SPOT ON - HAPPY HOLIDAY


 

Taljah saß etwas abseits in der Ruheecke des Kindergartens und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Urlaub, was bedeutete schon Urlaub? Sie hatte bisher noch nie welchen gemacht und brauchte das auch nicht, dachte sie trotzig. Warum nur hatte sich ihre Mutter dazu bereit erklärt, Tali mitfahren zu lassen. Sie verstand das gar nicht. Wenn sie sich vorstellte, jeden Tag der nächsten Woche, Milenas Gequassel zu hören, wurde ihr jetzt schon ganz schummerig. Naja, sie würde einfach versuchen Mia zu ignorieren und sich dafür an Tante Ziva halten. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. Urlaub am Meer. Irgendwas hatte das auch für sich.

„So Mädchen, wir sind da. Aussteigen!“, dröhnte Tonys Stimme nach hinten. Sie waren den ganzen Morgen unterwegs gewesen. Er war froh, mal wieder laufen zu können. „Dad, schön dich zu sehen“, sagte Tony als sich sein Vater dem Wagen näherte.
„Junior, ich freue mich auch euch zu sehen. Ziva du siehst bezaubernd aus“, und während er seine zukünftige Schwiegertochter in den Arm nahm, rollte Tony mit den Augen. Dieser alte Charmeur, dachte er grinsend und streckte eine Hand nach ihr aus.
„Dad, nur um das noch einmal klar zustellen, sie gehört mir.“
„Grandpa, wir sind auch noch da“, kam es von Milena und sie zupfte ihm an der Hose.
„Oh, wie könnte ich denn zwei so reizende Mädchen übersehen“, sagte er und ließ sich vor den beiden Kleinen auf ein Knie nieder. „Hallo Mia ich freue mich sehr dich zu sehen. Und du musst Zivas Nichte sein. Taljah, das ist ein schöner Name“, sagte er. „Mrs. Colemann, meine Haushälterin wartet schon in der Küche auf euch mit Schokoladen-Muffins.“ Das musste er nicht zweimal sagen. Seine Enkelin bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
„Komm Tali, die sind so super... die wirst selbst du mögen“, sagte sie und nahm ihre Freundin fest an der Hand. „Und danach zeig ich dir mein Baumhaus.“ Während ihr Grandpa ihre Eltern ins Haus führte, machten sich die Mädchen auf zur Küche.

„Milena, mein kleiner Nimmersatt“, wurden sie in der Küche freudig begrüßt und jetzt war es Taljah die ihr Lächeln nicht mehr verbergen konnte. Endlich mal jemand der in Mia dasselbe sah wie sie. „Hallo Susan“, sagte Mia. „Grandpa sagt, du hast Muffins gebacken. Wir haben solchen Hunger“, jammerte sie gleich los.
„Ich nicht“, sagte Taljah schnell. „Süßigkeiten sind außerdem ungesund, sagt meine Mom“, teilte sie der Haushälterin mit. Diese lächelte sie an. „Diese nicht. Ich habe sie frisch gebacken, nur mit frischen Bio-Produkten.“
Tali war sich nicht sicher, warum diese dann nicht mehr ungesund sein sollten, aber sie nickte erst einmal und sah der Frau zu, wie sie zum Küchenschrank ging, um die Platte zu holen. Plötzlich stockte sie. „Das gibt es doch nicht. Da fehlt ja schon wieder einer. Das ist jetzt schon der zweite. Ich versteh das nicht.“
Die Mädchen warfen sich einen Blick zu. Das könnte interessant werden. „Was ist denn, Susan?“, fragte Mia.
„Wir haben hier einen Dieb Milena. Das geht jetzt schon Tage so. Immer wieder fehlt etwas. Mal ein paar Scheiben Wurst, dann Käse, oder wie jetzt frischer Kuchen.“
Taljah kam nun auch näher. „Hat der Dieb Spuren hinterlassen?“
„Spuren?“, die Haushälterin fuhr herum. „Mädchen, ihr seht zu viele Filme. Nein, mir ist jedenfalls nichts aufgefallen. So, hier habt ihr eure Muffins und jetzt raus mit euch, geht spielen“, und mit diesen Worten scheuchte sie sie aus ihrem Reich.

