DECKNAME "Osterhase"

Autoren: Mara Jade & agentES
Titel: Die Kindergarten-Agents – "Deckname Osterhase"
Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Navy CIS gehören CBS, Paramount und Belisarius Productions.
Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.
Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors.
Genre: Humor mit Spannung gepaart. Bekannte Szenen und Zitate aus der Serie im Mini-Format
Inhalt: Miss Cumberland, die Erzieherin des NCIS-Kindergartens hat wirklich kein einfaches Leben. Die Kinder lassen ihr keine Atempause. Milena, Tonys Tochter (FF "Milena" by Mara Jade) und Taljah, Zivas Nichte (FF "Glimmer of Hope" by agentES) scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Gemeinsam mit ihrem Anführer Diggs und Tommy, dem noch etwas schüchternen Jungen, Sabby, dem quirligen Mädchen mit den Rattenschwänzen und dem ununterbrochen redenden Rocky erleben sie immer neue Abenteuer. Sie entlarven Mörder, jagen Entführer und stellen alles in Frage, sogar die Existenz des Osterhasen.
Personen: Team
Pairing: anders als gewohnt
FSK: freigegeben ab Kindergartenalter
Banner: selbstgemalt und selbsgebastelt

Der erste Fall unserer Kindergarten-Agents: "Auf der Suche nach dem Puppenmörder"





"DECKNAME OSTERHASE"





Kapitel 1 „Streitfrage Osterhase“

„Heeeee.“ Taljah zog plötzlich und unerwartet Milena hinter den Holunderbusch im Garten, beinahe wäre diese dabei auf die Nase gefallen. Vollkommen entsetzt und total genervt blickte Milena ihre Freundin an.
„Was soll das denn, Taljah? Spinnst du? Jetzt hätte ich mir fast… Aua, schau, das wird ein blauer Fleck.“
„Psst.“, zischte ihr Taljah ins Ohr und verdrehte genervt die Augen, das Gejammer dieser verzogenen, verwöhnten Göre war fast unerträglich. Trotzdem mochte sie sie, da konnte man schon mal über die kleinen Fehler hinwegsehen.
„Schau doch mal.“ Sie deutete mit dem Finger in den Sandkasten, in dem etwas lag, dass man aus der Ferne nicht besonders gut erkennen konnte.
„Was denn?“ Milena drückte sich nun, doch ein bisschen neugierig geworden, an Taljah heran und spähte ebenfalls durch den Busch, der bereits ein paar grüne Blätter aufweisen konnte und deutlich machte, dass endlich der Frühling angefangen hatte.
„Da, Mia, da hinten….da liegt was.“, flüsterte Taljah ihrer Kameradin ins Ohr und spielte dabei mit ihren schwarzen Locken, ihre Haare trug sie heute ausnahmsweise mal offen, weil ihre Mummy heute keine Zeit hatte ihr Abby-Zöpfe zu machen.
Ein kurzes, dennoch intensives Lachen war von Milena zu hören. „Mensch Tali, das ist doch nur ein Osterei.“, sie stupste ihre Freundin in die Seite.
„Ein was?“, Tali runzelte die Stirn und sah fragend zu Milena. „Was ist ein Osterei?“
„Der Osterhase hat das Ei dort versteckt. Das macht er jedes Jahr.“, plapperte das Mädchen mit den grünen Augen drauf los. „Manchmal versteckt er die Eier hinterm Baum, manchmal auf der Rutschbahn oder im….“
„Was ist ein Osterhase?“, fragte Tali, die sich verzweifelt gegen das Ziehen von Milena wehrte. Diese hatte Taljah am Ärmel gekrallt und hinter dem Busch hervor gezogen, steuerte geradewegs auf das Ei zu.
„ Oh Taljaaaaaaah, der Osterhase ist ein Hase, das sagt doch schon der Name O S T E R H A S E“
„Ein Hase kann aber keine Eier verstecken.“, kam es prompt zickig zurück.
„Der Osterhase schon.“, zischte Milena, warum konnte ihre Freundin nicht einfach mal eine Sache akzeptieren. Nein, sie musste mal wieder alles hinterfragen, sie löchern und ihr somit total auf den Keks gehen.
„Hast du schon mal den Osterhasen gesehen?“, Taljah blieb ruckartig stehen, so dass Milena beinahe ins straucheln geraten wäre. Diese verdrehte die Augen und stemmte ihren gesunden Arm in die Seite. Dann runzelte sie nachdenklich die Stirn und hob die Schultern. Die Frage beantwortete sie dann ganz kurz mit einem Kopfschütteln und stapfte weiter. Taljah hatte Mühe mit ihr Schritt zu halten, dennoch kamen sie fast zeitgleich im Sandkasten an und Milena bückte sich sofort, griff nach dem Osterei und begann die Folie abzuziehen. In ihrem Gesicht war erkennbar, dass ihr schon das Wasser im Mund zusammenlief. Das Frühstück war schließlich schon seit einer Stunde beendet, es hatte nur gesundes Müsli gegeben, und Milenas Bauch knurrte bereits wieder. In dem Moment als Mia das Schokoladenei in den Mund stecken wollte, hielt ihr Taljah den Arm fest.
„Du darfst das nicht essen.“, aufgeregt schrie sie ihre Freundin an. Ihre Augen waren entsetzt aufgerissen und ängstlich zitterte ihre Lippe.
„Das ist ein Schokoladenei, Taljaaaaah. Warum bitte soll ich das nicht essen?“, verzweifelt versuchte sie die Hand zum Mund zu führen, doch der Griff ihrer Kameradin ließ nicht locker. Sekunden später gab sie auf und ließ die Hand, samt dem Ei sinken.
„Du weißt nicht, wer es hier hingelegt hat, das Ei könnte vergiftet sein.“, die Stimme der kleinen Israelin wurde leise und sie biss sich vorsichtig auf die Unterlippe. „Wie damals mein Kakao.“, fügte sie noch zögerlich hinzu und senkte ihren Blick.
„Vielleicht hast du recht.“ Milena legte ihrer Freundin die Hand auf die Schulter. „Das ist wirklich eine Sache, die man bedenken sollte.“ Zufrieden nahm sie wahr, dass ihre Worte Taljah beruhigten und sie den Kopf wieder hob.
„Autsch.“, Milena zuckte zusammen als sie von hinten eine Kopfnuss bekam. Zufrieden und mit einem Grinsen im Gesicht stand Taljah ihr nun gegenüber. „Siehst du, ich habe recht, Mia.“
„Das ist nicht fair, Diggs.“, frustriert zog Milena eine Schnute. Am liebsten hätte sie losgeweint. Doch dann stellte sie zufrieden fest, dass Diggs auch Taljah böse ansah.
„Ihr kommt zu spääääät.“, zischte er in die Runde. „Miss Cumberland fängt gleich mit der Vorschule an. Ihr solltet euch besser beeilen.“
Taljah zog kurz und heftig die Luft ein und rannte los, unter keinen Umständen wollte sie zu spät kommen und Ärger kriegen. Milena unterdessen verzog gelangweilt ihr hübsches Gesicht, steckte sich das Schokoladenei in den Mund und schlenderte langsam in Richtung Eingangstür. Auf die Bearbeitung dieser blöden Vorschulblätter hatte sie ja so gar keine Lust und es graute ihr vor der Vorstellung, die nächsten 45 Minuten am Tisch sitzen zu müssen. L A N G W E I L I G, hoffentlich würde ihr was grandioses Einfallen, um diese Zeit ein wenig lustiger zu gestalten.

Wenig später saß Milena an ihrem Platz, nachdem sie sich mal wieder einen Vortrag über rechtzeitiges Erscheinen anhören musste und blickte frustriert auf das Blatt das vor ihr lag. Nachdem sie der Aufgabenstellung mehr oder weniger aufmerksam gefolgt war, blinzelte sie zu Taljah rüber, die wie immer ihr gegenüber saß.
„Siehst du, D A S ist ein Osterhase und D E R bringt Ostereier.“, zischte sie besserwisserisch.
„Milena DiNozzo, ich denke du bist mit Ausmalen beschäftigt.“, hörte Mia die Stimme von Miss Cumberland. Schnell konzentrierte sie sich auf den Hasen und begann ihn braun auszumalen. Aus dem Seitenwinkel nahm sie Taljah wahr, die ihr rechthaberisch die Zunge rausstreckte. Egal, sie musste da wohl jetzt durch. Neidisch blickte sie zu Sabby und Tommy, die gemeinsam am Kinder-PC saßen und die neue Kinder-Lern-Software ausprobieren durften. Verdammt, wenn ihr nur etwas einfiele, wie sie diese langweilige Arbeit aufpeppen konnte.

Taljah schreckte hoch als sie von der ersten Papierkugel getroffen wurde, ignorierte sie aber zunächst. Sie warf einen verstohlen Blick zu Miss Cumberland, die gerade mit Rocky über dem Biologiebuch saß und die menschlichen Körperteile erklärte. Die zweite Kugel traf sie an der Schulter und genervt blickte sie zu Milena, die mit einem gemeinen Grinsen im Gesicht mit ihrem Stuhl schaukelte.
„Lass das, Mia.“, sprach sie fast wortlos und doch wusste sie, dass ihre Freundin es bestens verstand. Noch konnte Taljah sich beherrschen, doch innerlich kochte sie bereits vor Wut. Mia knüllte provozierend das nächste Papier zusammen und schnippte es herüber.
Taljah riss der Geduldsfaden und zerbrach den roten Stift in ihrer Hand, mit dem sie gerade dabei war ein Muster in das Osterei auf ihrem Blatt zu malen.
„Du zerstörst das Eigentum des Kindergartens.“, murmelte Mia nur und tat plötzlich ganz beschäftigt, als würde sie mit ihrem Ausmalbild ihr absolutes Meisterstück ausmalen. Taljah sah erschrocken auf, als sie Miss Cumberland neben sich bemerkte.
„Ich hab nur… ich….entschuldigung.“, stammelte der Lockenkopf und blickte in die verwirrten Augen ihrer Erzieherin.
„Ich hoffe das war ein Versehen?“, fragte diese und Taljah nickte eifrig. Nachdem sie Miss Cumberland in sicherer Entfernung vermutete, warf sie Milena einen bösen Blick zu, diese hob nur unschuldig die Schultern und starrte dann aus dem Fenster.

„Ok, ihr könnt zusammenpacken und noch ein bisschen in den Garten gehen.“ Als Milena die lang ersehnten Worte von der Erzieherin vernahm, schmiss sie ihre Stifte in ihre Tasche, legte ihr Bild auf dem Tisch von Miss Cumberland ab und war die Erste, die im Garten auf der Rutsche saß und ungeduldig auf Taljah wartete.
Nur wenig später folgte Taljah, sie blieb auf der Terrasse stehen und blickte sich suchend um, bis sie Milena auf der Rutsche entdeckte. Eigentlich wollte sie dieser frechen Nudel gehörig die Meinung geigen und sie auffordern, sie endgültig in Ruhe zu lassen. Doch als sie die freudigen Augen von Milena entdeckte, konnte sie ihr einfach nicht mehr böse sein.
„Wieso grinst du wie ein Honigkuchenesel?“, rief sie ihr entgegen. Wegen der großen Entfernung sah sie nicht, wie ihre Freundin erneut die Augen verdrehte.
„Honigkuchenpfeeeeeerd.“, schrie Mia zurück und weil Taljah sie nicht richtig verstand, ging sie ihr entgegen und krabbelte die Rutsche hinauf. „Was?“
„Es heißt Honigkuchenpferd, nicht Esel.“, wiederholte sie.
„Von mir aus auch Nilpferd.“, grummelte die kleine Israelin und verzog grimmig das Gesicht. „Also, warum ginst du so?“
„Jetzt weißt du, was ein Osterhase ist. Du hast ihn auf dem Blatt gesehen. Es ist ein Hase und der versteckt die Eier.“
„Milena, dieser Hase ist doch nur eine weitere Erfindung der Erwachsenen. Genau wie….“
„Was?“, fiel ihr Milena ins Wort und starrte ungläubig ins Gesicht des Mädchens. „Dafür hast du keine Beweise.“, fügte sie trotzig hinzu.

„Beweisebeweisebeweisebeweise“ Sabby tauchte unter der Rutschbahn auf. „Ich such euch Beweise.“, kichernd krabbelte sie die Rutschbahn hinauf und quetschte sich zwischen die Beiden. „Wofür denn?“ Ihr Kopf schnellte zwischen Milena und Taljah hin und her, ihre Zöpfe flogen abwechselnd in die Gesichter ihrer Sitznachbarinnen. „Gibt es wieder einen Mord?“
Milena zog theatralisch die Nase hoch „Nein, kein Mord, keine Entführung. Taljah behauptet, es gibt den Osterhasen nicht. Er wäre nur eine Erfindung. Aber dafür hat sie keine Beweise.“
Sabby biss sich auf die Unterlippe und kratzte sich an der Nase. „Mmh, gibt es wirklich Beweise, dass es ihn gibt?“
„Siehst du?“, kam es prompt aus Taljahs Richtung, während Sabby bereits die Rutsche hinunter rutschte.
„Lasst uns Diggi fragen, der weiß das bestimmt.“, schrie Sabby und rannte bereits los.
Milena und Taljah hoben beide die Schultern, fassten sich an den Händen und rutschten hinterher.

Die drei Mädels fanden Diggs gemeinsam mit Rocky im Sand. Rocky erzählte gerade eine seiner endlosen Geschichten von seinen Erlebnissen am Wochenende. Diggs schien mit den Eimern und Schaufeln beschäftigt zu sein und nur mit einem Ohr seinem Freund zuzuhören.
„Oh, baust du eine Sandburg?“, die kleine DiNozzo ließ sich im Sand neben Diggs nieder und zeigte auf das Gebilde.
„Das ist ein Boot.“, kam es kurz und knapp von dem Jungen zurück, der es noch nicht mal für nötig hielt, den Blick zu heben. Erst als Sabby ihm von hinten um den Hals fiel, zeigte sich ein kurzes Lächeln auf seinem Gesicht.
„Das ist ja toll, Diggiman. Wie kriegst du das mit nach Hause?“
„Gar nicht.“, antwortete er und verzog kurz die Mundwinkel.
Taljah hatte sich ebenfalls im Schneidersitz niedergelassen und beobachtete die Szene. Die Freunde hatten sich unbewusst in einem Kreis zusammengesetzt. Es fehlte nur noch Tom, doch schon kam der schmatzend und kauend um die Ecke des Klettergerüsts.
„Was isst du da?“, Tom hatte auf der Stelle Milenas Aufmerksamkeit, die den Schokoladen verschmierten Mund des Jungen sofort bemerkt hatte.
„Ein Schokoei.“, antwortete Tommy mit vollem Mund und lies sich ebenfalls in die Runde nieder. „Hab ich hinter dem Klettergerüst gefunden.“
„Das war bestimmt wieder der Osterhase.“, wissend stieß sie Taljah in die Seite.
„Warum muss es bei dir immer der Osterhase sein, jemand anderes kommt für dich gar nicht in Frage.“, frustriert verschränkte Taljah die Arme und zog eine Schnute.
„Gibt’s Probleme?“, zischte Diggs, dem die Streitereien der Beiden langsam aber sicher ziemlich auf die Nerven gingen. Schmunzelnd nahm er das Nicken der beiden Streithähne wahr.

Und nur wenige Minuten später konnte Miss Cumberland und Miss Smith von Weitem beobachten, wie 6 Kinder geheimnisvoll die Köpfe zusammensteckten und miteinander tuschelten. „Oh nein, was hecken die schon wieder aus?“, murmelte die Erzieherin und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.


Kapitel 2 „Die Osterhasen-Falle“


Miss Cumberland schaute genervt zum wiederholten Mal auf die große Wanduhr. Das war ja wieder mal klar. Sie hatte es schon gewusst, bevor das Telefon schellte und sie die Stimme von Milenas Vater vernahm. Heute war wieder so ein Tag, der nach seinem Ende schrie. Sie waren noch mit einem Fall beschäftigt und würden sich etwas verspäten, hatte er ihr mitgeteilt und ob es ein Problem sein würde, wenn sie die Mädchen etwas später abholten. Natürlich nicht, hatte sie ihm versichert und wie konnte sie ihm auch böse sein, wenn sie nur an den gut aussehenden Mann, mit den grünen Augen dachte, wurden schon ihre Knie weich. Doch genug war genug. Mittlerweile wartete sie schon über eine Stunde auf Milenas Vater und Taljahs Tante.


Die beiden kleinen Mädchen waren immer noch im Garten und spielten am Sandkasten. Eigentlich war es für die Beiden dort viel zu ruhig und Miss Cumberland beschloss dort einmal nach dem Rechten zu sehen. Dabei konnte sie dann auch gleich die Tiere füttern. Mops der Wachhund war schon von Bob Fisher, dem Gärtner, versorgt worden. So blieb ihr nur noch das Meerschweinchen und Hasengehege. Voll bepackt mit Möhren, Löwenzahn und Salatblättern machte sie sich auf den Weg zum Stall.


