OPERATION MUNICH "VERMISST"



Titel: Vermisst
Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Navy CIS gehören CBS, Paramount und Belisarius Productions.
Diese Fanfic wurde lediglich zum Spass geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.
Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors.
Inhalt: Diese Story ist die Fortsetzung zu Remember. Tony kann sich noch immer nicht an die Geschehnisse erinnern. Doch das Leben geht weiter und neue Gefahren lauern. Ein Mörder treibt sein Unwesen in München. Gibt es womöglich eine Verbindung zum NCIS? - na klar!

FSK: 16 Jahre



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LESEPROBE:

 

Cornelia spürte die unsicheren Blicke auf sich. Typisch, dachte sie flüchtig und schenkte den Männern und Tanja ein ironisches Lächeln. Ziva schien ganz abwesend zu sein. Es war ja wieder klar, dass ihr Umfeld ihr nichts zutraute. Doch sie würde hier alle vom Gegenteil überzeugen. Alle. Sie war es leid, gegen das Bild anzukämpfen. Sie war nicht das dumme kleine Blondinchen, dumm und schwach, angewiesen auf sie stetige Hilfe der starken Männerwelt. Nein. Sie war Cornelia Rubin. Blond? Ok, das konnte sie nicht abstreiten. Dumm? Nun, ihr Studium und die zusätzlichen, mit brillantem Erfolg abgeschlossenen Kurse in Kriminalistik, bewiesen wohl das Gegenteil. Schwach? Da sollten sie mal ihre drei Brüder fragen, die würden bei einer solchen Frage vermutlich in Gelächter ausbrechen und mit Geschwisterstolz ihre zahlreichen Narben zeigen. Schließlich hatte sie jahrelang Karateunterricht und mit süßen 13 Jahren hatte sie dann auch noch mit Kickboxen angefangen. Damals suchten die Eltern verbissen nach einer Möglichkeit, die unterdrückten Aggressionen ihrer lieblichen Tochter in den Griff zu kriegen.
Die Augen der Pathologin strahlten. Und entschlossen nickte sie Gibbs ein weiteres Mal zu. Endlich gab ihr jemand die Möglichkeit zu zeigen, was wirklich in ihr steckte. Es war ihr große Chance, ihr Können, ihr Wissen und ihr gutes Aussehen miteinander zu kombinieren und genau das zu tun, was sie immer tun wollte. Das Unmögliche möglich zu machen.

„Agent Gibbs und ich haben gemeinsam mit Abby heute Morgen ein kleines Profil von Arif erstellt.“
Cornelia stand auf und trat vor die Gruppe. Ihr Auftreten war sicher und entschlossen. „Zur Grundlage haben wir sowohl sein bisheriges Vorgehen bei den Morden, als auch die Zeugenaussagen und verschiedene Videoaufnahmen, die Abby von früher aufstöbern konnten, genommen. Von seiner Statur ist Arif eher ein schmächtiger Mann, wenn er in den letzten Jahren nicht tägliches Krafttraining absolviert hat, sollte sich das auch nicht geändert haben. Die Zeugenaussagen bestätigen zudem, dass Arif gewisse Anstrengungen aufbringen musste, um die Leiche aus dem Auto zu zerren.“

„Und damit willst du uns sagen, dass du ihm gewachsen bist?“ Tanja zog die Augenbrauen hoch. Felix schnappte gleichzeitig nach Luft.

„Ich weiß, dass ich ihm gewachsen bin“, antworte Cornelia knapp und verdrehte die Augen. „Agent Gibbs konnte sich schon von meinen Fähigkeiten überzeugen.“

Wieder spürte sie die fragenden Blicke auf sich. Alle sahen sie verwundert an, nur Gibbs schmunzelte leicht. Inzwischen wusste die Pathologin, dass ein winziges Hochziehen der Mundwinkel dieses Mannes, die größte Anerkennung an sich bedeutete.

„Ich hätte sie doch sonst gar nicht in Erwägung gezogen für ein solches Vorgehen“, grummelte der Chefermittler daraufhin den anderen Kollegen zu. „Erstklassige Nahkampftechnik.“

„Außerdem hat mich Agent Gibbs in das Geheimnis eingeweiht, wie man trinkt, ohne wirklich zu trinken.“ Sie zwinkerte dem Grauhaarigen zu. „Da die Proben inzwischen analysiert wurden, wissen wir, dass Arif seine Opfer mit einer neumodischen Droge willenlos macht. Sie sind ihm wohl mehr oder weniger freiwillig gefolgt.“

Kriminalhauptkommissar Steinberger reichte ihr die Papierrolle, die er schon die ganze Zeit in der Hand hielt. Cornelia nahm sie entgegen und rollte sie auseinander. Schweigsam pinnte sie den Plan an die Pinnwand und stellte sich seitlich, damit alle einen guten Blick darauf hatten.