 

 

Tommy saß derweilen in der Malecke und zeichnete zum gefühlten 1000sten Mal ein Strichmännchen, dabei presste er unbewusste die Zunge zwischen seinen Lippen. Es waren Ferien und ziemlich wenige Kinder im Kindergarten. Diggs verbrachte die Tage bei seiner Mama zu Hause und wollte an seinem Boot bauen, Sabby war mit ihrer Tante beim Kegelausflug und Rocky, ja der hatte seinen Blick seit Stunden nicht vom Biologiebuch gehoben. Und ohne Mia und Tali war der Vormittag ziemlich langweilig gewesen und so hatte er sich vorgenommen eine kleine Bildergeschichteüber den Puppenmörder zu malen.

„Nee“, er schüttelte frustriert den Kopf. Dieses Männchen war auch nicht gut. Abermals zerknüllte er das Papier und schmiss es in den Papierkorb, der bereits kurz vorm Überlaufen war. Wieder „Punkt, Punkt, Komma, Strich“, Mist, jetzt ist der Mund schief. Er seufzte und zerriss das Blatt.

Im Hintergrund hörte er die Türklingel und kurz darauf das Rufen von Miss Cumberland.

„Tommy, du bist abgeholt.“ Die Erzieherin streckte kurz den Kopf zur Tür herein. „Dein Mutter und ich sind kurz im Büro. Deine Schwester ist im Flur. Kommst du?“

Tommy schielte auf den Berg der zerknüllten Zeichnungen und rümpfte die Nase. Heute war er nicht besonders weit gekommen mit seiner Bildergeschichte. Doch Morgen würde er die Szenen von ….

Draußen im Flur rumpelte es laut und entsetzt ließ Tommy alles stehen und liegen. In Windeseile rannte er raus in die Garderobe und blieb entsetzt im Türrahmen stehen.

Dort, inmitten der Hausschuhe und Brotzeittaschen, saß seine kleine fast 2jährige Schwester, Tränen überströmt, von oben bis unten mit rotem Zeug bekleckert. Mit einem Satz sprang er zu ihr, ließ sich auf die Knie nieder und strich über ihren kleinen Kopf. „Was ist passiert?“ Diese hob die Hände und blickte erst auf die, mit Himbeersirup verschmierten Hände und dann auf eine Brotzeitdose, die vor ihr auf dem Boden lag. „Putt gemacht“

Das Entsetzen in Tommys Gesicht wurde noch größer. Auf dem Boden lag Mias Hello Kitty Brotzeitbox, und diese war kaputt. Der Junge verfluchte Mias Vergesslichkeit, mal wieder hatte sie alles liegen lassen und er hatte jetzt den Ärger. Wieder musste er die ganze Arbeit machen. Der Pfannkuchen vom Vortag klebte auf dem Boden, der klebrige Sirup zierte Emma.


Familie DiNozzo und Taljah verbrachten herrliche Tage am Meer. Die beiden Mädchen tobten ausgelassen durch das erfrischende Wasser, ärgerten sich gegenseitig, stritten und vertrugen sich wieder. Mia war ständig damit beschäftigt, die schöne Landschaft zu fotografieren. Ihr Daddy konnte mal wieder nicht nein sagen, und so hatte Mia ihre erste eigene Kamera bekommen.

Nach einem anstrengenden Ausflug kamen sie in der Abenddämmerung nach Hause. Tony und Ziva wollten noch einen kurzen Abstecher ans Meer machen und so durften die Mädchen das erste Mal seit ihrer Ankunft mit dem Großvater in dessen Arbeitszimmer. Während Taljah sich müde auf der Couch niederließ, begutachtete Mia das Aquarium.