„Na ihr Nager.“ flötete sie in das Gehege. „Happie, happie, kommt.“ Murrte sie und öffnete den Stall. Die Meerschweinchen und Schnuffels der Hase hüpften ihr, in der Hoffnung auf ein paar Leckerbissen, entgegen. Die Erzieherin verteilte das Futter im Käfig und sah aus den Augenwinkeln den beiden kleinen Mädchen zu wie sie mit einer Schaufel den Sandkasten ebneten. Was das nur wieder sollte? Seit sie die sechs Kinder heute Mittag zusammen gesehen hatte, fragte sie sich unentwegt was die wohl wieder ausgeheckten. Sie nahm den Hasen aus dem Stahl und auf den Arm. „Oh du bist ja ein Schöner, mein liebes Schnuffelmännchen.“, gurrte sie ihn an, dann stockte sie kurz als ihr der rechte Vorder- und er linke Hinterlauf auffielen. „Na was ist denn mit meinem Schnuffelchen passiert?“ Wie kam der Hase an rotverfärbte Pfoten? Seltsam. Ob das wieder etwas mit den Kindern zu tun hatte? Ober hatte Bob der Gärtner etwas gestrichen und vergessen die Farbeimer zu schließen? Am besten war sie würde ihn gleich fragen, doch genau in dem Moment schellte es an der Tür und die Erzieherin schloss schnell das Gehege und eilte zur Eingangstür des Kindergartens.


Mia und Taljah schauten ebenfalls von ihrer Arbeit hoch. „Das sind bestimmt Daddy und Ziva.“
„Na das wird aber auch Zeit.“ kam es von der kleinen Israelin genervt. Die letzte Stunde hatte Mia nur vom Osterhasen erzählt. Als Taljah sie irgendwann gefragt hatte, wie der Osterhase denn die Eier transportieren würde, hatte sie doch tatsächlich behauptet, er habe einen großen Korb auf dem Rücken und einen kleinen in der Pfote. Taljah schüttelte sich noch immer innerlich. Wer sollte DAS denn glauben? Wie groß musste denn dieser Osterhase sein? Befriedigt sah sie auf ihr und Mias Werk. Sie hatten den Sand im Kasten nun ganz glatt gestrichen. Das war wirklich eine gute Idee von Diggs gewesen. Sollte sich jetzt der Osterhase wieder im Garten fortbewegen, würde er sicherlich auch über den Sandkasten laufen und dann.... Zack, hätten sie ihn überführt. Sie warf einen vorsichtigen Blick zum Hasengehege. Obwohl Schnuffels ja wirklich nicht so aussah als wenn er heimlich Schokoladeneier verteilen würde, aber man wusste ja nie.


„Milena, Taljah, kommt rein, ihr werdet abgeholt.“ rief in dem Moment Miss Cumberland von der Tür aus. Mia schmiss ihrer Freundin einen bedeuteten Blick zu, der besagte: „Siehst du ich hatte recht“, und hüpfte auf die Tür zu. Taljah folgte ihr etwas langsamer. Es würde für sie noch ein langer Abend werden. Ihre Mutter war mal wieder beruflich verreist und sie würde die Nacht bei Mia und ihrem Osterhasen verbringen. Das konnte ja noch lustig werden.


Während die Kinder sich umzogen und ihre Rucksäcke suchten, stand Mias Vater in der Tür und schenkte der Erzieherin ein paar dankende Worte. Milena schmiss sich an seine Beine. „Daddy endlich. Hoch.“
Tony gab einen Laut von sich, packte sie aber dann unter den Achseln und hob sie auf seine Arme. Mia schmiegte sich gleich an ihm und auch Tony war froh, nach diesem anstrengenden Tag, ihren Kleinkindergeruch wahrzunehmen. Aufstöhnend schloss er seine Arme um sie und vergrub seine Nase in ihrem leicht lockigen Haar. Taljah stand mittlerweile ebenfalls neben ihm und sah neidisch zu ihnen hoch. Tony bemerkte ihren Blick und wuschelte ihr einmal durch ihre schwarze, wirre Lockenpracht. Dann nahm er sie an die freie Hand, schenkte Miss Cumberland noch eins seiner schiefen DiNozzo-Lächeln und ging mit den Kinder zum Wagen an dem Ziva bereits wartend lehnte.


Der Abend verlief genau so wie Taljah es sich schon gedacht hatte. Mia plapperte ohne Unterlass vom Osterhasen und Weihnachtsmännern und es gab Pizza aus dem Karton. Zwar protestierte Tante Ziva, aber im Endeffekt wurde sie von ihren beiden DiNozzos überstimmt. Aber das schönste am Abend im Hause DiNozzo war das gemeinsame Kuscheln auf dem Sofa vor dem Fernseher. Und das war etwas was auch Taljah mit Freuden genoss.


Wie fast immer wenn sie mal bei ihrer Freundin übernachtete, kamen sie zu spät in den Kindergarten. Ziva und Mias Dad standen noch am Wagen und sahen den beiden kleinen Mädchen zu, wie sie zur Tür eilten. „Ich wusste es, immer kommen wir zu spät.“
„Mein Gott Tali, reg dich ab. Die werden schon nicht ohne uns angefangen haben.“ Mia rollte mit den Augen. Immer machte Taljah so ein Aufsehen um ein paar Minuten. An der Tür drehte sich Milena noch mal winkend zu ihrem Vater und Ziva um. „Jetzt mach schon.“ Fuhr sie Taljah an und riss die Tür regelrecht Miss Cumberland aus den Händen, die sie herein lassen wollte. „Hoooh, langsam Mädchen. Ihr seid eh zu spät, da kommt es jetzt auf ein paar Minuten nicht mehr an. Zieht euch schnell eure Pantoffeln an und dann setzt euch zu den anderen in den Kreis.“ Damit ließ sie die Mädchen alleine und ging zu der Gruppe zurück.


Taljah war wie immer als erste fertig und schielte schon einmal in den Raum. Diggs und Rocky saßen gelangweilt zwischen den anderen Kindern im Kreis, von Tommy und Sabby gab es keine Spur. Da hatte auch schon Miss Cumberland sie gesehen und zu sich gerufen. Tali sah sich noch kurz nach Mia um, doch diese hatte sich auf leisen Sohlen in den Ruheraum der Gruppe geschlichen. Es gab nicht viel was Milena hasste, aber so ein Ringelpiez mit Anpacken war ihr, wie auch Taljah, hochgradig zuwider. Während Taljah sich auf den freien Stuhl neben Diggs setzte, schlich Mia sich davon.
„Mein rechter, rechter Platz ist frei, da wünsch ich mir die Taljah herbei.“, kam es prompt von einem kleinen blonden Jungen, der erst vor kurzem in den Kindergarten gekommen und Taljah bei jeder kleinsten Gelegenheit anhimmelte. Genervt setzte sie ein professionelles Lächeln auf und stammelte gelangweit: „Als was soll ich kommen?“
„Als Schildkröte.“, kicherte der Junge.
„In meiner alten Krabbelgruppe da gab es mal einen Jungen, der eine Schildkröte hatte. Einestages hat er sie mal mitge….“ Rocky war näher zu Diggs gerutscht, um ihm seine Geschichte zu erzählen. Taljah warf den beiden Jungs einen teilnahmslosen Blick zu und kroch wie eine Schildkröte über den Boden. Diese peinlichen Spiele waren so was von dämlich.
Miss Cumberland räusperte sich. „Rocky, du bist jetzt nicht an der Reihe. Du kannst nicht ständig dazwischen plappern.“
Frech streckte Taljah seitlich ihre Zunge raus, natürlich ohne dass Miss Cumberland es sehen konnte und sofort begannen die restlichen Kinder zu lachen. Miss Cumberland hatte größte Mühe die Kinderschar wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen. Nach weiteren zehn Minuten gab sie es dann erschöpft auf, die Kinder waren heute einfach nicht bei der Sache.


Als Milena unterdessen in den Nebenraum kam, stockte ihr kurz der Atem. Sie sah Sabby und einen ängstlich aus der Wäsche schauenden Tommy.
„Sabby? Warum quälst du Tommy?“ Fragte sie neugierig und kam näher an das Geschehen heran.
„Ich quäle ihn doch nicht. Ich helfe ihm.“ Sagte Sabby und drehte sich im Kreis um Tommy.
„Wie?“ Kam es von Mia. Immerhin saß ihr Freund zitternd mit nacktem Oberkörper auf einem Stuhl. Viele bunte Wollfäden waren an ihm dran gebunden und führten zurück an den Schrank vor dem Sabby jetzt auf und ab ging.
„Tommy hat doch Prüfungsangst und ich helfe ihm dabei diese jetzt abzulegen. Denn morgen muss er in die Kreismitte und wird von Miss Cumberland über die Farben ausgefragt. Und er hat halt Angst, dass er dabei zusammenbricht.“ Sabby hatte jetzt aufgehört im Kreis zu laufen, dafür hatte sie sich wieder ihre Trinkflasche geholt und nahm einen Schluck nach dem nächsten.
„Sabby, mir ist kalt. Sind wir jetzt bald fertig?“ Das waren die ersten Worte die Mia von Tommy heute hörte.
„Einmal noch, dann denke ich wird es Morgen gehen.“ Sagte sie und zog gleichzeitig an einer blauen Schnur.
„AAUUUAAA!“ schrie Tommy und rieb sich sein linkes Ohr, wo der blaue Faden endete.
„Und welche Farbe?“ Fragte Sabby.
„Blau, blau, blau.“ Rief Tommy mit Tränen in den Augen.
Milena die sich das Ganze aus der Nähe angesehen hatte, wandte sich nun wieder Sabby zu. „Du quälst ihn DOCH! Und jetzt macht fertig, die heutige Kreisgruppe löst sich auf. Ich geh schon mal hinüber, bis gleich.“ Kopfschüttelnd verließ sie die Beiden und gesellte sich wieder zu den anderen Kindern.


Taljah kam mit bösem Blick auf sie zu. „Du hast gekniffen.“
„Na und? Du bist ja nur neidisch, weil du dich hast von Miss Cumberland erwischen lassen.“ Kam es frech von der kleinen DiNozzo.
Taljah steckte die Hände an die Hüften und wollte gerade zu einer gemeinen Erwiderung ansetzen, als sie Diggs bemerkte, der den Arm hob und ihnen deutete, ihm in den Garten zu folgen. Draußen warteten schon Sabby, Tommy und Rocky auf die zwei Nachzügler.


„Ihr seid zu spät!“ herrschte Diggs sie, kaum das sie im Garten waren, an.
„Oh, das war aber nicht meine Schuld.“ verteidigte sich Tali sofort. „Ich musste heute Nacht wieder bei den DiNozzos übernachten und da ….“ weiter kam sie nicht, weil sie der Blick von Diggs zum Schweigen brachte.
„Ich mag keine Petzen... merkt euch das.“ Grummelte er in die Runde.
Mittlerweile waren die Kinder am Sandkasten angekommen.
„Oh, seht doch.“ Rief Mia aufgeregt. „Da liegen schon wieder Schokoeier.“ Ihr Magen arbeitete schneller als ihr Verstand und nur ein beherztes Eingreifen von Taljah, die sie am Arm zurück hielt, verhinderte, dass Milena den schnellsten Weg durch den Sandkasten nahm und damit auch alle Beweise zerstört hätte.
Von der feinen Arbeit die sie am Vortag geleistet hatte war nichts mehr zu sehen. Im Sandkasten waren lauter Fußabdrucke.
„Haben wir schon Beweise von gestern Nacht sichern können?“ Fragte er Sabby.
„Jaaaaaa, hab ich, hab ich, hab ich...“
„Sabby!“ raunzte Diggs. „Komm zur Sache.“
„Ja, geht klar, Diggiman.“ Sie atmete tief durch, um sich selbst zu beruhigen. „Ich kann bereits jetzt mit Sicherheit sagen, es sind keine Hasenpfoten-Abdrücke.“ Dabei hielt sie mit der Hand ein Blatt Papier hoch, auf dem in roter Farbe der Abdruck von Schnuffels Pfote sichtbar war. „Denn den Abdruck hab ich Gestern noch von Schnuffels Pfote gemacht, nur um sicher zu sein und DAS...“, dabei zeigte sie auf die Fußspuren. „....sind auf keinem Fall Spuren von einem Tier.“
„Sie hat Recht.“ Schaltete sich nun auch Rocky in das Gespräch mit ein. „Das sind Fußspuren. Jetzt müssen wir nur noch rausfinden von wem. Am besten vergleichen wir von jedem Kind, einen Schuh, mit den Abdrücken hier.“
„Das können Tommy und ich übernehmen. Nicht wahr? Du suchst erst alle blauen Schuhe und dann alle Roten.“, dabei grinste Sabby ihn wissend an.
Tommy schluckte und unbewusst fuhr seine Hand wieder hoch zu seinem immer noch schmerzenden Ohr. Nein, zu sagen wäre bei ihr eh zwecklos gewesen und würde nur zu härteren Strafen führen. Zaghaft nickte er.
„Gut.“ Sagte Diggs. „Dann macht euch an die Arbeit. Tali und Mia können euch helfen.“
Damit drehte er sich um und wollte mit Rocky zusammen wieder ins Haus gehen. Milena zog eine Schnute.
„Darf ich mir erst die Schokoeier holen?“ Rief sie ihm hinterher. „Ich brauch jetzt die Schokolade. Die hilft mir auch beim Denken.“
„Dann musst du aber noch viel mehr als die beiden dort essen.“ zischte ihr Taljah ins Ohr, doch Diggs tat einfach so, als habe er die Kleine gar nicht gehört.
„Och Mann.“ Kam es eingeschnappt von Milena und ihr hungriger Blick blieb auf den Schokoeiern hängen.
„Komm.“ sagte Taljah. „Lass uns die Schuhe holen. Je eher wir anfangen desto eher sind wir damit fertig und vielleicht liegen dann die Eier noch dort.“ Sie lächelte ihre Freundin an und zog sie an der Hand zurück ins Haus.


Kapitel 3 „Kleine und große SCHUHE“


Leise schlichen sich Taljah und Milena wieder in den Kindergarten und zu den Schuhregalen. Gott sei Dank war Miss Cumberland in der Musikecke beschäftigt und bekam von der Schuh Aktion nichts mit. Mittlerweile waren die beiden Mädchen schon viermal hin und her gelaufen, als sie jetzt wieder in den Garten kamen, sahen sie Sabby im Sandkasten knien, während Tommy die Schuhe nach Farben sortierte.
„Nein Tommy, kannst du das denn immer noch nicht.“ Hörten sie eine aufgebrachte Sabby rufen. „Das ist doch nicht so schwer. Der Schuh ist nicht blau.“ Dabei hielt sie einen Schuh hoch. „Und warum hast du ihn dann bei den Blauen abgelegt? Welche Farbe hat der Schuh?“ Während sie sprach war sie ganz nah zu ihm gerutscht und hatte blitzschnell eine Hand an sein Ohr gelegt.
Tommy sah sie ängstlich an. Was sollte er jetzt sagen? Er wusste die Farbe nicht. Für ihn sah alles gleich aus. Okay manche Schuhe hatten Muster, aber von den Farben konnte er keine Unterschiede feststellen. Er entschied sich für die Farbe Rot und verzog schon einmal im Voraus schmerzhaft das Gesicht, als er plötzlich Mias Stimme vernahm.
„Der Schuh ist Grün, Sabby.“, rief Mia schnell, als sie Tommy so in Nöten sah. Auch sie hatte ihr Gesicht schmerzverzerrt und hielt sich ihren Arm in der Beuge.
Taljah warf ihrer Freundin einen verwirrten Blick zu.
„Kann Tommy mir bitte helfen? Du kommst doch hier auch alleine klar. Oder? Und mein Arm tut von dem ganzen Geschleppe schon wieder so weh. Du weißt ja, dass der Gips noch nicht lange ab ist.“ Die ganze Zeit über sah sie Sabby dabei weinerlich an und rieb sich den Ellenbogen.
„Oh meine arme Mia.“, quiekte diese los. Dashabeichjaganzvergessen. Istessoschlimm?“ Und schon stürmte sie auf die kleine DiNozzo zu und zog sie in eine feste Umarmung. „SABBY, Luft, ich brauch Luft.“, stöhnte diese.
„Oh ja natürlich, ´tuschldige.“ Murmelte sie und sprang einen halben Meter zurück. „Tommy, wir üben später weiter. Jetzt kannst du erst einmal Milena helfen. Die hat noch immer einen schlimmen Arm.“ Damit wandte sie sich wieder ihren Spuren im Sandkasten zu.
Die Drei entfernten sich langsam Richtung Haus. Mia ging dicht neben Tommy. „Danke.“, flüsterte der ihr zu.
„Jetzt hab ich was bei dir gut. Vergesse das nicht.“, sagte Mia genau so leise zurück.
Taljah konnte nur mit dem Kopf schütteln. Ihre kleine amerikanische Freundin hatte es Faustdick hinter den Ohren.

