele.

Gibbs hob den Kopf und sah in den Himmel.
Früher mochte er die Dunkelheit und die frische Luft,
die seine trüben Gedanken sonst immer vertrieben.
Doch heute fühlte er keine Besserung.
Heute war alles anders.
Alles hatte sich verändert.

Er hatte die Gefahr nicht erkannt, das Unheil war über sie hereingebrochen.
Die Arbeit wurde ihnen zum Verhängnis.
Rettungslos war er verloren, vor vierundzwanzig Stunden.

Er fühlte sich hilflos, seine quälenden Gedanken rasten, ruhelos.
Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren,
übertönte sein herzzerreißendes Schluchzen.

Traurigkeit breitete sich in seinem Körper aus, Vorhaltungen setzten sich in seinen Gedanken fest.
Entmutigt ließ er sich an der nächsten Hausmauer herabgleiten.

Er beobachtete die vorbeieilenden Menschen,
das regsame Treiben auf der Straße und zählte die Schritte.


*****


Das regelmäßige Piepen der Apparate wirkte beruhigend auf sie.
Und doch spürte sie, wie die Angst sich weiter in ihrem Körper ausbreitete
und jegliche Kraft, die sie vor vierundzwanzig Stunden noch verspürt hatte,
aus ihrem Körper floss.

Ziva wehrte sich nicht gegen die Tränen, schon lange nicht mehr.
Sie rannen haltlos ihre Wangen hinunter und fielen einsam
auf Tonys Hand, die sie in ihrer hielt.
Heute war alles anders.
Alles hatte sich verändert.

Die Geschehnisse waren über sie hereingebrochen, ohne Vorwarnung und unerwartet.
Die kraftvolle Macht hatte sie überrollt und ihnen keine Möglichkeit gelassen, zu entkommen.

Sie fühlte sich nicht fähig zu atmen, am liebsten hätte sie laut aufgeschrien,
aber die Wörter wollten ihren Mund nicht verlassen.
Sie spürte den Schmerz, hatte das Gefühl, ihr Kopf und ihr Herz würden auseinanderreißen.
Ihr Inneres war leer, sie konnte keinen Gedanken fassen.
Ihre Seele brannte.

Sie nahm ihre Gefühle nicht mehr wahr, das Piepen verblasste und Nebel zog auf.
Sie drückte seine Hand, immer fester und spürte wie er ging.


*****


Sein Brustkorb hatte sich regelmäßig gehoben und auch wenn er gewusst hatte,
es würde gleich vorbei sein, so war er keinesfalls ängstlich gewesen.
Ruhig war er dagelegen und hatte auf den erlösenden Moment gewartet.
Der Moment, in dem jegliche Energie aus seinem geschundenen Körper fliesen würde.

Timothy McGee hatte nicht dagegen angekämpft,
er hatte bereis das nahe Ende akzeptiert und es hingenommen.
Den entsetzten Blicken seiner Kollegen hatte er ein zufriedenes,
stolzes Lächeln entgegen gestellt.
Diesmal war alles anders gewesen.
Alles hatte sich verändert.

Die Bombe war unerwartet und überraschend explodiert.
In geringer Entfernung hatte er das Knallen gehört,
kurz bevor er sich mit aller Macht gegen Tony geschmissen
und dann mit großer Wucht gegen die Wand geschleudert wurde.
Er hatte gespürt, dass es kein Entkommen mehr gab.

Seine Augen hatten zunächst gebrannt, sein Körper gezuckt,
doch innerlich war er vollkommen gefasst gewesen.
Er hatte sprechen wollen, seinen Kollegen versichern wollen, es ginge ihm gut,
doch seine Worte waren nicht mehr verständlich gewesen.

Seine letzten Gedanken hatte er daher seinen Freunden gewidmet.
Seiner Familie.
Eine Woge von Klarheit hatte sich in ihm ausgebreitet und
alle Angst vor dem Unbekannten beiseite gespült.

Vor vierundzwanzig Stunden starb Tim,
festen Glaubens seinen Kollegen gerettet zu haben.