Mias Blick wanderte nun von einer Seite zur anderen, in jedem Winkel suchte sie nach den Fischen, die bei ihrem letzten Besuch bei ihrem Großvater noch in diesem riesigen Aquarium herum geschwommen sind. Hatten sie sich heute so gut vor ihr versteckt. Sie biss sich auf die Unterlippe.

„He, Grandpaaaaaaa“ schrie sie durchs Zimmer. „Wo sind denn die Goldfische?“

Tonys Vater setzte sich in seinem gemütlichen Sessel auf, in dem er es sich nach dem anstrengenden Ausflug gesetzt hatte und sich nun als Belohnung eine Zigarre leistete. Taljah schien das nicht zu gefallen, immer wieder fuchtelte sie mit den Händen vor ihrem Gesicht herum, um den Rauch von ihrer zarten Nase fernzuhalten.

Das hustende Mädchen ignorierend, blickte er mit einem traurigen Gesicht zu seiner Enkelin. „Die Goldfische sind leider krank geworden, Mia und dann gestorben.“

Mia schob die Unterlippe vor. „Wie SCHADE, woran sind sie denn gestorben?“

Taljah schielte auf die Zigarre im Mund des Mannes, hob das Kinn und blickte mit kräftigem Ausdruck in Mias Augen. „Bestimmt an Rauchvergiftung.“ zischte sie und runzelte die Nase.

„Meinst du ehrlich?“ kam es über Mias Lippen und sie drehte sich zurück zum Aquarium.

Mr. DiNozzo senior legte die Stirn in Falten, zog eine Augenbraue nach oben und setzte ein breites Grinsen auf. Amüsiert wuschelte er Taljah durchs lockige Haar.

 


Wenig später saßen die Urlauberinnen im Baumhaus und sahen aufs Meer hinaus. Tali steckte sich gerade den letzten Krümel in den Mund. Das musste sie Mia ja lassen. Das tägliche Muffin hatte auch heute wieder wirklich herrlich geschmeckt und sie leckte sich die letzte Schokolade von den Fingern.

„Es sind schon wieder Sachen in der Küche verschwunden.“ murmelte Mia.

„Was meinst du. Sollen wir uns heute Nacht in der Küche auf die Lauer legen und den Dieb fangen?“, fragte Taljah ihre Freundin.
„Oh ja, das wird bestimmt Spaß machen“, kam es von Mia so aufgeregt, das Tali direkt mit den Augen rollte.

Als alle schliefen schlichen sich die Mädchen in die Küche. Beide hatten sich vorher bewaffnet. Milena mit Opas Taschenlampe, Gummibärchen und ihrer Puppe. Taljah mit fünf Büroklammern. Gott sei Dank hatte sie hier im Büro des alten Herren ein volles Glas gefunden, so dass sie sogar die Farben hatte aussuchen können, denn man wusste ja nie was so alles passieren konnte. Vorsichtig schauten sie sich in der Küche um. Öffneten Schränke und schauten in Schubladen. Auf der Anrichte standen immer noch die Muffins. Mia bekam schon wieder leuchtende Augen, doch Tali schlug ihr leicht gegen den Arm. „Hey, wir sind nicht zum Essen hier. Schade, dass Sabby und die anderen nicht ihr sind. Sabby würde bestimmt ein paar Spuren finden“, dann machten sie es sich unter dem Tisch in der Ecke gemütlich und löschten die Taschenlampe.