„Das ist der Grundriss des Clubs“ Cornelia hielt einen Moment inne, in dem die Kollegen ihre Stühle in die richtige Position brachten, Ronald näher kam und Tony seine Lippen fest zusammenpresste. Dieser Macho schien noch immer nicht von ihr überzeugt zu sein. Sie räusperte sich. „Das ist der zentrale Punkt, hier ist die Bar.“ Sie zeigte jeweils auf die Stellen. „Tony wird auf der Empore stehen, und somit einen Gesamtüberblick haben. In diesem Teilbereich, rechts neben der Tanzfläche werden sich Tanja und Felix aufhalten, Ziva und Ronald werden sich genau hier positionieren.“

Cornelia atmete tief durch und blickte in die Gesichter ihrer Kollegen. Niemand schien Einwände zu haben, auch wenn sie sich einbildete, dass Tony schwer schluckte und seine Augen aggressiv funkelten. Eine kurze Berührung von Ziva ließ ihn aber scheinbar inne halten.


*****




Tony hatte sich vor wenigen Minuten von der Gruppe abgesetzt und war im Waschraum des Polizeipräsidiums verschwunden. Im Gegensatz zur Männertoilette im Navy Yard war der Raum in tristem Weiß gehalten, auch die sanitären Anlagen waren nicht unbedingt auf dem neuesten Stand. Aber es gab kaltes Wasser und seit geraumer Zeit ließ sich der NCIS-Agent dieses tröpfchenweise über die Handgelenke laufen und genoss die erfrischende Wirkung. Er gönnte sich eine kleine Pause, denn in ihm brodelte es unaufhaltsam. Sicher, sie waren bestens vorbereitet, das Team hatte alle Eventualitäten abgesprochen. Und doch blieb eben diese unterschwellige Gefahr. Risiko. In ihm flackerten immer wieder die Bilder des letzten Undercoverauftrages auf, das Wagnis dort entpuppte sich als verdammt heiß und ziemlich gefährlich. Und, es hätte ihn fast getötet. War er bereit, weiterhin solche Risiken in seinem Leben zu tragen? Die Gefahr, die ihm bisher immer ein aufgeregtes Kribbeln im Bauch geschenkt hatte, ließ ihm inzwischen eher die Nackenhaare aufstellen.

Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich die Tür öffnete und wieder schloss. Doch er sah nicht auf, er wollte jetzt nicht in fremden, fragenden Augen blicken, die den Amerikaner mustern würden, als wäre er ein Außerirdischer. Ihre Anwesenheit hatte sich inzwischen in dem Gebäude herumgesprochen.

„Hey!“ Sofort erkannte Tony die Stimme. Die Klangfarbe, die ihm die Kehle zuschnürte und sofort wieder die Wut in ihm aufwallen ließ. Was wollte Ronald hier?

Er versuchte ihn zu ignorieren. Wortlos drehte er den Wasserhahn zu, griff nach einem Papier, grob und recycelt, trocknete flüchtig seine Hände, da diese Tücher sowieso nicht imstande waren zu trocknen, und schmiss es danach in den großen silbrigen Mülleimer, der maßlos überfüllt zwischen den beiden Waschbecken stand. Der Halbitaliener konzentrierte sich auf sein Handeln, begleitete in Gedanken jeden einzelnen Arbeitsschritt. Und tatsächlich, es schien zu funktionieren, sein Pulsschlag beruhigte sich und er konnte tief durchatmen.

„Tony? Es tut mir leid.“

Das war zu viel. Ein schlichtes ‚Hey‘ konnte er vielleicht ignorieren, aber diese Worte aus Ronalds Mund durchbrachen in ihm das sichere Eis und die tosenden Wellen der Wut brachen erneut über ihm zusammen. In Sekundenschnelle wirbelte Tony herum, warf sich gegen die Brust des Mannes und drückte ihn mit dem Rücken gegen die weiße Wand. Was bildete sich der Typ bloß ein? Dachte Ronald ernsthaft, er könne ihm das verzeihen? Nein. Ganz bestimmt nicht. Niemals! Sein Gegenüber hatte ihre Männerfreundschaft schließlich mit Füßen getreten, er hatte sogar Stahlkappen dazu verwendet.