Als sie das nächste Mal beladen mit Schuhen in den Garten kamen, hatten sich auch Diggs und Rocky zu Sabby gesellt. Diggs richtete sich gerade wieder auf, als die Drei an den Sandkasten traten.
„Ihr könnt die Aktion einstellen.“, teilte Diggs ihnen mit.
„Endlich.“ stöhnte Mia und lies sich müde auf das Gras plumpsen.
„Warum? Haben wir schon den Osterhasen gefunden?“ fragten Tommy und Taljah im Duett.
„Nein, aber Sabby sagt, das die Spuren beweisen, dass es sich nicht um Kinderschuhe handeln kann. Wir müssen jetzt nach Erwachsenen Schuhen Ausschau halten.“ Diggs machte eine kurze Pause und sah dann zu Taljah und Milena. „Das heißt wir müssen ins Büro, um an die Schuhe von Miss Cumberland und Miss Smith zu kommen.“
„Oh.“ Sagt Mia und war sofort wieder bei der Sache. „Das kann ich doch machen.“ Sagte sie schnell und dachte schon an das Süßigkeitenglas, das im Büro auf sie wartete. In Hinsicht auf die zu erwartenden Leckereien, gab ihr Magen schon ein vernehmbares Knurren von sich.
„Sabby hat mir gerade erzählt, das dir dein Arm wieder weh tut?“
„Oh Diggs, nein, er tut gar nicht mehr weh, sieh doch…“ Sie zappelte mit ihrem Arm vor seinem Gesicht herum.
„Trotzdem denke ich Taljah macht das besser. Meinst du, du schaffst das?“ fragte er und wandte sich der kleinen Israeli zu.
Diese warf ihrer Freundin einen triumphierenden Blick zu und nickte. „Natürlich schaff ich das.“ Dabei fasste sie ihre wirren Locken im Nacken zusammen und band sie mit einem Gummi zusammen. So störten sie sie nicht mehr bei ihrer wichtigen Aufgabe.
Diggs wandte sich den anderen wieder zu. „Rocky, wolltest du dich nicht zurückziehen, vielleicht helfen uns deine Überlegung weiter die verdächtigen Personen einzukreisen.“
Der Angesprochene, der neben Tommy auf dem Boden kniete und diesem gerade in die Farbenlehre einführen wollte, blickte auf. „Ja, sicher Diggs. Ich mach mich sofort an die Arbeit. Wisst ihr, wenn ich mich richtig erinnere hatten wir auch schon mal so eine ähnliches Vorkommen in meiner Krabbelgruppe, damals…“
„Rocky, mach es einfach.“ Damit lies Diggs in einfach stehen und wandte sich den anderen Kindern zu.
„ Und ihr Beide..“ Dabei sah er Mia und Tommy an. „….ihr Beide könnt die Schuhe wieder zurück bringen.“
Mia wollte gerade wieder auf ihren Arm deuten, als sie Diggs erhobenen Finger auf sich gerichtet sah. Kleinlaut hockte sie sich hin, sammelte die Schuhe ein und zog aufgrund ihrer ertappten Lügerei eine Schnute. Als Tali nah bei ihr vorbei ging, flüsterte sie ihr zu: „Wenn du schon da bist, bring mir doch ein paar Gummibärchen mit.“ Tommy warf sie einen besonders finsteren Blick zu. Er würde ihr jetzt zwei Gefälligkeiten schulden, denn immerhin musste Sie wegen ihm, auf dieses Abenteuer verzichten.

Das geschah Milena recht, diese ständige wechselnde Auslegung ihres angeblich schmerzenden Armes war ja echt nicht auszuhalten. Taljah stapfte Richtung Büro, ein siegessicheres Lächeln im Gesicht. Obwohl, jetzt musste sie alleine ins Büro von Miss Smith und sie musste sich eingestehen, ohne Milena war es nur halb so lustig. So konnte sie noch nicht einmal Milena die Schuld in die Schuhe schieben, falls sie erwischt werden sollte. Das war ein hohes Risiko. Sie versuchte sich schnell die Fakten zusammenzusammeln. Miss Cumberland war noch immer in der Musikecke, die Schmetterlings-Gruppe machte einen Ausflug, da bestand also keine Gefahr entdeckt zu werden. Miss Smith, mmh, das war schwierig, Taljah konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob die Kindergarten-Leitung im Büro war oder zu einer Besprechung außer Haus. Wie sollte sie Miss Smith rauslocken, sie brauchte eine kreative Idee. Feueralarm schloss sie kategorisch aus, das war zu einfach und außerdem würden die Erzieherinnen alle Kinder raus in den Garten bringen und es würde auffallen, dass sie fehlt. Und die Kinder würden noch zusätzlich die Spuren im Sand zertrampeln.

Gerade als sie im Flur ankam, sah sie wie Miss Smith das Büro verließ und Richtung Küche stapfte. Innerlich machte die kleine Israelin einen Freudensprung. Glück musste man haben. Schnellen Schrittes, und doch vorsichtig, um keine Blicke auf sich zu ziehen, ging sie zur Tür, öffnete sie gerade weit genug um hinein zu schlüpfen und schloss sie hinter sich sofort. Ihr kleines Herz schlug wie wild und nervös kaute sie auf ihrer Unterlippe. Der erste Schritt war getan. Jetzt musste sie nur noch die Schuhe finden.

„Oh, hab ich ganz vergessen. Ich hol noch schnell den Speiseplan aus dem Büro.“ Taljah erstarrte als sie die Worte von Miss Smith vor der Tür hörte und nach einer kurzen Schrecksekunde warf sie sich unter den Schreibtisch. Gerade noch rechtzeitig, denn die Bürotür öffnete sich im gleichen Moment. Ein paar Füße stapften zum Schreibtisch und blieben direkt vor ihr stehen. Taljah hielt die Luft an, traute sich nicht zu atmen. Sie durfte jetzt auf keinen Fall auffliegen, Milena würde sie auslachen, wenn sie von Miss Smith erwischt werden sollte. Das Mädchen betrachtete die Füße und musste Sabby recht geben, von der Größe her könnten sie tatsächlich passen. Auf dem Tisch hörte Taljah Papier rascheln und Miss Smith kurz aufseufzen, dann drehten sich die Füße um und verließen wieder den Raum.

Jetzt sollte sie sich wirklich beeilen, die anderen warteten schließlich schon auf sie und Diggs würde sich bestimmt Gedanken machen, wenn sie so lange weg bleiben würde. Sie krabbelte unter dem Schreibtisch hervor und ging zum Wandschrank. Wo würde man wohl Schuhe ablegen? Vermutlich nicht in einer Schublade, das schloss sie aus. Also im Schrank. Siegessicher öffnete sie die erste Schranktür. Fehlanzeige, hier befanden sich nur Akten. Leise schloss sie die Tür und ging zur nächsten. Und dieses Mal hatte sie tatsächlich Glück. Sie griff nach dem ersten Schuh und steckte ihn unter ihren Pullover. Den anderen, den sie eindeutig Miss Smith zuordnete, betrachtete sie für einen kurzen Moment. Milena würde vermutlich ins Schwärmen geraten, wenn sie diesen hochhackigen Schuh sehen würde. Kopfschüttelnd steckte sie dieses Etwas ebenfalls unter ihren Pulli. Für sie selbst waren Schuhe nur praktisch, sie verstand eh nicht, wieso man Schuhe anzog, in den man nicht schnell rennen konnte. Amerikaner waren schon ein seltsames Volk.

Sie schloss den Schrank und während sie zurück zur Tür ging, fiel ihr die Bitte von Milena wieder ein. Schnell blickte sie sich im Büro um, das Süßigkeitenglas war nirgends zu entdecken. Mist, mit den Süßigkeiten hätte sie Milena wenigsten für kurze Zeit mal zufrieden gestellt. Und wenn Milena zufrieden war, war sie auch einigermaßen erträglich. Sie ging nochmals zum Schreibtisch, die Erzieherinnen hatten doch immer was da. Wie nannten sie gleich nochmal die Süßigkeiten? Nervennahrung, genau. Und Taljah brauchte dringend Nervennahrung. Zufrieden stellte sie fest, dass Miss Smith einen Schokoriegel neben dem Telefon liegen hatte. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen um ihn zu erreichen und stopfte ihn gleich in ihre Hosentasche. Und wenn sie schon dabei war, machte sie sich auch gleich eine Freude und nahm sich ein paar Büroklammern mit, schließlich wollte sie in Übung bleiben. Man wusste ja nie, wann man solche Dinge brauchte und unbewaffnet ging Taljah sowieso nie aus dem Haus. Sogar unter ihrem Kopfkissen hatte sie eine Büroklammer versteckt.

Voll bepackt machte sie sich auf den Rückweg. Ein kleines schlechtes Gewissen hatte sie ja schon, aber das war nun mal Ermittlungsarbeit und gute Ermittlungsarbeit forderte hin und wieder kleine Opfer. „Das war doch ein Kinderspiel“, triumphierte Taljah innerlich und freute sich bereits auf Milenas Gesicht.



Kapitel 4 „Das psychologische Gutachten“


Rocky saß am Mal- und Basteltisch. Neben sich hatte er ein Glas stehen, randvoll gefüllt mit Apfelsaft. Ab und zu warf er einen kurzen Blick in Richtung von Miss Cumberland, denn er wusste: trinken war hier eigentlich nicht erlaubt, weil die schusseligen Kinder ständig die Becher umwarfen und das Getränk sich dann über den mühsam gebastelten oder bemalten Blättern ergoss. Er war aber wie immer sehr vorsichtig, gelegentlich nippte er kurz daran und schob das Glas dann wieder weit in die Ecke, wo es nicht störte.
Vor sich hatte er verschiedene Blätter liegen und malte wie ein wilder darauf herum. Hier ein Baum, da ein Ei, ein Klettergerüst, Gras. Alles ihm bekannte Tatorte. Hin und wieder hielt er inne und kratzte sich mit seinem Holzstift am Kopf. Zum besseren Überblick hielt er zwischendurch die einzelnen Papiere in die Luft und verglich sie miteinander, sortierte sie dann auf dem Boden und betrachtete sie lange. Dabei verzog er sein Gesicht des Öfteren zu einer Grimasse und ging langsam im Spazierschritt um den Basteltisch herum. Währenddessen machte er sich Gedanken darüber, warum jemand auf die Idee kommen sollte, Eier im Garten zu verstecken. Ermüdet rieb er sich schließlich die Augen und fragte sich, warum ihm das nicht schon vorher aufgefallen war. Langsam wurde ihm klar, warum die Schuhabdrucke zu Niemandem passten. Rocky überflog noch einmal seine Blätter.
„Mein erstes eigenes psi –pse-…psyfo-..psychologisches Gutachten.“, murmelte er vor sich hin und grinste über beide Backen, kniete sich auf den Boden und sammelte seine Kunstwerke ein. Er stapelte sie vorsichtig übereinander, rollte sie zusammen und befestigte ein Gummi um die Rolle. Dann machte er sich stolz auf die Suche nach Diggs.

Nachdem er fast den halben Kindergarten durchsucht hatte, fand er ihn im Ruhebereich mit der Neuen aus der Bärengruppe. Wie hieß sie gleich nochmal? überlegte Rocky. Ach ja, Sarah war ihr Name und er hatte schon an ihrem ersten Tag Diggs Blick gesehen. Die Kleine war aber auch zu niedlich mit ihren roten Haaren, die sie fast immer zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst trug und den kleinen Sommersprossen auf ihrer Stupsnase. Langsam näherte er sich den Beiden, um ihnen eine Chance zum Rückzug zu geben. Doch sie waren so in ihr Gespräch vertieft, dass er sich am Ende doch bemerkbar machen musste.
Er räusperte sich. „Stör ich?“, fragte er dann höflich.
Sofort sprang die kleine Rothaarige auf.
Diggs hielt sie jedoch am Arm fest. „Vielleicht können wir uns ja mal nach dem Kindergarten treffen? Deine Eltern sollen einfach mal meine anrufen. Ich zeig dir dann mein Schiff, an dem ich gerade im Keller bastele.“
Sarah nickte mit leicht geröteten Wangen und lief dann schnell zu ihrer eigenen Gruppe zurück.
„Falscher Moment?“ fragte Rocky seinen Freund und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Nein, kein Problem. Was gibt’s denn?“
„Nun ich wollte dir mein psyfo-..psi…- ach mein Ergebnis präsentieren.“ sagte Rocky. Über seine Unfähigkeit das Wort richtig auszusprechen musste er selbst schmunzeln. Reden fiel ihm normalerweise nicht besonders schwer. Aber dieses Wort hatte es ihm einfach angetan.
„Na dann, schieß los, ich höre!“
„Okay, ich habe mir die *fürs und wieder* genau angesehen und bin zu dem Entschluss gekommen, das, wer immer sich auch hinter der Maske des Osterhasen verbirgt, will uns nichts Böses. Es handelt sich eher um einen gutmütigen Charakter. Jemand schon älteres, der uns eine Freude machen will. Und damit ….“
„…..scheidet Miss Cumberland auf alle Fälle aus.“ sagten nun Rocky und Diggs wie aus einem Munde mit einem frechen Grinsen im Gesicht.
„Damit bleibt noch zu klären, wer unser Wohltäter ist. Wir müssen den Osterhasen inflagranti erwischen.“ sagte Diggs zu Rocky.
„Lass uns zu den anderen gehen, vielleicht haben die ja auch schon Ergebnisse.“, Diggs zog seinen alten Freund hinter sich her.
„Ähhh, Diggs? Die anderen sind im Garten.“ erwähnte Rocky irritiert, als der Junge ihn an der Ausgangstür vorbeizog.
„Ich muss noch in den Frühstücksraum.“, zischte dieser zurück. „Ich hatte heute erst 2 Kakaoooos.“

„Mein Gott!“ quiekte Mia als sie Taljah aus dem Haus kommen sah. „Wo bleibst du denn soooo lange? Tommy und ich sind vollkommen fertig. Weißt du eigentlich wie viele Schuhe es hier gibt? Wir haben alle wieder rein gebracht und dann noch zu sortiert.“ Dabei warf sie Tommy einen bösen Blick zu. „Wobei er keine große Hilfe war.“ Und an den kleinen Jungen gewandt fuhr sie fort: „Jetzt schuldest du mir schon drei Gefallen. Tommy-Flommy.“ Dann sah sie wieder Taljah an. „Nun kann ich nicht mehr und brauch unbedingt etwas Süßes. Hast du an die Gummibärchen gedacht?“

Taljah, die eigentlich gleich zum Sandkasten wollte, sah Mia giftig an. „Was meinst du, wo ich war? Im Supermarkt einkaufen? Ich war auf gefährlicher Mission, auf Feindesland und ICH hatte einen Auftrag zu erfüllen.“ zischte sie ihre Freundin an. „Und bevor ich es vergesse, da war kein Gummibärchenglas.“ Damit ließ sie ihre Freundin an der Wippe zurück und ging weiter zum Sandkasten. Mia zog hinter Taljahs Rücken eine Grimasse und streckte ihr die Zunge raus, folgte ihr aber dann mit Tommy im Schlepp, zum Sandkasten.