 

Milena brauchte nur wenige Minuten, bis sie eingenickt war. Taljah beobachtete sie eine Weile und bemerkte das mulmige Gefühl, dass sich in ihrer Magengegend breit machte. Sie wollte so gerne jetzt bei ihrer Mama sein. Sie biss sich auf die Unterlippe, haderte noch einen Moment und krabbelte dann unter dem Tisch hervor. Wenn sie sich recht erinnerte, befand sich das Telefon draußen im riesigen Eingangsbereich. Beinahe lautlos schlich sie aus der Küche, warf noch einen letzten Blick über ihre Schulter und rannte los. Als sie vor dem Telefon stand huschte ein stolzes Lächeln über ihr Gesicht, zum Glück kannte sie drei Telefonnummern auswendig. Die von ihrer Mama, die von Mia und dann die von Diggs. Sie wählte die erste Nummer und als sie das Klicken des Anrufbeantworters hörte, überfiel sie erneut das Gefühl der Traurigkeit. Sie wischte sich mit dem Ärmel ihres Schlafanzugs übers Gesicht und wählte mit feuchten Augen die nächste Nummer.

 

„He Diggs“ Die Mutter von Diggs kam in den Garten und hielt ihrem Sohn den Telefonhörer hin. „Ein Ferngespräch.“ Verwirrt und neugierig musterte sie ihren Sohn.

„Wer ist das?“ fragte Diggs wenig neugierig, denn eigentlich war er gerade dabei seine Holzhütte im Garten zu verschönern.

„Ein Mädchen, klang sehr aufgeregt.“ Die Mutter drückte ihm den Hörer in die Hand.

„Ja Diggs“ grummelte der Junge zur Begrüßung.

„Hallo, wie ist es in Washington?“ Taljah versuchte, ihre Stimme normal klingen zu lassen. Schließlich wollte sie nur eine bekannte Stimme hören, um neue Kraft zu sammeln und nicht als verweichlicht rüberkommen.

„Tali, woher hast du die Nummer.“ Diggs, am anderen Ende des Telefons hob eine Augenbraue. Um den Blicken seiner Mutter auszuweichen, ging er um die Hausecke und lehnte sich lässig gegen die Mauer der Garageneinfahrt.

„Von Sabby“ flüsterte Taljah. „Und wenn es dich beruhigt, ich habe sie gezwungen sie mir vor meiner Abreise zu geben.“

„Nein, das beruhigt mich nicht. Was ist los?“ Diggs hatte längst die Anspannung in Taljahs Stimme erkannt.

„Wieso muss immer gleich etwas los sein? Kann ich nicht einfach einen Freund anrufen und hören, wie es ihm so geht.“

„Heut noch, Taljah“

„Ok“ Tali ließ sich am Geländer auf die erste Treppenstufe hinunter gleiten. „Ich hab vielleicht ein paar kleine Problemchen.“

„Ach ja, was heißt kleine?“

„Mia redet ununterbrochen, ständig muss ich Süßigkeiten essen, der Zigarrenqualm von Mias Grandpa stinkt…“

„Hör mal Taljah, ich habe Ferien, ich bin dreitausend Meilen weit weg, was könnte ich für dich tun?“

„Ehrlich gesagt, weiß ich´s nicht…..“ Die Tränen kullerten über ihr Gesicht. „ Ich hatte gehofft, vielleicht, könntest du mich retten?!“

Natürlich hatte das Gespräch mit Diggs sie nicht wirklich weitergebracht, aber zumindest war das mulmige Gefühl jetzt etwas gedämpft und genau so leise, wie sie weggekrochen war, krabbelte sie zurück unter den Tisch. Mia schlief noch immer.