Ronald schnappte nach Luft. Er keuchte auf und versuchte mit dem Gewicht seines Körpers dagegenzuhalten. Doch Tonys Unterarm hatte sich inzwischen unter sein Kinn gedrückt und übte einen kontinuierlichen Druck auf seinen Kehlkopf aus. Die vor Zorn geweiteten Pupillen funkelten ihn zornig an.

„Es tut dir leid?“ Tony erwartete keine Antwort. Es wäre sowieso egal, was Ronald ihm entgegenbrachte. „Du gottverdammtes Arschloch.“ Sekundenlang starrten sie sich gegenseitig in die Augen, während Ronald weiterhin nach Luft japste und erfolglos versuchte, Tonys festem Griff zu entkommen. Dieser änderte abrupt seine Position, packte Ronald am Kragen und schleuderte ihn dann mit Wucht gegen die Trennwand neben dem Waschbecken.

„Du verlogener Mistkerl“, knurrte Tony und wollte sich gerade wieder mit aller Wucht gegen Ronald werfen. Doch irgendwas hielt ihn auf. Jemand packte seine Schulter, griff nach seinem Arm und noch bevor er die Situation verstand, wirbelte man ihn herum und drückte ihn gegen die Wand, an der zuvor Ronald nach Atem gerungen hatte. Er wollte gerade anfangen, sich gegen das Hindernis zur Wehr zu setzen, als er erkannte, wer ihn gerade davon abhalten wollte, Ronald noch einen kräftigen Tritt in die Eier zu verpassen.

„Ziva“, keuchte er entrüstet und erwiderte den Blick, den sie ihm fordernd entgegenwarf. Das wurde ja immer besser. Zunächst stellte sie sich in der Besprechung auf die Seite dieses Möchtegernagenten, dann wurde sie von Gibbs in Ronalds Team eingeteilt und jetzt hinderte sie ihn auch noch daran, dem Typ die nötigen Leviten zu lesen. Im Augenwinkel vernahm er mit gnadenloser Genugtuung, dass Ronald sich langsam an der Wand herabgleiten ließ und mit seinen Händen seinen Hals bedeckte.

„Bist du verrückt geworden?“, blaffte Ziva ihm entgegen. „Was ist nur in dich gefahren?“ Sie konnte nicht behaupten, sie habe es nicht kommen sehen. Aber die Intensität von Tonys Ausbruch überraschte sie doch sehr. Sie hätte sich nie im Leben vorstellen können, dass ihr Partner so die Kontenance verlieren konnte.

Ungläubig riss Tony die Augen auf, versuchte sich aus ihrem festen Griff zu befreien und stellte fest, dass es daraus wohl eher kein Entkommen gab. „Was in mich gefahren ist?“ Tony lachte auf. „Der Typ ist für mich das Letzte.“

Ziva wägte ab. Was war sinnvoller? Schlichten und somit das schwelende Feuer nur zu beruhigen, bis es erneut ausbrechen würde, oder aber zu provozieren und das Thema ein für alle Mal zu klären? Sie entschied sich für letzteres und stellte eine vermeintlich simple Frage. „Warum?“

Tony stockte und startete dann einen weiteren Versuch sich aus ihren Armen zu befreien. Doch auch der erneute Versuch misslang und steigerte seinen Zorn bis zur Obergrenze. „Lass mich los“, fluchte er und stierte Ziva in die braunen Augen. „Verdammt, das ist eine Sache zwischen Männern. Wir werden das auf unsere Art und Weise klären.“

„Das werdet ihr nicht“, sprach Ziva ganz ruhig. „Also, raus mit der Sprache. Was ist los?“

„Du machst dich gerade lächerlich“, knurrte Tony, der inzwischen nicht mehr wusste, wem seine überschwappende Wut galt. Ronald oder der Frau, die ihn daran hinderte, seine Rage zur Explosion zu bringen.

„Du machst dich lächerlich“, erwiderte Ziva.

„Ich mach mich sicherlich nicht lächerlich. Der Typ hat …“ Tony sah zwischen Ziva und Ronald hin und her.

„Was hat er?“, Ziva hielt seinem entrüstenden Blick stand.