Sabby kniete immer noch im Sandkasten vor dem Schuhabdruck und bewachte ihre Beweise. In einer Hand hielt sie ihren Multivitamintrunk, mit der anderen Hand drehte sie einen ihrer Rattenschwänze im Kreis. Taljah ließ sich neben ihr auf die Knie plumpsen und sah sich vorsichtig um, konnte aber keine verdächtigen Personen sehen. Schnell zog sie die Schuhe unter ihrem Pullover hervor und übergab den ersten Schuh. Sabby machte sich sofort an die Arbeit. Sie verglich die Schuhe mit den Abdrücken und schüttelte zwischendurch immer mal wieder den Kopf. Mittlerweile waren auch Mia und Tommy angekommen.
„Wowww. Ich liebe solche Schuhe, wenn ich mal Groß bin…..“ rief Milena und grabschte mit leuchtenden Augen nach dem hochhackigen Schuh. Und schon bekam sie von hinten eine Kopfnuss.
„Auaa.“ rief sie empört und rieb sich die schmerzende Stelle. Wütend drehte sie sich um und sah in Diggs grimmiges Gesicht. Dieser war soeben mit Rocky am Sandkasten eingetroffen.
„Irgendwann Diggs, hast du mich hier liegen.“ Dann fiel ihr etwas ein und sie stockte kurz. „Obwohl, ein DiNozzo kippt ja gar nicht um.“ teilte sie ihm bestimmend mit.
Diggs grinste sie an. „Na, dann macht dir ja die kleine Kopfnuss auch nichts aus.“ Damit ließ er sie stehen und wandte sich Sabby zu. „Was hast du für mich?“
„Diggi, Diggi, Diggiman, woher du nur immer weißt, wann ich soweit bin? Du spürst das, oder?“
„Sabby, komm zur Sache.“ sagte dieser nur.
„OOOOkkkaaayyy, die Schuhe passen nicht. Die Größe schon, aber der eine ist viel zu schmal und der andere…“ Dabei deutete sie auf den Hochhackigen, den Mia immer noch staunend betrachtete. „….passt gar nicht von der Form. Tut mir leid Diggs, aber das Einzige, das ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass es sich auf alle Fälle um Erwachsenenfüße handelt.“ sagte sie niedergeschlagen.
Diggs ging zu ihr rüber und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Trotzdem, gut gemacht Sabby.“
Sofort hellte sich ihr Gesichtchen auf und die Niedergeschlagenheit war wie weggeblasen.
„Dazu hätte ich jetzt auch was zu sagen.“ meldete sich Rocky zu Wort und forderte so die Aufmerksamkeit der kleinen Gruppe. „Ich habe also ein pifologisches Gutachten über den Täter erstellt und das hat folgendes ergeben.“ Rocky blickte sich unsicher im Kreis um, doch die anderen kannten das Wort anscheinend nicht und so fiel es nicht weiter auf. Zufrieden plapperte er dann weiter: „Wir suchen eine Person, die es gut mit uns Kindern meint.“
„Wenn sie nicht vergiftet sind.“ erwähnte Taljah am Rande.
„Unterbrich ihn nicht ständig.“, rief Diggs das Mädchen zur Ordnung. „Sowohl Mia, wie auch Tommy haben bereits davon gegessen. Sie haben es überlebt.“
„ Außerdem…“, fuhr Rocky unbeirrt fort. „… sucht sich diese Person immer *Tatorte* in der freien Natur aus. Das spricht also für einen Menschen, der die Natur liebt. Die Person muss regelmäßig im Kindergarten sein. Denn die Eier sind an Orten versteckt, die ein Kindergarten-Fremder nicht bevorzugen würde.“
Alle Kinder sahen sich jetzt fragend an. Auf wen konnte diese Beschreibung zutreffen. Und plötzlich fiel der Groschen und alle schrien fast gleichzeitig los: „MISTER BOB.“
„Ja.“ sagte Diggs. „Auf den Gärtner könnte die Beschreibung passen. Aber das sind nur Indizien, was wir brauchen, sind Beweise!“ Diggs sah einmal unschlüssig in den Kreis, dann stand sein Entschluss fest. „Taljah und Milena, ihr kontrolliert die Kellerräume. Wenn Mister Bob der Täter ist, dann muss er irgendwo die Ware versteckt haben. Sucht sie.“

Die beiden kleinen Mädchen sahen sich an, grinsten, fassten sich an den Händen und machten sich auf zu ihrem nächsten Abenteuer.


Kapitel 5 "Der Held"

„Und was sollen wir machen?“, fragte ihn da Sabby und holte Diggs damit aus seinen Gedanken.
„Ihr? Mhmmm, lasst mich mal überlegen.“, er strubbelte sich durch seine kurzen Haare. „Ihr könnt die letzten Schuhe zurück bringen.“
Tommy bekam große Augen. „Zurück ins Büro der Kindergarten LEITUNG?“, fragte er verängstigt und als er Diggs strengen Blick sah, schluckte er krampfhaft.
Sabby hüpfte auf der Stelle. „DasistderersterichtigeAuftragfürunsBeide“, sagte sie beinahe atemlos und Diggs nickte.
„Ich denke ihr Zwei seid soweit. Also los und enttäuscht mich nicht.“, teilte er ihnen mit und drehte sich um, um mit Rocky wieder ins Haus zu gehen, doch dann blieb er plötzlich stehen und rief den kleinen Jungen noch einmal zu sich. „Tommy, pass gut auf Sabby auf. Ich verlass mich auf dich.“ Tommy konnte aufgrund des, ihm entgegengebrachten Vertrauen, nur abermals nicken.

„Oh mein Gott Tommy, das ist ja so spannend. Unser erster Auftrag. Jetzt können wir es Mia und Tali mal richtig zeigen“, sagte sie mit ein wenig Stolz in der Stimme und schob einen Schuh unter ihren Pulli.
Tommy sah die ganze Sache nicht ganz so abenteuerlich. Zusätzlich lagen ihm Diggs Worte im Gedächtnis, „Enttäuscht mich nicht.“ Gestärkt durch diese Worte, nahm er sich die anderen Schuhe und folgte Sabby, die bereits auf das Haus zu eilte.

Kurz vor der Bürotür holte er sie ein. „Hey Sabby, mach langsam. Wir müssen vorsichtig vorgehen und leise sein. Wir wollen doch nicht erwischt werden“, sagte er ihr und hielt sie am Arm fest. Seine kleine Freundin sah sich ängstlich um. Jetzt hätte sie doch beinah gleich zu Beginn die Operation versaut, aber noch schien sie keiner bemerkt zu haben. Zum Glück. Leise öffnete sie die Tür und spähte in den Raum.
„Leer“, flüsterte sie Tommy zu, der neben ihr stand und ganz fest seine Augen zusammen presste. „Du kannst die Augen jetzt wieder aufmachen. Es ist keiner in dem Büro. Komm mit.“
Langsam öffnete er seine Augen und folgte der quirligen Kleinen.
„Wo hat Taljah die Schuhe gefunden?“, fragte ihn Sabby. Tommy sah sich in dem Raum um. Da es nur einen Wandschrank gab, musste das wohl der Ort sein. Er deutete zu dem Schrank und ging mit seiner Freundin in die Ecke, um die Holztür zu öffnen.
„Siehst du, da stehen die andern. Jetzt lass uns schnell diese dazu stellen und dann raus hier.“ Er öffnete seine Jacke und holte die Schuhe hervor, die Sabby in den Schrank stellte.
Plötzlich hörten sie von der Tür her Geräusche. Oh nein, Tommys schlimmste Albträume wurden war. Miss Cumberland oder Miss Smith, oder schlimmer noch, Beide zusammen waren auf dem Weg zum Büro. Er warf Sabby einen Blick zu und sah ihre Panik ganz knapp an der Oberfläche. Jetzt musste er zeigen, dass er auf sie aufpassen konnte.
„Schnell Sabby, versteck dich im Schrank, ich lenke sie ab und wenn wir raus sind, dann machst du die Fliege“.
„Ich habe Angst im Dunkeln“, kam es plötzlich leise von ihr. Tommy stockte der Atmen. Das hatte ihm jetzt noch gefehlt. „Du wirst doch nicht schreien?“, fragte er sie genauso leise, doch sie schüttelte schnell den Kopf. „Nein, aber weinen.“
„Sabby, wir haben jetzt keine Zeit dafür. Du schafft das. Du darfst weinen, aber wirklich nur ganz leise. Ganz LEISE, hörst du.“
Die Kleine nickte ängstlich und kroch schnell in den Schrank. Tommy hatte gerade die Tür zugemacht, als auch schon die Bürotür geöffnet wurde.
Miss Smith betrat langsam ihr Büro. Der kleine Junge, der sie mit großen Augen ansah, bemerkte sich zuerst überhaupt nicht. Erst als sie den Blick senkte, fiel ihr Tommy auf. „Was machst du denn hier? Du weißt das die Kinder sich hier nicht alleine aufhalten dürfen?“, und als Tommy schwer schluckend nickte, ging sie in die Knie, um auf gleicher Augenhöhe mit ihm reden zu können und fuhr fort: „Also? Was wolltest du hier?“
Fast schon panisch sah sich Tommy um. Ja, was wollte er nur hier? Da fiel ihm das Bonbonglas wieder ein, von dem Mia ständig redete. „Süßigkeiten“, presste er hervor und hob schuldbewusst die Schultern.
Miss Smith sah zu ihrem Schreibtisch und bemerkte den fehlenden Schokoriegel. Daraufhin schaute sie ihm ernst in die Augen. „Oh“, sagte sie. „Du weißt, dass das nicht ok ist und das dein Handeln Konsequenzen haben wird?“
Wieder nickte der Junge, dieses Mal mit Tränen in den Augen.
„Okay dann komm mal mit“, Miss Smith stellte sich wieder hin und fasste ihn am Oberarm, um ihn zielsicher aus dem Büro zu schieben.

Sabby weinte ganz leise, so wie Tommy es ihr gesagt hatte. Ihr Ohr klebte an der Tür und ihre Augen fokussierten den Lichtspalt, der unter der Tür durchschien. „Nur keine Panik kriegen, nur keine Panik kriegen“, sagte sie sich immer wieder. Dann hörte sie, wie die Kindergarten Leiterin mit ihrem Freund schimpfte und mit ihm zusammen den Raum verließ. Langsam öffnete sie die Tür und da das Büro jetzt wieder leer war, krabbelte sie schnell aus dem Schrank und rannte aus dem Büro, geradewegs in Diggs Arme.

Diggs fing sie regelrecht auf. „Was ist passiert?“, fragte er sofort, als er ihr verheultes Gesicht sah.
„Sie hat Tommy. Miss Smith hat Tommy geschnappt. Er ist ein Held, Diggs.“
Diggs strich ihr tröstend über den Rücken und Sabby erzählte von ihrem Abenteuer und je mehr sie erzählte, um so mehr vergaß sie ihre Tränen und konnte schon bald wieder lachen. Diggs, der sie immer noch im Arm hielt, gab ihr einen Kuss auf die Wange, den Abby sofort wieder abwischte. „Dann las uns mal nach deinem Helden sehen“, teilte er ihr mit und nahm sie an die Hand.

Tommy saß in der Mitte des leeren Stuhlkreises, Miss Cumberland und Miss Smith standen vor ihm. „Du weißt, dass wir dir das nicht durchgehen lassen könnenen. Man klaut nicht und genau das hast du getan“, und während der kleine Junge schluckte, warf sie Miss Cumberland einen Blick zu. „Was würden sie für ihn vorschlagen?“, fragte sie die Erzieherin. Diese fasste sich beim Überlegen kurz an die Nase. „Computer-Verbot für die nächsten zwei Tage?“
Oh nein, dachte Tommy, alles aber nicht DAS. Der Computer war alles was ihn interessierte. Die Kindergarten-Spiele fand er langweilig. Doch er war tapfer, sagte nichts und nahm stumm die Strafe an. Als die Erzieherinnen ihn verließen, setzte sich Abby auf seinen Schoß. Noch ganz aufgebracht von der Höhe seiner Strafe flüstere sie ihm leise ins Ohr: „Oh Tommy, du hast mich gerettet. Du bist ein Held. Du bist MEIN Held. Und du darfst mich die nächsten zwei Tage bei meinen Forschungen begleiten und ich verspreche dir, ich tue dir auch nicht weh“, sagte sie ihm und gab ihm lachend einen Kuss auf die Wange. Diggs hatte sich hinter die Beiden gestellt und boxte jetzt Tommy an die Schulter. „Gut gemacht Kleiner“, damit drehte er sich um und lies zwei glücklich aussehende Kinder alleine.



Kapitel 6 „Der Beginn eines großen Abenteuers“


Wenige Minuten später kamen die beiden Mädchen im Keller an. Ihre Augen brauchten einen Moment, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten und Milena rieb sich feste die Augen und schluckte schwer. Ein bisschen unheimlich war es hier unten ja schon. Nervös bohrte sie die Zungenspitze in ihre kleine Zahnlücke. Die Erinnerung an das vergangene Abenteuer ließ sie beruhigt schmunzeln. Schließlich hatte sie schon Schlimmeres überstanden. Obwohl, dieses Mal konnte sie wohl eher nicht auf ihren Daddy hoffen. Sie war vollkommen auf Taljah angewiesen. Das konnte doch nur übel enden.
Gemeinsam schlichen die Mädchen durch den langen, scheinbar endlosen Flur. Taljah spielte in der Hand mit ihrer Büroklammer, so fühlte sie sich eindeutig sicherer.
„He fällt dir was auf?“, flüsterte der Lockenkopf und zeigte in eine bestimmte Richtung. „Siehst du die Tür dahinten?“
„Na klar.“, polterte Milena los.
„Pst…..nicht so laut Mia, sonst hört uns noch jemand.“, Taljah schüttelte ungläubig den Kopf. „Was sagt uns das?“
„Die Tür ist offen.“, sprach ihre Freundin nun um einiges leiser und Taljah bestätigte die Aussage mit einem Nicken.
Gerade als sie vor der offenen Tür ankamen und hineinsehen wollten, hörten sie die bedrohlichen Schritte und ein leises, fröhliches Pfeifen am Ende des Flurs. Gerade noch rechtzeitig zog Milena ihre Freundin in den dunklen Raum und schob sie hinter den Türrahmen. Puh, hier waren sie zunächst mal in Sicherheit.
Die Mädchen hörten, wie die Schritte immer näher kamen und das Getrampel vor der Tür endeten. Oh nein, hoffentlich würden sie nicht entdeckt werden. Eng aneinander gepresst standen die beiden da und sahen sich an.
„Mist.“, murmelte Mia, als sie bemerkte, dass sich die Tür schloss.
„Großer Mist.“, fügte sie noch hinzu, als sie hörte, wie der Schlüssel sich im Schloss drehte.
Taljah war die Erste an der Tür, drückte die Klinke herunter und rüttelte daran. „Ich fürchte, wir sind gerade versperrt worden, Milena.“ Aufgeregt drehte sie sich um.
„Eingesperrt wär richtiger.“, kam es überflüssigerweise von Milena. Und eigentlich bereute sie es sofort, diese Worte ausgesprochen zu haben. Denn, auch wenn nur ein kleiner Lichtstrahl durch das Kellerfenster ins Innere fiel, konnte sie die wütend funkelnden Augen der kleinen Israelin erkennen.
„Das ist mir völlig egal.“, zischte diese ihr patzig entgegen und trat mit voller Wucht gegen die Tür.
„He, Taljah, jetzt gerate mal nicht in Panik.“, versuchte Mia ihre Freundin zu beruhigen.
„Ich gerate nicht in Panik, ich bin bloß wütend.“, um ihre Aussage zu bekräftigen, trat sie noch einmal mit voller Wucht gegen den Türrahmen.
„Und außerdem!, fällt dir nix besseres ein, als mich immer wieder zu korrigieren?“
„Was denn?“, wollte Milena sofort wissen und provozierte damit zusätzlich.
„Zum Beispiel uns aus diesem Keller zu befreien?“
Milena stockte, ihre Freundin hatte recht, jetzt war nicht die richtige Zeit für Streitereien. Jetzt mussten sie zusammenhalten.
„Wir könnten klopfen, solange, bis uns jemand hört.“, kam es kleinlaut von dem Mädchen.
„Tolle Idee und dann kommt Miss Smith und wir kriegen so richtig Ärger. Guter PLAN, Milena.“, der kleine Lockenkopf stellte sich vor sie und verschränkte frustriert die Arme.
„Egal WAS uns einfällt, es sollte uns schnellstens einfallen. Hier ist es nämlich ganz schön kalt.“
Milena ging mittlerweile im Kellerraum auf und ab, murmelte vor sich hin und blickte immer wieder verstohlen zu Taljah auf, die sich in die Ecke gekauert hatte und mit ihren Locken spielte.
„Wir könnten ein Feuer machen und der Rauch zieht dann durch das Fenster raus und Diggs findet uns dann.“, kam es von Tonys Tochter.
„Ein Feuer ist ne blöde Idee. Außerdem hast du gar kein Streichholz.“, kam es patzig von der kleinen Israelin.
Niedergeschlagen ließ sich ihre Freundin jetzt auch neben ihr auf den Boden gleiten.
„Was ist das bloß immer, …..immer wenn wir in Gefahr sind, dann….“
Taljah fiel ihr ins Wort. „Dann bist du unausstehlich?“
„Neeee, dann hab ich Hunger.“ maulte Milena und Taljah konnte bereits ihren Magen laut knurren hören.
Sie unterließ es ausnahmsweise einmal die Augen zu verdrehen. „Eigentlich wollte ich ihn dir später erst geben, aber unter diesen Umständen….“ Sie kramte in der Hosentasche. „…Es gab wirklich kein Süßigkeitenglas im Büro, aber……“ Milena riss bereits gespannt die Augen auf. „…ich konnte dir einen Schokoriegel besorgen.“ Freudig hielt sie Milena den Riegel unter die Nase, der wiederum lief bereits das Wasser im Mund zusammen und riss ihn dem Mädchen aus der Hand. Das war ja noch besser als Gummibärchen. Anscheinend konnte man sich auf Taljah wirklich verlassen.
„Was findet ihr Amerikaner eigentlich immer an diesem Zeug?“, fragte Taljah und bekam von Milena nur ein Schulterzucken zur Antwort. Ihr Mund war bereits so mit Schokolade vollgestopft, dass ein richtiges Antworten nicht mehr möglich war.
Aufgrund der Schmatzgeräusche drehte sich Taljah zur Seite und ließ ihren Blick durch den Raum wandern. Sie stieß Milena sanft in die Seite.
„Du, schau mal, da auf dem Tisch, was ist das?“
„Was soll das denn schon sein. Eine Kiste. Sieht man doch.“
„Klar.“, bestätigte der Lockenkopf und stand auf. „Aber was ist drin?“
Milena zog die Luft ein. „Du meinst….“
Taljah war bereits damit beschäftigt einen Stuhl, der in der Ecke des Raumes gestanden hatte, an den Tisch zu schieben und hochzuklettern. Prüfend betrachtete sie die Holzkiste, die Zeichen darauf, konnte sie nicht deuten, schließlich konnte sie noch nicht lesen. Sie warf Milena einen Seitenblick zu. „Da steht: Vorsicht – Zerbrechlich.“ Denn genau das hatte ihre Mutter beim letzten Paket gesagt, dass ihre Großmutter ihnen vor ein paar Tagen geschickt hatte.
Neugierig war Milena nun auch an den Tisch gekommen. „Sollen wir es öffnen?“
„Wenn die Eier da drin sind, dann haben wir den Beweis.“, antwortete Taljah schnell und wartete bis auch ihre Freundin auf den Tisch geklettert war. Gemeinsam hoben sie vorsichtig den Deckel herunter. Milenas Augen wurden immer größer und sie schnappte nach Luft.
„Das ist eine ganze Kiste voller Schokoladeneier.“ Sie hatte bereits eines in der Hand und begann die Folie abzuziehen. „Jetzt kann ich dir fast verzeihen.“, grinste die kleine DiNozzo.
„Was denn?“
„Das wir hier eingesperrt sind.“, antwortete Milena, während sie schon dabei war, das Ei in den Mund zu stecken.
„Nicht essen, Mia. Das sind doch Beweisstücke.“
„ABER….Tali, sieh mal, da müssen Millionen von Ostereiern drin sein, genug um alle Kinder vom Kindergarten großzügig zu beglücken….. Da kommt es auf ein Ei mehr oder weniger nicht an.“, versuchte sich Mia mit vollem Mund gegenüber ihrer Freundin zu rechtfertigen.
Während Milena sich ein Ei nach dem anderen in den kleinen Kindermund schob, lehnte Taljah sich wieder gegen die kalte Kellerwand und spielte nervös mit dem Pflaster auf ihrem Knie.
Schmatzend setzte sich das schokoladenverschmierte Mädchen neben sie und betrachtete die aufgeschürfte Stelle.
„Abschürfungen?“
„Ja, was ist daran so wichtig?“ Taljah klebte das Pflaster wieder feste über ihre Wunde.
„Gar nichts.“, antwortete Milena. „Ich frag mich nur, wo du sie her hast.“
„Also wenn wir lange genug leben, erzähl ich es dir vielleicht mal.“ Die kleine Israelin wusste, dass sie sich mit dieser Antwort keinen Gefallen getan hatten, ihre Freundin würde so lange weiter fragen, bis sie alle Einzelheiten darüber wusste. Aber ein wenig mit ihrer Neugier zu spielen, war einfach zu verführerisch.
„Hast du mit Tommy Twister gespielt? Sei ehrlich.“
Taljah atmete tief durch. „Was ist ein Twister?“
„Du weißt…..“ Taljah unterbrach Milena mitten im Satz, bevor sie sich in Rage redete und hielt sie am Arm fest.
„Wir brauchen einen Plan, Mia.“
Die kleine DiNozzo steckte sich erneut ein Osterei in den Mund und ignorierte den Blick des Lockenkopfs, welcher absolutes Unverständnis gegenüber des Schokokonsums spiegelte. „Ich kann dann besser nachdenken.“, versuchte sie sich schmatzend zu verteidigen. Beide Mädchen hingen dann ihren Gedanken nach.
„Ich hab´s.“, sprang Milena plötzlich auf. „Ich habe einen Plan…. Wir bauen uns ne Zeitmaschine.“
Jetzt musste Taljah doch wieder die Augen verdrehen, obwohl sie das eigentlich nicht mehr tun wollte, schließlich war Milena ihre Freundin, oder so was ähnliches, aber dieser Vorschlag war absolut dämlich.
Milena, die die Reaktion natürlich gesehen hatte, kniff die Augen zusammen und schien sauer zu sein. „Weißt du was Besseres?“, fragte sie protzig.
„Wir könnten eine Spur legen.“
Ein kurzes Lächeln zeigte sich auf Mias Gesicht, ein kurzes selbstgefälliges Lächeln, dieser Vorschlag war auch nicht besser als die Zeitmaschine. „Schade, ich habe meine Brotkrumen doch glatt im Frühstücksraum vergessen.“, schnaubte sie und sah Taljah herausfordernd in die Augen.
Taljah machte ein Petzauge und lächelte siegesgewiss. „Dann ist es doch gut, dass wir die ganzen Ostereier haben.“ Als sie in Milenas fragende Augen sah, erklärte sie ihren Plan. „Die Eier passen durch das Gitter des Kellerfensters. Wenn wir die Eier nach draußen werfen, wird Diggs das sicherlich irgendwann merken. Er ist bestimmt schon auf der Suche nach uns.“