Zwei Stunden später hörte Taljah plötzlich Geräusche von der Tür. Sie hob ihre Hand und schubste die, leise vor sich hin schnarchende Mia an. „Hey, Psssst, da kommt wer.“
Milena rieb sich ihre Augen. „Mensch Tali, du hast ganz schön geschnarcht, ich konnte gar nicht schlafen.“
Die kleine Israeli sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ihre fast schwarzen Augen hatte sie beinahe zu Strichen verengt. „ICH? DU...egal. Da kommt wer.“
Sie hörten die angelehnte Tür zum Kellerraum leise quietschen, dann öffnete sie sich. Das nächste, was sie vernahmen war ein leiser Plumps und ein Schaben, welches sich nach der Kuchenplatte anhörte. „Mia, mach die Taschenlampe an.“ Milena richtete die Lampe auf die Küchenzeile und drückte den Knopf. Helle Augen blitzten sie an, dann hörten sie ein lautes Fauchen, in Kombination mit einem Miauen.
„Eine Katze!“, entfuhr es Tali. Im Licht der Taschenlampe konnte sie das Tier jetzt besser sehen. Ein kleines rotbraunes Fellbündel mit leuchtend grünen Augen sah sie ängstlich an. Es war noch jung und es schien Hunger zu haben. Tali ging mit ausgestrecktem Arm auf das Tier zu. „Hey Miau, du bist aber ganz eine Liebe“, gurrte sie, dann hatte sie die Anrichte erreicht und konnte das Tierchen anfassen. Der kleine Körper drückte sich sofort an ihre Hand. „Oh, sie mag mich“, flüsterte sie leise.
„Woher weißt du das das eine Sie ist?“, fragte Mia verwirrt.
„Weiß ich nicht, aber es heißt doch DIE Katze und nicht DER Katze, oder?“
„Mhm, da hast du auch wieder recht“, kam es von Mia ebenfalls leise und sie beobachtete das Spiel entzückt. Taljah schien ganz verändert. Das sonst so kalt wirkende Mädchen, hatte also einen weichen Kern. Wer hätte das gedacht. Sie streckte ihre Hand nach dem Hauptlichtschalter aus und knipste die Deckenlampe an. Dann ging alles ganz schnell. Die kleine Katze erschreckte sich, gab ein lautes Fauchen von sich und gab Gas. Auf ihrer Flucht sprang sie auf die Platte mit Muffins und diese fiel mit einem lauten Krachen auf den Boden. Dann sprang sie in ihrer Panik auf Milenas Schulter, dass diese laut aufschrie, was alles nur noch verschlimmerte und ergriff dann endgültig die Flucht. Im gesamten Haus ging das Licht an. Tony und Ziva standen kurz darauf mit ihren Waffen im Anschlag in der Küche und auch ihr Opa war schon im Morgenmantel auf der Treppe.
„Was zum Henker macht ihr hier“, Tonys Stimme donnerte durch die Küche, während er seine Waffe senkte.
Taljah, die gesehen hatte, dass das kleine Fellbündel sich hinter der Tür verzogen hatte, ließ die Stelle nicht aus den Augen. Langsam ging sie darauf zu und schlich sich dahinter, während Mia ihren Eltern versuchte, die Situation zu erklären. Sie näherte sich wieder dem Tierchen. Seltsamerweise schien es zu ihr Vertrauen zu haben, denn wieder drückte es seinen Kopf gegen ihre Hand und ließ sich von ihr einfach auf den Arm nehmen. Dann kam sie mit ihm wieder heraus. „Das ist der Dieb. Ist sie nicht süß?“, fragte sie mit einem Lachen in der Stimme und wies mit dem Kinn auf das kleine Kätzchen.
„Oh“, machte Ziva. „Ja, Tali das ist sogar sehr süß.“ Langsam kniete sich ihre Tante neben sie und streichelte ebenfalls das kleine Wesen.
Vater und Tochter standen zusammen davor und beobachteten die Szene. Tony zog die Nase kraus. Eine Katze?, dachte er und spürte, wie sich ein Juckreiz bildete. „HATSCHI“, machte es da laut. „´schuldigung, meine Allergie“, sagte er und zog die Nase hoch.
Taljah sah ihre Tante an. „Darf ich sie behalten? Bitte Tante Ziva. Mom hat bestimmt nichts dagegen, zu Hause hatten wir auch Katzen. Bitteeee.“ Oh Gott, sie hörte sich schon an wie Milena wenn sie etwas wollte, aber das kleine Fellbündel fühlte sich einfach zu gut an in ihren Armen und sie hatte das Gefühl genau das Richtig zu tun.
Die Stille, die sich daraufhin ausbreitete, wurde nur von gelegentlichen HATSCHI Geräuschen von Tony unterbrochen, der sich jetzt geräuschvoll die Nase putze.
„Okay, ich spreche morgen mit deiner Mutter, wenn sie nichts dagegen hat und es hier kein Kind gibt, dann kannst du sie mitnehmen.“
„Danke Tante Ziva“, kam es von Tali und sie drückte ihre Nase in das schnurrende Kätzchen.
Tonys Vater stand in der Türzarge und lächelte. „Tja Kinder. Die Katze muss aber raus aus dem Haus, sonst haben wir hier morgen einen kranken Junior und das möchte, glaube ich, niemand.“
Tony warf seinem Vater einen bösen Blick zu, den dieser aber ignorierte. „Ihr könnt mit dem Kätzchen im Baumhaus schlafen. Was haltet ihr davon?“, fragte er die Mädchen.
Die Beiden bekamen große Augen. „Ehrlich Grandpa?“, und als dieser wieder nickte, wandte sie sich an Tali. „Komm, das wird spannend“, sagte sie, ergriff ihre Freundin am Arm und zog sie aus der Küche.