„Er hat mit meiner Freundin geschlafen“, entfuhr es Tony und als er die Worte ausgesprochen hatte, hielt er inne und presste kurz die Lippen aufeinander. „Du weißt doch genau was er getan hat.“

Ziva antwortete nicht sofort. Sah dem Halbitaliener in die grünen Augen, die mit einem Schlag traurig zu werden schienen. Er hatte es ausgesprochen. Am liebsten wäre sie jetzt in Tränen ausgebrochen und ihm um den Hals gefallen. Doch sie riss sich zusammen und schüttelte entschieden den Kopf. „Das ist nicht fair.“

„Was?“ Irritiert runzelte Tony die Stirn. Ziva redete hier von Fairness? Er war es doch schließlich, der hintergangen wurde.

„Wusstest du in dem Moment als ich mit Ronald geschlafen habe, dass ich deine Freundin bin?“ Ziva wählte bewusst die Ichform, auch wenn es ihr dadurch noch schwerer fiel, die Worte auszusprechen.

„Nein. Das weißt du doch auch. Verdammt, ich konnte mich doch nicht erinnern.“ Tonys Stimme verlor an Kraft, wurde dann leiser und friedvoller. Er ahnte schon, was jetzt folgen würde.

„Wie konnte Ronald es dann wissen?“, fragte Ziva leise und lockerte ihren Griff. Nach einer kurzen Pause, in der niemand sprach, fügte sie hinzu: „Niemand wusste es. Außer ich. Also wenn du jemanden die Schuld geben willst, dann mir.“ Mit traurigen Augen blickte sie ihm entgegen, bemerkte nebensächlich, dass Ronald schweigsam und mit eingezogenem Kopf den Raum verließ.

Tony räusperte sich. Seine Wut war plötzlich verpufft. Doch er konnte auf Zivas Frage nicht sofort antworten, er wusste gerade selber nicht, was er genau empfand. Sie war eine wundervolle Frau. Dessen war er sich sicher. Und während er ihre weichen Gesichtszüge beobachtete, ihre leicht zitternden Lippen, als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen, löste er sich vorsichtig aus ihrem standhaften Griff und fuhr mit den Fingerspitzen zärtlich über ihre Wange. Mit einem Mal wirkte sie so zerbrechlich, ganz im Gegensatz zu der Person, die sich noch vor wenigen Minuten zwischen Ronald und seiner Wenigkeit gestellt und verbissen für die unausgesprochene Wahrheit gekämpft hatte. Und genau das wollte auch er. Die Wahrheit. „Hast du es gewusst? Hast du gewusst, dass du meine Freundin bist?“

Ziva schloss die Augen und als sie anfing zu sprechen, war es mehr ein Flüstern. „Es tat weh, mehr als ich es in Worte ausdrücken kann, zu akzeptieren, dass ich eben nicht deine Freundin bin.“ Sie sah ihm kurz in die Augen und senkte dann den Blick. „Es ist schwer einen Traum zu begraben. Alles was ich in meinem Leben wollte, war, jemanden zu lieben und von einem Menschen geliebt zu werden. Zu wissen, dass es jemanden gibt, der mich versteht. Und der es ehrlich mit mir meint. Damit hatte ich nie besonders viel Glück. Ich bin vielen Männern begegnet, doch der Funke ist nie richtig übergesprungen. Dieser Funke, der tief in dir das Feuer entfacht, in dem Moment in dem du begreifst, das ist der Mensch auf den du ein Leben lang gewartet hast.“ Wieder schloss Ziva die Augen. „Wenn du dein ganzes Leben auf etwas Bestimmtes wartest und es dann endlich findest, erscheint es dir wie ein Wunder. Es füllt dich aus, lässt dich zu einem anderen Menschen werden. Du hast das Gefühl endlich angekommen zu sein. Zu leben. Das alles wieder zu verlieren, ist, als reiße jemand gewaltsam dein Herz und deine Seele in Fetzen. Es zerstört dein Leben.“

Tony strich durch ihr Haar und griff dann nach ihrem Kinn. Sie hatte noch immer die Augen geschlossen. „Ich …“, er verstummte sofort wieder, als er bemerkte, dass er nie seine Gefühle und Gedanken in die richtigen Worte hüllen konnte. Stattdessen zog er sie an sich und berührte vorsichtig mit seinen Lippen die ihren. Der erste Kuss. Ein Kuss, der mehr sagte, als Worte jemals ausdrücken könnten.