Kapitel 7 „Die Eierspur“

Verstohlen sah sich Mike, der von allen Kindern nur Spanky genannt wurde, um. Wo waren nur alle wieder hin? Er war neu im Kindergarten und es fiel ihm wie immer schwer Anschluss zu finden, denn Mike hatte ein kleines Problem. Seine Mom sagte dazu Babyspeck, aber andere Kinder nannten ihn schlicht und einfach dick oder fett. Doch diesmal hatte er das Gefühl, aufgenommen worden zu sein.

Am ersten Tag sollte er sich und seine Familie vorstellen. Doch was gab es da groß zu sagen? Also hatte er erzählt, dass sein Dad ein Wanderarbeiter war und sie, je nach Arbeitslage, mit ihrem Wohnwagen von Stadt zu Stadt zogen. Mal blieben sie Monate, mal aber auch nur ein paar Wochen oder manchmal auch nur wenigeTage. Mike hatte gelernt sich nirgends fest zu binden. Er hatte seine Mom, seinen Dad, seine kleine Schwester und seinen Hund, das musste reichen. Freunde würde er eh nur wieder verlieren. Während er sprach hatte er sich die ganze Zeit über aus dem Süßigkeitenglas bedient und ein Gummibärchen nach dem anderen in seinen Mund gesteckt.

Als er ihnen dann aber von seinem Hund Pete erzählte, einen weißen Pitbull mit einem schwarzen Fleck am einen und einen schwarzen Kreis am anderen Auge, kam plötzlich ein kleines Mädchen mit hellbraunen, leicht gelockten Haaren, auf ihn zu gestürzt. „Hey“, rief sie, „hast du einen Spitznamen?“, und als er verneinte, „dann nennen wir dich Spanky. Ich bin Mia. Jeder braucht doch einen Spitznamen“, sagte sie wichtigtuerisch. „Und ich wollte schon immer mal Spanky und Pete kennenlernen.“ Als Mike, oder auch Spanky, sie verwirrt ansah, rollte die Kleine mit den Augen. „Habt ihr kein Fernsehen in eurem Wohnwagen? Die Kleinen Strolche! Mensch, die musst du doch kennen!“, kam es von ihr entrüstet. Von da an war der Bann gebrochen und Spanky wusste, diesmal würde er den Tag der Abreise wirklich bereuen.

Jetzt waren alle im Garten, spielten verstecken und er musste suchen. Nur wo waren alle geblieben? Er ließ seinen Blick durch die Gegend schweifen als er plötzlich im Augenwinkel etwas hell im Sonnenlicht aufblitzen sah. Spankys Aufmerksamkeit war geweckt und er näherte sich der Lichtreflektion. Als er sah was sich ihm da bot, lief ihm schon das Wasser im Mund zusammen. Schokoladen-Eier und nicht etwas eins, nein, ganz viele lagen da im Gras verteilt. Er warf noch einmal einen Blick über die Schulter, aber von den anderen Kindern war immer noch nichts zu sehen. Spanky ließ sich vor den Eiern auf den Boden plumpsen und machte sich über die Schokolade her. Sein Rücken lehnte dabei lässig gegen die hintere Hauswand, neben dem Kellereingang. In kürzester Zeit verschwand ein Ei nach dem anderen.

Taljah sah ihre Freundin an. „Sag mal, schmeißt du auch welche raus, oder isst du die Schokoeier alle auf?“
„Klar“, kam es mampfend von Milena und sie leckte sich gerade wieder die Finger ab. „Klar schmeiß ich auch welche raus. Das Silberpapier leuchtet bestimmt toll in der Sonne. Diggs wird uns schon finden“, kam es zuversichtlich von der Kleinen DiNozzo.
„Na wenn du meinst, dann nimm dir noch ein paar Eier“, sagte Tali darauf.
Milena grinste sie frech an, verharrte dann aber plötzlich in der Bewegung. Ihre Hand fuhr zu ihrem Bauch und sie verzog schmerzhaft das Gesicht.
„Was ist passiert, musst du auch aufs Klo?“, fragte Taljah ihre Freundin, doch diese schüttelte den Kopf.
„Nein, ich glaube mir ist schlecht“, dann verzog sie weinerlich das Gesicht. „Hilf mir Tali, ich habe Bauchweh.“

Alle Kinder spielten Verstecken und auch Diggs suchte mit Tommy den Garten ab. Allerdings aus einem ganz anderen Grund, denn die Mädchen waren schon zu lange fort. Hätte er sie nur nicht alleine gehen lassen. Er hatte die ganze Zeit über schon so ein dummes Gefühl im Bauch gehabt. Hoffentlich war ihnen nichts passiert. Da spürte er, wie ihm jemand am Ärmel zog. Verwirrt sah er Tommy an.
„Was“, herrschte er los.
„Ähhmmm Diggs, wonach..“, er schluckte verängstigt, „…wonach suchen wir eigentlich?“
„Such nach irgendwas, das uns zu Taljah und Milena führt“, donnerte er los.
Tommy fuhr erschrocken zurück und suchte plötzlich angestrengt unter den Büschen nach Spuren.
Diggs schüttelte den Kopf. Er hatte Rocky bei Sabby gelassen, weil die Kleine völlig am Rad gedreht hatte. Jetzt überlegte er kurz ob es nicht vernünftiger gewesen wäre, er hätte Tommy bei ihr gelassen. Der Junge war bei der Suche zu nichts zu gebrauchen.
Tommy sah sich im Garten um. „Such eine Spur zu den Mädchen“, sprach er sich die ganze Zeit leise vor, als seine Augen neugierig Spanky erfassten, der sich Schokoladeneier in den Mund steckte. Wie Mia, kam es ihm kurz in den Sinn und seine Augen wollten schon wieder weiterwandern, als ihm der Grund wieder einfiel, *Schokoladeneier?* Die Mädchen waren doch auch auf der Suche nach den Eiern gewesen. Ängstlich wandte er den Blick zu Diggs. Kurz kämpfte er mit sich, ob er ihm die Nachricht nicht lieber verschweigen sollte, aber dann fasste er sich ein Herz. Immerhin ging es hier um Taljah und Milena, obwohl er auf die Letztere gut verzichten könnte. Trotzdem lief er zu Diggs und zupfte erneut an dessen Ärmel.
„Was ist?“, sagte dieser und sah Tommy von oben herab an.
„Ich glaub…“, ängstlich sah er zu ihrem Anführer hoch. „Ich glaube ich habe was.“
„WAS, Tommy, raus damit.“
„Sieh doch selbst. Da hinten sitzt Spanky und isst Schokoeier. Wo kommen die her?“
Doch den letzten Satz bekam Diggs schon nicht mehr mit. Schnell hatte er sich umgedreht und raste über den Spielplatz auf Spanky zu.
„DU, wo hast du die Eier her?“ brüllte er sofort los, als er den Jungen erreicht hatte.
Spanky fing an zu zappeln, wie ein kleiner, verängstigter Wurm an der Angel. Was hatte er jetzt schon wieder schlimmes getan? „Ich, äh, ich, sie, äh, ich meine, sie sind so lecker. Ich konnte sie doch nicht einfach so liegen lassen“, sagte er und wollte sich gerade das nächste Ei in den Mund stopfen, als Diggs ihm den Arm fest hielt.
„WO KAMEN DIE EIER HER“, Diggs sprach gefährlich leise und betonte dabei jedes Wort ausgiebigst.
Spanky deutete zu dem Kellerfenster. „Sie sind da rausgefallen.“
„Und du hast dich nicht gefragt, warum das so ist?“, fragte ihn Diggs.
„NÖ, warum? Sollte ich?“

„Oh Tali, ich hab ja so Bauchweh. Ich platze bestimmt gleich“, jammerte Mia zum wiederholten Mal.
Taljah rollte mit den Augen, während sie von einem Bein auf das andere stieg und leise ihr Mantra betete *ich brauch noch kein Klo, ich habe noch Zeit, ich habe noch Zeit*.
„Wenn du nicht so viel Schokolade gegessen hättest, wäre dir jetzt auch nicht schlecht. Setz dich dort hin und leg den Kopf zwischen die Beine. Das hilft.“
„Ehrlich?“, fragte Mia und ließ sich laut stöhnend auf den Boden gleiten.
Taljah lief wieder von einer Seite des Kellers zur anderen. Diggs, komm bitte, bald. Ich muss hier raus, dachte sie stumm.

Diggs hatte Spanky feste am Ohr gepackt und zog ihn wutentbrannt hinter sich her. Diese Frischlinge waren aber auch zu nichts zu gebrauchen, genau aus diesem Grund mochte er auch keine Neulinge. Man konnte ihnen einfach nicht vertrauen. Fluchend stampfte er zum Terrasseneingang, das Winseln von Spanky ignorierend und leise vor sich hin brummend. Die Mädels waren in Schwierigkeiten, vermutlich hatte sich Milena mal wieder unüberlegt in Gefahr gebracht, diese Göre war unmöglich. Tommy versuchte unterdessen mit Diggs Schritt zu halten und warf immer wieder einen besorgten Blick auf den kräftigen Jungen, der vehement verzweifelte Blicke zwischen Diggs und Tommy hin und her warf.


Kapitel 8 „Die Rettung“


„Eins, zwei, drei, ….“ Taljah setzte ein Fuß vor den Anderen und zählt die Schritte zwischen der Außenwand und der Kellertür. In ihrer Verzweiflung versuchte sie alles, um sich abzulenken. „….vier, fünf…..“
„Tali, mir ist schlecht.“, hörte sie nun abermals die wimmernde Stimme ihrer Freundin, die noch immer den Kopf zwischen die Beine gesteckt hatte. „Ich glaub ich muss mich übergeben.“
„Untersteh dich.“, schrie Taljah auf. „Das wagst du nicht, Mia, das ist eklig.“ Alleine der Gedanke an das Erbrochene ließ es ihr eiskalt den Rücken hinunterlaufen.
„Aber,….“ Mia war total blass um die Nase, ihre Haut schimmerte schon fast grünlich.
„Versuch dich abzulenken.“, schlug Taljah vor. „Denk an was Schönes.“ Die kleine Israelin verzog angewidert das Gesicht. „Von mir aus denk an dein rosa Kinderzimmer.“
Ein kleines verkrampftes Lächeln zeigte sich auf dem Gesicht von Milena. „Rosa ist schön.“
Klar, dachte sich Taljah und zählte weiter „…sechs, sieben….“
„Ich find es jedenfalls schön, auch wenn es dir nicht gefällt.“, murmelte Milena und kämpfte weiter gegen die Übelkeit. „Und Puppe gefällt es auch.“
„…acht, neun, zehn…..“

„Bitte, ich hab doch gar nichts gemacht, nur Eier gegessen.“, verzweifelt versuchte Spanky einen erneuten Versuch, sich aus dem Griff von Diggs zu befreien. „Die lagen doch einfach nur auf der Wiese rum.“
„Klar. Und wer hat sie da wohl hingelegt?“ Diggs hielt kurz inne und überlegte selbst. „Etwa der Osterhase?“
„Das weiß ich doch nicht.“, kam es kleinlaut von dem Jungen, der mittlerweile sichtlich mit den Tränen kämpfte. An der Kellertreppe angekommen, sah Diggs ihm zum ersten Mal in die Augen und erkannte den verzweifelten und unschuldigen Blick. In seiner Sorge um die Mädels hatte er anscheinend wirklich die Beherrschung verloren und seine Laune an einem unschuldigen Jungen ausgelassen. Nun ja, verbesserte er sich gleich wieder, unschuldig ist er ja auch wieder nicht.