 

 

Ziva hatte schon die Scherben aufgehoben und sah jetzt den Mädchen hinterher. Tony warf seinem Vater einen strafenden Blick zu. „Dad, ich weiß nicht „HATSCHI“ ob das so eine gute Idee war. Sie sind noch zu klein um schon allein zu schlafen „HATSCHI“.
„Doch Junior, ich denke schon. Ich kann mich an deine Allergie nur zu genau erinnern und außerdem, hier auf der Insel passiert ihnen schon nichts. Und jetzt lasst uns versuchen noch ein wenig zu schlafen. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich brauche meinen Schönheitsschlaf.“

„Jetzt komm endlich ins Bett Tony. Was soll ihnen denn geschehen. Sie sind sicher da oben.“
„Sie haben ein wildes Tier dabei „HATSCHI“. Wer weiß, vielleicht hat es eine ansteckende Krankheit, oder es beißt sie. Es kann so viel „HATSCHI“ passieren, Ziva“, kam es vom Fenster, doch er drehte sich zu ihr um und kam ans Bett. „Ich geh nur noch kurz was trinken, dann komm ich.“ Auf dem Weg zur Tür blickte er noch einmal aus dem Fenster, was Ziva zum schmunzeln brachte.

Anthony DiNozzo Senior stand am Fenster in seinem Zimmer und blickte auf das Baumhaus, als es an seiner Tür klopfte. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Komm rein Anthony.“
Tony trat hinter seinen Vater. Kurz blickten sie zusammen aus dem Fenster. „Du übernimmst die erste Schicht, ich die zweite und morgen tauschen wir dann. Okay Dad?“
„Ja mein Sohn, geh schlafen ich pass auf die Mädchen auf.“

Zum Frühstück kamen die Beiden wieder zurück ins Haus. Nachdem sie sich gewaschen und umgezogen hatten, saßen sie am Tisch im Esszimmer und verputzten heißhungrig ihr Frühstück. Kurz darauf lief Tali noch einmal zurück zu ihrem Kätzchen, um auch dem Kleinen etwas zum fressen zu bringen.
„Na Milena, wie war die Nacht?“, fragte ihr Grandpa währenddessen seine Enkelin, die noch genüsslich ihren Kakao schlürfte.
„Gut Opa“, antwortete Mia einsilbig.
„Und wer hat auf dem Schlafsack schlafen dürfen?“
„Taljah, ich hab ihr den Vortritt gelassen. Immerhin ist sie ja noch kleiner als ich.“
„Braves Mädchen“, lobte ihr Opa.

Tali kniete zum gleichen Zeitpunkt auf dem Terrassenboden und beobachte ihr Kätzchen, wie dieses genüsslich ihre Milch schleckte.

„Hallo Tali, na wie war die erste Nacht mit deinem Kätzchen?“, fragte Ziva ihre Nichte und wuschelte ihr durch die Locken.

„Oh gut, nur etwas hart. Denn da oben gibt es nur eine Schlafgelegenheit und die brauchte Mia ganz dringend für sich, weil ihr von Spots Sprung noch der Rücken wehtat.“
„Ich habe übrigens schon mit deiner Mutter gesprochen, du darfst das Kätzchen behalten. Und wie ich höre hat es ja auch schon einen Namen“, teilte sie ihr lächelnd mit.
Taljahs Gesicht erhellte sich. „Oh das ist ja so schön. Das muss ich gleich Mia sagen“, sagte sie und rannte schon ins Wohnzimmer.

Lächelnd blickte Taljah am letzten Abend aus dem Fenster des Wohnzimmers und sah eine ziemlich zerknirschte Milena unter dem Dachvorsprung des Eingangsbereichs stehen. Und eigentlich tat es ihr auch schon wieder leid, sie in den letzten Stunden so gequält zu haben, sie hatte sie ignoriert und wollte einfach mal alleine sein. Mia war so anstrengend gewesen in den letzten Tagen und sie hatte dringend eine Pause vom ununterbrochenen Reden gebraucht. Also hatte sie sich dünne gemacht, doch Mia war ihr ununterbrochen gefolgt. Nun stand ihre Freundin einsam vor der Tür und blickte in den Himmel. Es regnete in Strömen, das erste Mal im Urlaub. In der Hand hielt Mia eine Schachtel mit Süßigkeiten und stopfte einen Schokoriegel nach dem anderen in den Mund. Tali rieb sich die Nase und fasste einen Entschluss. Sie griff die beiden Trinkflaschen, die vom Abendessen noch auf dem Tisch standen und seufzte tief. Dann trat sie vor die Tür.

„Warmer Kamillentee. Trink, das ist keine Bestechung.“

„Seit wann wusstest du, dass..“ Mia blickte sie verwirrt an.

„…das du mir nachläufst?“ Taljah schenkte ihr ein mildes Lächeln. „seit ich das Baumhaus verlassen hab.“

„Das kann nicht sein.“ schnaubte Mia, die sich sicher war, dass Taljah von ihrer Verfolgung nichts mitbekommen hatte.

„Mit Puppe, erst hinter dem großen Baum, dann hinter der Mülltonne, verloren hast du mich in der Eingangshalle…“

„Schon gut, du wusstest es.“

„Trink das. Es ist kalt hier draußen.“ Erneut hielt Taljah ihrer Freundin die Trinkflasche hin und zögerlich nahm diese an. Mit der Trinkflasche und der Schachtel in der Hand ging Mia daraufhin die letzten zwei Stufen des Treppenabsatzes hinunter und versuchte die Süßigkeitenschachtel in die Mülltonne zu schieben.

„Da ist noch ein Stück drin.“ kam es verwundert von Tali. Mia drehte sich um, kam zurück und drückte dem Lockenkopf den letzten Schokoriegel in die Hand.

 

 

Wenig später war der Streit schon wieder vergessen und da es noch immer regnete hatten es sich die Mädchen auf der riesigen Couch im Wohnzimmer breitgemacht und sahen sich die Fotoaufnahmen von Mia an. Mia sah sich Bilder an, während Taljah total vertieft ein Bilderbuch las.

„Schau mal Grandpa, das sind die ersten Bilder“, sagte sie und drückte ihm den ersten Stapel in die Hände. Ihr Großvater schmunzelte als er sich ihre verwackelten Bilder ansah und zu jedem ein Feedback gab. Die meisten Bilder zeigten nur die Gegend, aber ein Foto war dabei, das aus der Menge heraus stach. Anthony Senior drehte dieses zu ihr um. „DAS Mia, das zeigt das Leben.“