„….elf, zwölf….. Was kommt nach zwölf?“, wütend zog Taljah die Augenbrauen zusammen, ausgerechnet jetzt wollte ihr diese blöde Zahl nicht einfallen und sie musste Milena fragen. In Gedanken sah sie bereits das selbstgefällige Lächeln in deren Gesicht.
„15“, antworte Mia ohne zu überlegen. Und Taljah wollte gerade antworten, dass das nicht richtig sein könne, als sie die Stimmen im Kellerflur hörte. Die Zahlen waren vergessen und schnell ging sie zur Tür, um zu horchen. Als sie die Stimmen erkannte, atmete sie erleichtert auf und winkte Milena zu sich.
„Ich habe dir doch gesagt, Diggs holt uns hier raus.“ Mia stellte sich freudig erregt neben ihre Freundin.
„Klar, daran habe ich auch nie gezweifelt. Aber….“ Der kleine Lockenkopf kreuzte die Beine und presste fest ihre Lippen aufeinander.
„Aber was?“, fiel Milena ihr ins Wort.
„Aber die Frage ist, ob er es auch rechtzeitig schafft, bevor….“ Taljah sprach den Satz nicht zu Ende, da sie endlich das ersehnte Geräusch, den sich drehenden Schlüssel im Schlüsselloch der Kellertür, hörte. Beinahe in Zeitlupe, zumindest kam es dem Mädchen so vor, öffnete sich die schwere Tür und die drei Jungs strahlten ihnen fröhlich entgegen. Taljah blickte zunächst in die Augen von Diggs, dann in die Augen von Tommy. Verständnislos musterte sie dann kurz Spanky.
„Spanky hat leider die Eier aufgegessen, die ihr aus dem Fenster gekullert habt.“, grinste Tommy verlegen und wunderte sich über den entsetzten und wütenden Blick in Taljahs Augen.
Tali zwängte sich an den ersten beiden Jungs vorbei und trat dann mit voller Wucht gegen Spankys Schienbein.
„Autsch.“, schrie der Junge auf und Tommy eilte ihm sofort zur Hilfe.
„Wo willst du hin, Tali.“, schrie Diggs dem Wirbelwind hinterher und wunderte sich noch über ihren komischen Laufstil.
„Ich war die ganze Zeit im Keller eingesperrt……“, zischte Taljah, während sie bereits die Treppenstufen hochrannte. „….zur Mädchentoilette.“


Kapitel 9 „Ruhe vor dem Sturm“

Die zwei Jungs schafften die ächzende Milena nach oben in den Gruppenraum und ließen sich auf dem Teppich in der Bauecke nieder. Sparky hatte sich schnellsten aus dem Staub gemacht und war wieder nach draußen gerannt, oder vielmehr gehumpelt, denn sein Schienbein schmerzte sehr.
„Hör auf zu jammern, Mia.“, Tommy lächelte ihr entgegen. „Das ist doch nicht so schlimm.“
„Pah, wer sagt, dass es nicht schlimm ist. Ich habe eine üble Bauchverletzung. Ich kann kaum aufrecht stehen.“
„Du hast Bauchschmerzen, weil du zu viele Schokoeier gegessen hast.“, fügte Tommy hinzu.
„Wer sagt das?“
Tommy konnte die Frage nicht mehr beantworten, da man bereits von der Tür die aufgeregte Sabby hörte. „Mia,Mia,Mia, wie geht es dir?“ Sabby fiel Mia um den Hals und drückte sie fest.
„Oh, Sabby, mein Bauch.“, begann sie sofort wieder zu jammern.
Entsetzt blickte Sabby zu Tommy. „Wieso hast du mir nicht erzählt, dass sie verletzt ist.“
„Ist sie doch gar nicht.“, verzweifelt hob der Junge die Schulter und stellte die hoffnungslosen Versuche ein, Sabby doch noch davon zu überzeugen.
„Begleitet dich jemand nach Hause?“, fragte diese unterdessen mitleidig das kranke Mädchen.
„Das mach ich.“, kam es von weiter hinten und Taljah erschien. „Ich koche heute nämlich für Mia in ihrer neuen Kinderküche. Hat sie gestern von ihrem Opa geschenkt gekriegt.“
„Oh, was gibt es denn Leckeres?“, wollte Sabby sofort wissen.
Taljah blickte zu Milena und sah, dass ihre Freundin noch immer sehr blass aussah. Bedauernd legte sie den Kopf schief. „Ich denke mal…“, sie legte den Zeigefinger überlegend gegen ihr Kinn. „… heute gibt es nur noch Kamillentee, rein pflanzlich.“
Alle mussten lachen, als sie das kurze Aufstöhnen von Milena DiNozzo hörten, bevor auch diese schließlich in das Gelächter mit einstieg.

Sabby ging auf Taljah zu und umarmte sie kurz. Taljah, die diese Umarmungen von Sabby noch nicht gewohnt war, sah diese erstaunt an.
„Oh, wofür war denn das?“, rümpfte der Lockenkopf die Nase.
„Ich bin froh, dass du noch lebst.“, kam es leise über Sabbys Lippen und setzte dann ein freundliches Lächeln auf.
„Ah, ok, ich auch.“ Taljah warf ihr ein Petzauge zu. Und nach einer kurzen Verschnaufpause, grub sie aus ihrer Hosentasche ein Osterei. „Es ist zwar ein Beweismittel, aber ich denke, da wir Mister BOB überführt haben, kannst du es sicherlich aufessen.“
„Sind das die Eier, die ihr im Keller gefunden habt?“, Sabby hielt das Ei in die Höhe und betrachtete es von allen Seiten. „Diggs“, schrie sie dann. „Wir haben ein PROBLEM.“
Von dem Geschrei angelockt, schauten sekundenspäter alle gespannt auf das Ei in Sabbys Händen und warteten darauf, dass sie endlich weitersprach.
„Das ist ein anderes Ei, es entspricht nicht den Eiern, die in unserem Garten versteckt wurden. So wie es aussieht war es doch nicht Mr. BOB.“
Taljah fixierte das Ei in Sabbys Hand, dabei zog sie eine Schnute. Sollte Mia tatsächlich recht haben. Alle bisherigen Versuche waren erfolglos. Gab es den Osterhasen doch?!


Mr. BOB stand an der Gruppentür und lauschte der Unterhaltung der Kinder. Er fand die Kinderthemen immer so nett und amüsant. Und diese Kinder waren etwas ganz besonderes. Grinsend dachte er an die neue Lieferung, die er heute Morgen bekommen hatte. Die erste Kiste Schokoladeneier waren bereits aufgebraucht. Ab morgen konnte er die neuen BIO-Schokoladen-Eier im Garten verstecken. Es machte ihm eine solche Freude, die Kinder zu beobachten, wenn sie die Verstecke im Garten fanden. Besonders das Leuchten in Milenas Augen war zu bezaubernd. Diese kleine, freche und manchmal vorlaute Göre war ihm sichtlich ans Herz gewachsen, nachdem sie vor ein paar Wochen beinahe in seinen Hecksler gefallen wäre. Und auch ihre Freundin Taljah, die den Eiern noch sehr skeptisch gegenübertrat und jedes Mal verunsichert mit ihren süßen schwarzen Locken spielte, mochte er sehr. Überhaupt die ganze Bande, um ihren Anführer Diggs, war es wert, sich in der Früh aus dem Bett zu quälen, um vor den Kindern da zu sein. Das Quietschen von Sabby, wenn diese ein Ei fand, ließ sein Herz immer wieder hüpfen und Tommy, schüchtern und zurückhaltend wurde mit jedem Erfolgserlebnis bei der Suche ein wenig selbstbewusster. Und sogar Rocky, Mr. BOB schmunzelte, unterbrach hin und wieder seine endlosen Geschichten, während er die Schokoeier genüsslich im Mund zergehen ließ, eben ein kleiner Genießer.

Kapitel 10 „Der Sturm“

Miss Cumberland wunderte sich etwas über das verfrühte Klingeln der Eingangstür. Als sie diese öffnete, stand ihr ein grinsender Tony DiNozzo gegenüber. Charmant, wie immer, begrüßte er die Erzieherin.
„Hatten Sie einen schönen Tag, Miss Cumberland? Oder hat meine Tochter sie wieder auf Trapp gehalten?“
„Nein, Agent DiNozzo, ihre Tochter war heute, im Vergleich zu sonst, sehr ruhig.“ *Eigentlich war Milena sogar ziemlich lange verschwunden*, fügte sie in Gedanken hinzu und runzelte besorgt die Stirn.
„Dennoch sollten wir uns demnächst einmal über die Entwicklung Ihrer Tochter unterhalten.“ sprach sie weiter und bat Tony in den Vorraum. „Lassen Sie uns in den nächsten Tagen doch bitte einen Termin vereinbaren. Jetzt werde ich Milena rufen. Einen Moment bitte.“
„Äh, Taljah bitte auch. Ihre Mutter ist noch nicht zurück.“ rief er der Erzieherin hinterher, die bereits um die Ecke verschwunden war.
Kurze Zeit später kam eine blasse Milena langsam um die Ecke getappst. In den kleinen Augen standen Tränen. „Daddy, mir ist schlecht.“
Tony ging seiner Tochter entgegen und hob sie hoch. „Mein Engel, du bist doch nicht etwa krank.“
„Doch Daddy, ganz schrecklich krank.“ jammerte das Mädchen bitterlich in den Armen ihres Vaters. „Der Bauch tut ganz dolle weh.“
Aus dem Augenwickel konnte Tony beobachten, wie Taljah beladen mit den Brotzeittaschen und Jacken der beiden Mädchen um die Ecke bog. Ihre enttäuschten Blicke sprachen Bände.
„Wo ist meine Mummy?“, fragte sie als aller erstes, innerlich hatte sie noch immer gehofft, dass ihre Mutter es doch schaffen würde, sie heute vom Kindergarten abzuholen.
„Ziva hat eben mit deiner Mum telefoniert. Ihr Flug hat Verspätung. Aber morgen früh ist sie wieder da.“ Tröstend wuschelte er der kleinen Israelin durch die Haare.
„Muss ich schon wieder bei euch übernachten?“ kam es kleinlaut von unten und Tony nickte.
„Komm Tali, jetzt bringen wir Mia ins Bett. Sie ist krank.“ Tony drehte sich um und ging zur Tür. Als er die Tür öffnen wollte bemerkte er ein Zupfen an seinem Hemdsärmel und er blickte fragend nach unten.
„Mia ist gar nicht krank. Sie hat nur zu viele Schokoeier gegessen. Und jetzt ist ihr übel. Da ist sie selbst dran schuld.“ Taljah sah provozierend in Mias grüne Augen und zog die Augenbrauen zusammen. „Warum muss ich eigentlich immer deine Jacke und deine Tasche tragen?“ fügte sie noch hinzu und presste die Lippen zusammen.
Mia unterdessen streckte ihr kraftlos die Zunge raus. „Weil ich schon länger hier im Kindergarten bin. Und du die Neue bist.“ Zu mehr fehlte der kleinen DiNozzo die Kraft und müde kuschelte sie sich wieder zurück in die Arme ihres Vaters.
Tony konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Hört auf zu streiten ihr zwei, ihr seid ja schlimmer als Ziva und ich in unseren wildesten Zeiten.“ Kopfschüttelnd ging er mit den beiden Mädels zum Auto.

Tony hatte die beiden Mädchen auf der Rückbank angeschnallt und fuhr gerade los, als er Taljah fragen hörte: „Wo ist eigentlich Tante Ziva?“
„Die ist noch eben einkaufen. Wir treffen sie gleich zu Hause“, erklärte er ihr und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr. Mia saß in ihrem Sitz und holte in immer kürzeren Abständen Luft. Das Ganze hörte sich wie eine Luftpumpe an. Taljah warf ihrer Freundin einen besorgten Blick zu. So sehr sie sich auch manchmal stritten, sie konnte es einfach nicht haben, wenn ihrer Freundin tatsächlich etwas weh tat.
„Alles klar bei dir Mia?“, fragte sie zögerlich. Milenas Gesichtsfarbe hatte schlagartig von weiß auf grün gewechselt und sie schüttelte verneinend ihren Kopf. „Dadddddyyyyyyyy!“, rief sie plötzlich los. Erschrocken sah Tony in den Rückspiegel. „Was?“ fragte er schnell. „Ich muss...... Daddy, mir ist ganz schlecht“, jammerte sie und ihr Vater handelte sofort, setzte den Blinker und fuhr auf den Seitenstreifen. Der Motor war noch nicht ganz aus, da war er schon aus dem Auto und auf dem Weg zur hinteren Tür. Taljah versuchte so weit wie möglich von Mia wegzurutschen, doch der Gurt verhinderte dies. Tony riss die Tür auf. „Ruhig Mia, du musst ganz ruhig atmen. Denk an was Schönes, Mäuschen“, redete er die ganze Zeit auf seine Tochter ein, während er den Gurt zu lösen versuchte. Er hatte es fast geschafft, als er Mia wieder jammern hörte. „Daaaadddddyyyyyy, mein Bauch.....“, und dann ging alles ganz schnell. Tony hörte Taljah entsetzt aufschreien, während sie versuchte unter dem Gurt durchzurutschen, um sich in Sicherheit zu bringen. Ihm selber schwappte es ebenfalls entgegen. Er versuchte im Chaos ruhig zu bleiben und löste nun endlich den Gurt und zog seine Tochter auf die Straße. Mit einer Hand hielt er sie an den Schultern zurück, während er die andere Hand auf ihrer Stirn liegen hatte und ihr half den Rest ihres Mageninhalts über die Leitplanke zu brechen. Nach schier endlosen Minuten hörte der Würgereiz seiner Tochter auf und Tony konnte kurz eine Inspektion durchführen. Mia hing schwach in seinen Armen, über und über mit ihrem eigenen Erbrochenen versaut. Er sah selber nicht besser aus, stellte er fest, als er an sich herunter sah. Das Auto war eine Katastrophe. Tony würde das Grobe entfernen müssen, aber um den Rest beneidete der die NCIS Garage nicht. Gott sei Dank war es nur sein Dienstwagen. Plötzlich fiel ihm sein zweiter Fahrgast ein. „Tali?“, rief er fragend. „Hier Onkel Tony“, kam es zaghaft von der kleinen Israeli. „Hat sie dich auch erwischt?“, fragte er sie. Taljah grinste ihn frech an. „Dafür bin ich viel zu schnell.“

Zwanzig Minuten später standen Vater und Tochter zusammen unter der Dusche um sich zu säubern. Mia war immer noch kreidebleich und schwankte leicht. Tony zog seinen Bademantel an und wickelte Milena in ein großes Badetuch, dann trug er sie zu ihrem Zimmer. Taljah stand etwas verloren in dem rosafarbenen Kinderzimmer an der neuen Spielküche und stellte gerade einen Kinderteekessel an, während Tony seine Tochter ins Bett legte. Es musste ihr wirklich schlecht gegen, wenn sie so wenig Kommentare von sich gab. Normalerweise stand ihr Mund nie still, schon gar nicht nach einem aufregenden Tag im Kindergarten. Leise beruhigende Worte vor sich hin murmelnd, zog Tony seiner Tochter ein rosa Nachthemd an und deckte sie fürsorglich zu. „Wenn du noch einmal brechen musst, hier steht ein Eimer, oder ruf einfach, Mäuschen und jetzt schlaf“, sagte er ihr. „Ich will meine Mommy haben“, kam es von seiner Tochter. Ihr Vater schüttelte mit dem Kopf. Das war ja mal wieder klar. Er hatte die ganze Arbeit mit ihr gehabt und sie wollte nur Ziva. Tony drückte ihr Puppe in den Arm. „Ich schick sie zu dir, sobald sie da ist“, sagte er ihr noch und stand vom Bettrand auf. „Kommst du mit Taljah?“
„Nein, ich wollte Mia noch einen Kamillentee kochen, dann komm ich nach“, teilte sie ihrem Onkel mit und machte sich dran die kleinen Becher mit imaginären Wasser zu füllen. Tony grinste sie an und ging dann raus in den Flur, wo er soeben Geräusche gehört hatte.

„Hey“, begrüßte seine Verlobte ihn schmunzelnd. „Ist es dafür nicht noch etwas früh?“, fragte sie und strich ihm mit einem sehnsüchtigen Gesichtsausdruck über den Morgenmantel. Tony ließ sich die Liebesbekundungen seiner Partnerin nur zu gerne gefallen und schob eine Hand unter ihrem Pullover, um über ihre festen runden Brustwarzen zu streicheln. „Tante Ziva, Mia braucht dich“, hörten sie plötzlich hinter sich Taljahs Stimme und fuhren wie zwei erwischte Teenager auseinander. Schnell erzählte Tony seiner Gefährtin was sich alles in der Zwischenzeit ereignet hatte.

Eine Stunde später saßen Ziva, Tony und Tali auf der Couch und sahen gemeinsam eine DVD. Mia schlief den Schlaf der Gerechten und hatte scheinbar den Würgreiz überwunden. Morgen würde sich heraus stellen, ob sie wieder in den Kindergarten konnte. Tony trug jetzt eine Jogginghose und ein altes Shirt. Er saß hinter Ziva und hatte seine Arme um diese und Taljah die zwischen ihren Beinen saß, geschlungen.
Taljah triumphierte innerlich. Endlich hatte sie auch einmal die ganze Aufmerksamkeit ihrer Tante, ohne dass Mia sich immer dazwischen drängte. Tony hielt den beiden eine Popcornschüssel hin und Tali bediente sich dankend. Sie liebte diese Abende, auch wenn sie dies nie wirklich zugeben würde. Mit einem kleinen Seufzer kuschelte sie sich noch ein bisschen enger an ihre Tante. Wenn sie nur nicht so müde wäre, dann könnte sie dies noch etwas länger genießen, aber immer wieder fielen ihr die Augen zu.