Die fünf Tage waren viel zu schnell vorbei und es hieß schon wieder Abschied nehmen. Abschied, vom Meer, an dem Tali und Mia viel Zeit verbracht haben, Abschied von Grandpa, den auch Taljah vermissen würde und Abschied von Susans leckeren Muffins und Brownies. Aber von ihrem Spot brauchte sie sich nicht verabschieden, denn ihn konnte sie mitnehmen. Eine Untersuchung beim zuständigen Distrikt Tierarzt hatte bestätigt, dass es sich um ein kleines Katerchen handelte und der Name also mehr als berechtigt war. Jetzt stand Spot in einer Transportbox zwischen den beiden Mädchen, die schon im Auto saßen. Mia zwinkerte ihrer Freundin zu und legte den Kopf leicht schief. „Na dann, lass uns den Dieb nach DC überführen.“

Zum Abschied winkten die Mädchen von der Rückbank dem Großvater ein letztes Mal zu.
„Fahrt vorsichtig, ja und ruft an, wenn ihr da seid.“
„Mein Gott Dad „HATSCHI“. Das ist doch keine lange Fahrt“, sagte sein Sohn und rollte mit den Augen.
„Ich weiß, aber du siehst übermüdet aus und deine Allergie wird nicht besser, wenn ihr das Tierchen gleich im Auto dabei habt.“
Ziva warf ihrem Verlobten einen besorgten Blick zu. Tony hatte es wirklich schwer erwischt, er hatte dunkle Ränder unter den Augen und nieste in einer Tour. „Darum werde auch ich fahren“, und an ihren Freund gewandt fügte sie hinzu. „Und du kannst noch etwas schlafen“, sagte sie, nahm ihm den Schlüssel aus der Hand und stieg schon einmal ein.
„Tja Junior, ich hab dir gleich gesagt du übertreibst mit deiner Aktion“, sagte er Kopfschüttelnd.
Tony schenkte ihm ein kleines Lächeln, bevor sich sein Gesicht wieder zu einem Niesen verzog. Frustriert fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. Jetzt hatten sie eine Woche Urlaub gehabt und er fühlte sich reif für die Insel. Wenn er an die Rückfahrt dachte, wurde ihm jetzt schon anders.


Heute war der erste Tag nach dem Urlaub. Mia war schon ganz aufgeregt. Sie hatte ihren Rucksack mit allen selbst geknipsten Fotos vollgepackt. Sie war so stolz auf ihre Bilder und konnte es kaum erwarten sie dem Team und den anderen Kindern zu zeigen.
„Daddy, jetzt mach, wir kommen zu spät“, rief sie ins Badezimmer.
Tony steckte seinen Kopf aus dem Zimmer. „Ich beeil mich Prinzessin, versprochen“, und schon war die Tür wieder zu. Mia seufzte, sie hasste warten.

Milena saß im Vorraum auf einer kleinen Bank. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie Tali schon länger nicht mehr gesehen hatte. Sie war einfach zu sehr auf ihre Bilder fixiert gewesen. Jetzt hatte sie auch dem letzten Kind und jeder Erzieherin ihre Bilder gezeigt. Viele waren verwackelt, andere zeigten den Strand, das Haus oder das Wasser. Langsam sah sie sich alle noch einmal in Ruhe an. Dann hatte sie plötzlich ein Besonderes in der Hand und ein verträumtes Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht.

Taljah näherte sich Mia und setzte sich leise ihr gegenüber auf die andere Bank. Lächelnd betrachtete sie Milenas verklärten Blick, dann räusperte sie sich vernehmlich.

Mia blickte über den Bildrand, dann erwiderte sie das Lachen ihrer Freundin. „Ich habe mein Lieblingsbild gefunden“, teilte sie ihr mit, drehte das Foto um und gab es Tali zur Betrachtung. Diese nahm es in die Hand und ihr Lachen wurde breiter, als sie nickte und Mia das Foto anschließend zurück gab. Diese warf noch einmal einen Blick auf das Bild. Es zeigte Taljah wie sie auf der Terrasse glücklich lachend mit ihrem Kätzchen spielte. Ja, dachte Mia, als sie das Foto wieder wegsteckte. Opa hatte recht, das Leben konnte so schön schein.