Mit einem leichten Lächeln trug Ziva ihre Nichte zu Mia ins Zimmer und legte sie auf das Zustellbett. Sie gab Tali noch einen Kuss auf die Stirn und trat dann an Mias Bett. Diese lag auf der Seite und schnarchte leise vor sich hin. Sie fühlte ihre Stirn, aber Fieber schien sie nicht zu haben. Wahrscheinlich war es doch nur die ganze Schokolade gewesen. Sie gab auch Mia einen leichten Kuss, dann schloss sie die Tür zum Kinderzimmer.

Als sie zurück ins Wohnzimmer kam, hatte Tony schon das Licht gelöscht und den Fernseher ausgeschaltet und rief sie leise ins Schlafzimmer.


Kapitel 11 „Farbentest“


Die Tür des Gruppenraumes öffnete sich mit einem Quietschen und es erschien ein stolz vor sich hin strahlender Tommy. Die anderen Kinder saßen bereits im Stuhlkreis und folgten der Osterhasengeschichte, die gerade von der Erzieherin vorgelesen wurde. Sarah, das kleine rothaarige Mädchen aus der Nachbargruppe war heute zu Besuch und saß schmachtend Diggs gegenüber. Das Hereinkommen des kleinen Jungen bemerkte sie vor lauter Schwärmerei nicht.
„Miss Cumberland“ Tommy blieb mitten im Kreis stehen. „Der Osterhase hat mir gest ern gaaaaanz viele Eier nach Hause gebracht und meine Mama hat gesagt, ich darf ein paar davon meinen Freunden im Kindergarten verteilen.“ Während er sprach schien er Zentimeter um Zentimeter zu wachsen und blickte den anderen Kindern einzeln ins Gesicht. Besonders Milenas Gesicht starrte ihn mit großer Vorfreude an, die Schmerzen des vergangenen Tages waren scheinbar schon wieder vergessen. Tommy wartete die Bestätigung von Miss Cumberland erst gar nicht ab und fing an seine Eier zu verteilen.
„Das ROTE ist für Rocky.“ drückte er seinem etwas älteren Freund das Ei in die Hand.
„Das GELBE ist für Tali.“ hüpfte er grinsend zu dem kleinen Lockenkopf, die fröhlich zurücklächelte.
„Das BLAUE ist für Diggs….. das GRÜNE ist für……..“
Sabby war nach einer kurzen Sekunde des Erstaunens aufgestanden und ihm geradezu um den Hals gefallen. Jetzt hüpfte sie aufgeregt im Stuhlkreis herum und schrie. „TommykanndieFarben-TommykanndieFarben-MEINHELDkanndieFarben“
Miss Cumberland gelang es glücklicherweise das aufgedrehte Mädchen zu packen und zog es auf ihren Schoß. Die zappelnde Sabby blickte zunächst böse zur Erzieherin, doch dann breitete sich schnell erneut ein rießiges Lacheln über ihr Gesicht.
„Richtig, Sabby“ kam es von Miss Cumberland. „Dein Tommy hat das ganz toll gemacht. Alle Farben waren richtig.“ Die Frau warf Tommy ein Petzauge zu. „Aber jetzt darf er erst noch seine restlichen Eier verteilen.“
Sabby nickte so wild, dass ihre Rattenschwänze in Miss Cumberlands Gesicht flogen.
„Das Grüne ist für Sabby.“ Mit leuchtenden Augen übergab er seiner kleinen Freundin das Ei.
„Danke“ kam es kichernd von ihr zurück und sie schenkte Tommy einen wunderschönen Augenaufschlag. Eigentlich wollte sie ihn erneut umarmen, doch Miss Cumberland hielt sie auf ihrem Schoß gefangen.
Tommy verstand und drehte sich zu Mia. „Und das ROSA Ei ist für Mia.“
„Oh, das ist aber lieb von dir.“ Mia hielt es nicht mehr auf dem Stuhl, sie stand auf und rannte Tommy entgegen. Ungeschickt stieß sie gegen seinen Arm, das Ei flog durch die Luft. Alles schien in Zeitlupe abzulaufen. Mia sah dem Ei nach, Tommy sah dem Ei nach…… Sabby versuchte sich aus den Armen der Erzieherin zu schlängeln,…..Tali hielt die Luft an……Diggs und Rocky wechselten einen wissenden Blick. Und platsch landete das Ei auf dem Boden. Miss Cumberland schrie kurz auf, dieses Ei war …… „ROOOOOH“ kam es aus dem innersten ihrer Kehle. Na prima, da hatte Tommys Mutter wohl vergessen, die Eier vorher zu kochen, grandios. Und wer durfte diese Sauerei jetzt wieder wegwischen. Sie. Diese Kinder waren einfach zum Haare raufen. Doch auch wenn sie innerlich kochte, nach außen setzte sie ein professionelles Lächeln auf.
„Da hat der Osterhase wohl vergessen, die Eier vorher zu kochen.“ Murmelte sie und blickte in die Runde. Dabei sah sie Taljahs entsetzten Blick. Das Mädchen stand auf und kam auf sie zu. Ganz leise flüsterte sie der Erzieherin ins Ohr:
„Das ist jetzt nicht ihr ernst, Miss Cumberland. Ein Hase, selbst wenn ich die Tatsache, Mia zu Liebe, akzeptieren könnte, dass er Eier im Garten versteckt - Eier kochen kann er auf keinen Fall.“
Miss Cumberland konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, es war schließlich nicht verwunderlich das Taljah so ihre Problemchen mit den hiesigen Brauchtümern hatte.
„Wir werden die Geschichte morgen weiterlesen.“ sagte sie zu den Kindern. „Taljah, bis du so nett und hilfst mir beim Aufwischen.“
Tali holte bereits Luft um sich lautstark zu efochieren, warum ausgerechnet sie das Gematsche, das eine gewisse Ähnlichkeit mit Mias Maleur gestern im Auto hatte, wegmachen sollte, doch der Blick in das Gesicht der Erzieherin ließ sie innehalten. Diese warf ihr tatsächlich ein Petzauge zu und das machte neugierig. Nebenbei nahm sie die mitleidenden Blicke der anderen wahr, die ihre Stühle schnell zurück an den Tisch schoben und das Weite suchten.
Während sie nun auf dem Boden kniete und mit Küchenrolle den Boden schrubbte, bemerkte sie den fragenden Blick von Miss Cumberland.
„Du glaubst wohl nicht an den Osterhasen?“ begann sie vorsichtig das Gespräch.
„Das ist doch lächerlich, Miss Cumberland.“ kam es altklug von Taljah. „Ein Hase kann keine Eier tragen, er ist nicht schlau genug, Eier zu verstecken und schon gar nicht kann er Eier kochen. Aber Mia will das einfach nicht einsehen. Auch wenn wir es beinahe beweisen konnten, aber im letzten Moment hat das entscheidende Beweisstück gefehlt.“ Tali war aufgestanden und stand nun mit verschränkten Armen vor Miss Cumberland. „Sie können mich auch nicht vom Gegenteil überzeugen.“
Miss Cumberland lachte kurz auf, Taljah war ein kleiner Dickkopf und stand zu ihren Überzeugungen. Das gefiel ihr sehr.
Sie deutete Taljah an auf ihren Schoß zu klettern und zunächst etwas unsicher, nahm das Mädchen das Angebot an.
„Weißt du….“ Miss Cumberland strich ihr über die schwarzen Locken. „….die Erwachsenen spielen gerne den Osterhasen, um den Kindern eine Freude zu machen. Und die Freude bei den Kindern ist einfach noch viel größer, wenn sie denken, die Schokoeier wären vom Osterhasen.“
„Weil Kinder Fantasie haben.“, fügte Tali hinzu, nur um auch mal wieder etwas zu sagen.
„Richtig. Seit vielen vielen Jahren machen die Erwachsenen das so und wenn du irgendwann mal Mama bist, dann wirst du sicherlich auch Osterhase spielen und Eier für deine Kinder verstecken.“
„Ich werde keine Mama.“ kam es prompt von dem Mädchen und ließ die Erzieherin erneut grinsen.
„Du bist ein ganz kluges Kind, Taljah. Du hast uns Erwachsene bereits durchschaut.“ Miss Cumberland wuschelte ihr durch die Haare. „Jetzt ist es ganz wichtig, dass du das Geheimnis für dich behältst. Lass Mia und deinen Freunden doch den Glauben an den Osterhasen. Freu dich mit deren Fantasie. Und in ein paar Jahren, wenn sie selbst nicht mehr an den Osterhasen glauben, dann erzählst du ihnen von unserem Gespräch.“
Taljah grinste frech. Miss Cumberland hatte ihr bestätigt – sie hatte RECHT. Sie war schlau, sie hatte alles durchschaut und jetzt hatte sie einen neuen Auftrag. GEHEIMNIS.
Von der Wichtigkeit überzeugt, nickte sie. Dann hielt sie mit einem bezaubernden Lächeln das schmutzige Eiertuch ihrer Erzieherin unter die Nase. „Darf ich jetzt spielen gehen?“
Miss Cumberland schüttelte amüsiert den Kopf und nahm das Tuch entgegen. „Selbstverständlich“


Kapitel 12 „Mamamia“


Rocky stand in der Malecke und erzählte gerade Tommy eine seiner Geschichten, als er plötzlich hinter sich einen Ruf vernahm. „Rockylein, da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht“, rief hinter ihm eine Frauenstimme. Schlagartig hatte Rocky mit seinen Erzählungen abgebrochen und zog den Kopf zwischen die Schultern. Tommy sah ihn fragend an. Rocky zuckte mit den Schultern. „Meine Mutter“, sagte er zur Erklärung und drehte sich langsam um. „Mutter, schön dich zu sehen. Warum bist du hier?“
„Oh mein Rockylein hat seinen Schal vergessen“, trillerte sie. „Mutter, es ist Sommer. Ich brauche keinen Schal“, doch da hatte sie ihm den schon um den Hals gelegt.
„Wir wollen aber nicht, dass du sich wieder erkältest“, kam es von ihr bestimmend und sie ließ sich vor ihm auf dein Knie nieder. Dann musterte sie ihren Sohn und zog die Augenbrauen zusammen. „So bist du heute Morgen aber nicht aus dem Haus gegangen. Wo ist denn deine Fliege? Ich habe dir doch eine Fliege gegeben, oder habe ich das wieder vergessen?“, nervös suchte sie ihre Taschen ab, dann steckte sie sich einen Finger in den Mund und versuchte damit einen Flecken auf seiner Wange wegzuwischen. Angewidert drehte ihr Sohn seinen Kopf weg. „Mutter, bitte. Was sollen denn die anderen Kinder denken.“
Sie hörte schlagartig damit auf und stand wieder vom Boden auf. „Du hast ja so recht mein Rockyschatz und ich habe jetzt auch gar keine Zeit mehr. Ich muss noch schnell einen Weihnachtsbaum kaufen und dann kommt auch schon dein Daddy von der Arbeit“, beschwingt durch ihre eigenen Worte drehte sie sich um und war genauso schnell verschwunden, wie sie gekommen war.
Aufatmend ließ sich Rocky auf ein Sitzkissen plumpsen. „Puuuhhh, das war knapp“, teilte er seinem Freund mit. Und entledigte sich erst einmal des Schals, dann warf er einen Blick in die Runde der Kinder, die den Auftritt seiner Mutter mitbekommen hatten. Es war ihm peinlich, dass seine Mutter immer so ein Theater aufführte. Mit leicht schlechtem Gewissen, für ihre neuste Verunsicherung verantwortlich zu sein, griff er in seine Hosentasche und zog seine Fliege heraus. Um die Wogen zu glätten würde er sie nachher wieder umbinden. Wahrscheinlich würde seine Mutter bis dahin, sowieso wieder vergessen, dass sie überhaupt hier gewesen war. So war sie nun mal, aber er hatte nun mal nur diese eine Mutter. Wenn er seine Ohren spitzte, konnte er die Kinder flüstern hören. Verrückt, Bescheuert, Seltsam waren noch die harmlosesten Beleidigungen. Rocky wollte sich gerade mit einen besonders aufdringlichen Jungen anlegen, als er plötzlich Diggs Stimme vernahm.
„Habt ihr es nicht gehört“, brüllte er in den Raum. „Miss Cumberland sucht euch überall, wir spielen im Sitzkreis“ Sofort lichtete sich die Menge und kurze Zeit später waren sie wieder alleine. Diggs grinste Rocky an und nahm einen Schluck von seinem Kakao, den er sich gerade aus der Küche geholt hatte. „Fliege?“, fragte er immer noch grinsend. Mit spitzen Fingern zog er das Teil aus Rockys Händen und hielt es an ihn. Dann nickte er bestätigend. „Passt.“


Kapitel 13 „Der Plan“


Taljah rannte den Kindergarten-Flur entlang und wäre beinah gegen Sarah geprallt, die scheinbar mal wieder auf der Suche nach Diggs war. „He Sarah“, rief sie ihr beim Vorbeilaufen zu, war aber nicht gewillt stehen zu bleiben. Diggs Bekanntschaften gingen sie schließlich nix an. Sie rannte auf die Terrasse und blickte sich suchend um. Wo waren denn nur alle. Sie konnte Mia nicht entdecken, auch Tommy, Rocky und Diggs waren nicht auffindbar. Sabby war in der Musikecke, das konnte man nicht überhören. Ihre suchenden Augen flogen über die Spielgeräte im Garten. Rutsche, leer. Klettergerüst, zwei aus der Bärengruppe. Dreiräder, ihr blonder Verehrer. Schnell rollte sie mit den Augen. Sandkasten, da saß Spanky. Ihr Blick wollte schon weiterwandern als er aber aus irgendeinem Grund an ihm heften blieb. Oh weh, Spanky sah ziemlich traurig aus. Vermutlich hatte er immer noch Schmerzen wegen dem Tritt gegen das Schienbein. Und eigentlich tat es ihr ja auch leid. Sollte sie sich vielleicht entschuldigen. Aber sie wusste, was Diggs von Entschuldigungen hielt. Also musste sie sich was anderes einfallen lassen, um die Laune von Spanky wieder aufzuheitern. Vielleicht sollte sie…., nein, das wäre zu kompliziert, obwohl, warum nicht – Taljah würde den Osterhasen spielen. Ein breites Grinsen zog sich über das Gesicht des Lockenkopfes. Sie drehte sich um und rannte wieder rein. Ihr nächstes Ziel war der Knettisch. Sie hatte viel Arbeit vor sich, bis morgen früh musste das Osternest fertig sein. Sie arbeitete ab jetzt UNDERCOVER.

Kapitel 14 „Die kindliche Eifersucht“

„Wo bleibt denn Tali?“ Mia ließ sich in den Sand plumpsen und sah fragend in die Runde. Taljah war seit dem Stuhlkreis vor über einer Stunde noch immer nicht aufgetaucht. Was machte sie nur, wo steckte sie. Es passte Milena ganz und gar nicht, dass sie nicht informiert war. Leicht wütend kaute sie auf ihrem Finger, den sie in den Mund gesteckt hatte.
„Eben war sie am Knettisch.“ antworte Rocky beiläufig und hob die Schultern. „Sie schien ziemlich beschäftigt zu sein.“
„Dann fangen wir ohne sie an.“ zischte Diggs und wies die Kinder an, näher zu rücken. Er hatte keine Lust mehr auf das Mädchen zu warten. Sie hätten später bestimmt noch Gelegenheit, sie in die neuen Pläne einzuweihen.
„Wir brauchen einen neuen Plan. Also……gibt es irgendwelche Vorschläge?“
„Meine Fußabdrücke haben nichts gebracht. Ich bin leider ratlos, die Spurensuche war erfolglos.“ Tröstend legte Diggs der traurigen Sabby die Hand auf die Schulter und zog sie an sich ran. Mia warf nebenher immer wieder einen Blick über die Schulter, doch Tali war noch immer nicht zu erspähen. Sie seufzte kurz und versuchte sich dann auf das Gespräch der Anderen zu konzentrieren.
„Mmh, mein pyfologisches Gutachten hat wohl auch nicht sehr geholfen.“ Rocky zog eine kleine Schnute.
„Oh doch, Rocky. Es war sehr hilfreich. Allerdings….“ Diggs rümpfte die Nase.
„…müssen wir den Osterhasen flagranti in erwischen.“ beendete Mia lustlos den Satz.
„inflagranti, nicht flagranti in, das ist kein Fastfood-Direktverkauf.“ verbesserte Tommy das Mädchen.
„Willst du mich etwa verbessern, Tommel-Bommel?“ zischte sie den kleinen Jungen an und bereute ihre unüberlegte Antwort sofort, noch bevor sie Diggs Kopfnuss auf ihrem Hinterkopf spürte. „Autsch“ Trotzig funkelte sie Diggs an.
„Aber du hast recht, Mia. Wir müssen den Osterhasen überführen. Wir brauchen eine neue Osterhasenfalle.“ Oh Diggs gab ihr, Milena DiNozzo recht, das hob ihre Laune gleich wieder an.
„Vielleicht sollten wir uns morgen früh auf die Lauer legen. Du bist doch eh immer der Erste im Kindergarten, Diggs. Ich komme morgen gaaaaaanz früh und lenke Miss Cumberland ab und du versteckst dich auf dem Baum.“ Mias Blick wanderte den großen Baum hinauf, der eigentlich für die Kinder zum Klettern verboten war. Doch irgendwie mussten sie ja weiterkommen und Diggs würde die Kletterpartie sicherlich schaffen.
„Ichbringmeinfernglasvonzuhausemit.“ Sabby war bereits wieder total aufgeregt.
„Ok, so machen wir es. Aber Mia….“ Diggs blickte sie fragend an. „….du musst wirklich pünktlich sein.“

Erschöpft ließ Taljah das Osternest in ihre Schublade gleiten. Puh, die letzte Stunde hatte sie hart gearbeitet. Die Knete zu vielen kleinen Ostereiern geformt und bunt gestaltet. Eins mit Punkten, eins mit Streifen. Am Basteltisch hatte sie zunächst kleine Schleifchen aus Stoffresten zurechtgeschnitten und dann aus braunem Tonpapier ein kleines Körbchen gebastelt, sogar mit einem Henkel zum Tragen. Aus Krepppapier hatte sie winzige grüne Streifen geschnitten und diese als Grasersatz im Körbchen verteilt, dann hatte sie die Schleifchen an den Eiern festgeklebt. Sie hatte sich mit einem Zettel und einem Stift in die Garderobe geschlichen und heimlich den Namen von Spanky abgeschrieben, damit auch Mia morgen früh nicht aus Versehen auf die Idee kam, dass das Osterkörbchen für sie gedacht sei. Taljah war stolz auf ihre Arbeit. Gerade als sie ihre Schublade schloss kamen die Anderen aus dem Garten. Aufgeregt eilte ihr Milena entgegen.
„Da bist du ja, Tali. Wo hast du gesteckt? Wir haben einen neuen Plan, hör zu…..“ Mia zog beleidigt die Augenbrauen zusammen, als sie bemerkte, dass Taljah an ihr vorbei schaute und sie scheinbar gar nicht wahrnahm, frustriert folgte sie mit ihren Augen dem Blick ihrer Freundin. Doch noch bevor sie den Grund für Taljahs Unaufmerksamkeit erkannte, rannte diese bereits an ihr vorbei.
„Mummy, Mummy….“ Überglücklich fiel das Mädchen in die Arme ihrer Mutter. „Da bist du ja endlich. Ich hab dich sooooo vermisst.“ Sie drückte ihrer Mutter einen dicken Kuss auf die Wange.
„Deswegen bin ich auch direkt vom Flughafen zu dir gekommen.“ Leah strahlte ihre Tochter an. „Miss Cumberland meint, es wäre kein Problem, wenn ich dich gleich mit nach Hause nehme. Einverstanden?“
„Na klar“ strahlte Tali über beide Ohren. Ihre Freunde bedachte sie mit keinem einzigen Blick mehr, ließ Mia links liegen und rannte in die Garderobe um ihre Sachen zu holen. Von draußen war ein kurzes „Bis Morgen“ zu hören und Mia verschränkte trotzend die Arme. Tolle Freundin. Sie hier einfach stehen zu lassen, obwohl sie ihr gerade von ihrem tollen Plan erzählen wollte. DER PLAN war doch wichtig.


Kapitel 15 „Der große Tag“


Milena hatte die halbe Nacht vor lauter Aufregung kaum geschlafen. Diggs Worte lagen ihr schwer im Magen. „Sei ja pünktlich“, sie wollte ihn auf keinen Fall enttäuschen und sie wollte nicht schon wieder eine Kopfnuss riskieren. „Ob es wohl schon Zeit zum aufstehen war?“, fragte sie sich. Angestrengt lauschte sie in den Flur, aber noch konnte sie ihre Mommy nicht hören. Doch an schlafen war jetzt nicht mehr zu denken. Schnell stand sie auf und verschwand im Bad. Kurz darauf stand sie vor ihrem Kleiderschrank. Was sollte sie anziehen? Normalerweise legte ihr Ziva immer die Sachen raus. „Mhmm mal sehen“, wie automatisch fiel ihr Blick auf das neue Kleid, das sie so gerne anzog, aber praktisch wäre das nicht. Also zog sie eine Jeans aus dem Schrank und ein T-Shirt. Bevor sie ihr Zimmer verließ warf sie noch einen Blick in den Spiegel. Jeans war okay, aber es musste ja nicht unbedingt die blaue sein... Grinsend strich sie über den rosa Stoff, die Kombination mit dem pinken Shirt biss im Auge, aber Mia entlockte es nur ein Lächeln. Sie öffnete die Tür zum Flur und hörte Geräusche aus der Küche.

„Hey, Kleines. Du bist ja fertig angezogen. Hast du gut geschlafen?“, wurde sie von Ziva begrüßt und während sie sich in deren Arme kuschelte, fragte sie schon: „Wo ist Daddy?“
„Der schläft noch.“
„Aber wir müssen doch gleich schon gehen. Ich muss heute ganz pünktlich im Kindergarten sein. Ich darf nicht zu spät kommen“, kam es aufgeregt von der Kleinen.
Ziva belegte weiter die Sandwiches und schnitt Obst klein. „Dann geh ihn wecken“, sagte sie grinsend und sah gerade noch wie Mia um die Ecke zum Schlafzimmer bog.

Milena riss die Tür auf und sah ihren Vater immer noch im Bett liegen und leise schnarchen. Als erstes vollzog sie Plan A. Sie lief zum Fenster und zog an dem Zugrollos, das mit einem SCHNAPP nach oben schnellte und das Bett mit Sonnenlicht übergoss. Von ihrem Vater hörte sie nur ein leises Stöhnen. Also musste Plan B ran. Sie lief zurück zum Bett, zog ihm die Decke weg und machte den Radiowecker an. Doch immer noch war keine Reaktion zu vernehmen. Jetzt folgte Plan C. Sie kniete sie sich neben ihm aufs Bett und brüllte in sein Ohr: „DADDY AUFWACHEN, ONKEL JETHRO IST DA!“, keine Sekunde zu früh sprang die vom Bett, als schon ihr Vater hochschoss und sich mit panischem Blick im Raum umsah. „WAS, WO?“, fragte er verständnislos, erblickte aber nur seine Tochter und lies sich mit einem Stöhnen wieder ins Bett zurück sinken. „Mia, was sollte das denn? Willst du, das ich einen Herzanfall bekomme?“
„Daddy, du musst aufstehen, ich muss heute pünktlich im Kindergarten sein. Ich hab es Diggs versprochen. BITTTTEEEEE“, sagte sie und zog einen Schmollmund. Milena wusste genau wie sie ihren Vater zu nehmen hatte.
„Mhhmmm, wichtig also, ja?“, fragte er sie und als er sie nicken sah, kniff er ihr ein Auge zu. „Was bekomme ich dafür?“
Milena legte ihren Finger ans Kinn und überlegte. „Mhhhmmm, erst einmal einen dicken gute Morgen Kuss“, und schon schmatzte sie ihm auf die Wange. „Und dann, werde ich Plan D anwenden.“ Schnell zog sie den nassen Waschlappen, den sie die ganze Zeit hinter ihrem Rücken versteckt hatte, in sein Blickfeld und brachte sich mit schnellen Schritten aus seiner Reichweite. Dann warf sie ihm das nasse Teil ins Gesicht. Tony war viel zu perplex um zu reagieren und der Waschlappen klatschte ihm ins Gesicht. Er hörte seine Tochter kichern und fluchte laut auf. So schnell es ihm möglich war, war er aus dem Bett und nahm die Verfolgung der quietschenden Milena auf.

Taljah stand zur gleichen Zeit im Badezimmer vor dem Spiegel, schmerzvoll verzog sie das Gesicht.
„Nicht so dolle, Mummy, das ziept.“ maulte sie und sah durch den Spiegel vorwurfsvoll ihrer Mutter in die Augen.
„He, ich will keine Klagen hören, meine Liebe. Du wolltest unbedingt diese Osterhasen-Schlappohren-Zöpfe.“ grinste sie ihre Tochter an und bemühte sich verzweifelt die schwarzen Locken ihrer Tochter zu entwirren.
„Aber doch nicht wenn DIE wehtun.“, rechtfertigte sich das Mädchen und hob die Schultern.
„Was haben Mia und du denn so wichtiges vor heute?“
„Was Mia vor hat, weiß ich nicht, ich bin heute auf jeden Fall UNDERCOVER. Ich habe eine wichtige Mission….“ Sie zog ihre Mama dicht an sie heran und flüsterte ihr leise ins Ohr: „….als Osterhase.“ Dann blickte sie in das verwirrte Gesicht ihrer Mutter, nickte nochmals bekräftigend und drehte sich wieder um.
Grinsend legte sie den Kopf schief und betrachtete sich im Spiegel. „Perfekt“

Gerade als Taljah aus dem Auto ihrer Mutter krabbelte, kam ihnen Tony entgegen. Kurz wunderte sie sich darüber, es war so gar nicht seine und Mias Art so früh im Kindergarten aufzutauchen. Doch ihre Gedanken kreisten schon viel zu sehr um das bevorstehende Ereignis, als dass sie sich länger darüber Gedanken machen konnte. Sie winkte ihm im Vorbeirennen zu und wartete dann ungeduldig vor der Kindergartentür, bis ihre Mutter ihr folgte.
Als Leah ihrer Tochter die Tür öffnete und lautes Gekreische aus der Frühdienstgruppe zu hören war, wunderte sich Taljah das zweite Mal an diesem Tag. Normalerweise war es morgens total still im Kindergarten. Diggs nutzte normalerweise die Zeit um Kakao schlürfend seine Portfoliomappe zu bearbeiten, der kleine Blonde saß in der Regel beim Puzzeln und Sabby musste mit Miss Cumberland oder der jeweiligen Erzieherin, die den Frühdienst abdeckte, in der Küche den Teewagen herrichten. Doch heute war alles anderes. Klar. Mia war ja auch schon da. Und das Geschrei kam eindeutig von Mia. Tali seufzte kurz auf, was war denn jetzt schon wieder los. Schnell drückte sie ihrer Mama einen dicken Schmatzer auf den Mund und umarmte sie kurz. „Bis später Mummy“
Leah strich ihrer Tochter über die Wange. „Viel Spaß und Viel Glück“ Sie zwinkerte ihrer Tochter zum Abschied zu.


Kapitel 16 „Das schmerzende Ablenkmanöver“


„Aaaaaaaah, ich krieg eine Rießen-Beule. Aaaaaaaaaah“ Mia gab alles und hielt sich mit beiden Händen den Kopf. Verzweifelt presste sie die Augen aufeinander um es irgendwie zu schaffen, ein kleines Tränchen herauszudrücken. „Aua, aua……..“ Zuvor hatte sie eine Puppe aus der Spielecke mit voller Wucht auf die Fensterbank geschlagen um das Geräusch auch möglichst lebensecht klingen zu lassen. Ihrer eigenen Puppe hätte sie das allerdings nie im Leben angetan und eigentlich tat ihr auch die andere Puppe leid. Schließlich war sie neu, als Ersatz für die Puppe, die vor ein paar Wochen Mopps zum Opfer gefallen war. Aber sie musste Opfer bringen, Miss Cumberland ließ sich schwer ablenken, gerade wenn noch so wenige Kinder da waren. Und die Puppe hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Mit dem Schlag setzte Milena mit ihrem Schrei ein und sofort tauchte die erschrocken Miss Cumberland neben ihr auf und hob das Mädchen hoch.
„Ich brauch einen Eisbeutel. Aaaaaaaah….“ jammerte Milena weiter und schluchzte in den Armen der Erzieherin. Mia drehte ihren Kopf von ihr weg, damit diese nicht das aufblitzende Grinsen im Gesicht des Kindes erkennen konnte.
Miss Cumberland eilte, mit der schreienden Mia bepackt, in die Küche zu den Gefrierschränken, fischte einen Kühlbeutel heraus und legte ihn auf die imaginäre Beule.
„Gleich tut es nicht mehr weh, Mia.“ Na prima, dachte sie sich. Hoffentlich kommt Mia nicht häufiger in den Frühdienst. Denn eigentlich genoss sie am Morgen sehr die Ruhe, doch mit Mia rückte genau diese Ruhe in weite Ferne.

Diggs hatte die Unfall-Szene von Milena mit einem Grinsen verfolgt und genau in dem Moment, in dem Miss Cumberland mit Mia den Raum verlassen hatte, setzte er seinen Plan in die Tat um. Ohne sich nochmals umzusehen, öffnete er die Terrassentür des Gruppenraumes und schlüpfte hinaus. Operation Osterhase startete. In seiner Hosentasche steckte das Fernglas, welches er vor 5 Minuten von Sabby erhalten hatte.

Auch in Taljahs Gesicht zeigte sich ein Grinsen. Auch wenn sie zunächst von einer ernsthaften Verletzung Milenas ausgehen musste, dieser Unfall kam ihr heute wie gerufen und innerlich jubelte sie. Statt in die Gruppe zu gehen oder Miss Cumberland zu folgen, schlich sie in den Bastelraum. Leise schloss sie die Tür hinter sich und atmete tief ein. Mission Osterhase startete. Auf Zehenspitzen schritt sie zu dem Schrank mit den privaten Fächern und freudig erregt öffnete sie ihre Schublade. Stolz entnahm sie das Osterkörbchen für Spanky. Kritisch begutachtete sie nochmals ihr Werk. Die Eier waren ihr wirklich geglückt, auch das Körbchen. Sie war stolz auf ihr handwerkliches Geschick und hoffte jetzt nur, dass Spanky auch seinen Namen erkennen würde. Kurz entschlossen ging sie mit der Bastelei zum Maltisch und malte neben den Namen noch ein dickes Strichmännchen. Jetzt war es eindeutig. Entschlossen ging sie zur Terrassentür des Raumes, öffnete diese einen winzigen Spalt und schlüpfte hinaus.


Kapitel 17 „Der große Diggs“


Problemlos kletterte Diggs auf den Baum. Er war absolut überzeugt, dass kein Baum auf der ganzen Welt ihm das Wasser reichen konnte, kein Ast konnte für ihn zu hoch sein, kein Zweig zu weit. Triumphierend über die Leichtigkeit seiner Kletterpartie setzte er sich auf einen, durch die Frühlingsblüten gut geschützten Ast. Jetzt war warten angesagt und er hoffte, dass Mia ihre Arbeit drinnen gut machte und sein Fehlen in der Gruppe somit nicht weiter auffiel.
Kurze Zeit später waren Schritte zu hören und Diggs griff sofort zum Fernglas, das mittlerweile sicher um seinen Hals baumelte. Aufmerksam suchte er die Umgebung ab, doch es war nichts zu sehen. Instinktiv hielt er für einen kurzen Moment die Luft an und lauschte in die Stille. Da war es wieder DAS Geräusch, knackende Ästchen, raschelnde Blätter. Er fluchte innerlich, von hier oben hatte er einfach keine Chance. Auch wenn die Blüten am Baum seiner Person Schutz boten, sie verhinderten leider auch seine freie Sicht nach unten und somit auf den Osterhasen. Er musste näher ran ans Geschehen und so beschloss er vorsichtig wieder nach unten zu klettern.

Taljah blieb abrupt stehen, was war das für ein Geräusch gewesen. Unsicher blickte sie sich im Garten um, doch niemand war zu sehen.*Ich höre schon den Osterhasen*, versuchte sie sich innerlich zu beruhigen und atmete ruhig ein und aus, nachdem sie für eine kurze Zeit den Atem angehalten hatte. Vorsichtig ging sie weiter durch das Gestrüpp. Sie war auf der Suche nach dem passendsten Versteck. Nachdenklich fuhr sie mit der Zunge über ihre Lippen. Spanky saß gerne auf dem kleinen Hügel in der Ecke des Gartens hinter dem rießigen Holunderblütenstrauch, meistens alleine und mampfte dort seine mitgebrachten Süßigkeiten. Und genau dieser Ort sollte Taljahs Ziel sein. Das Mädchen grinste, dort konnte sie auch sicher sein, dass Spanky ihr Geschenk schnell finden würde, bevor Mia es entdeckte.

„Aaaaaaaah“ Taljah konnte sich einen kurzen schrillen Schrei nicht verkneifen, als neben ihr etwas Großes und scheinbar Lebendiges auf den Boden plumpste. Sie griff an ihre kleine Kinderbrust und hätte beinahe das Körbchen für Spanky fallen lassen. „Oh mein Gott.“, verschreckt blickte sie zu der Gestalt hinunter und brauchte einen Moment bis sie diese als Diggs identifizieren konnte.
„DU?“ kam es gleichzeitig aus den Mündern der beiden Kinder.
Diggs kratzte sich verwirrt am Kopf, mit seinem Sturz vom Baum hatte er so gar nicht gerechnet. Es war ihm ganz schön peinlich. Er versuchte seine Lage zu verbessern und blickte verschmitzt Taljah an. „Alles Gute kommt von OBEN“
Das Mädchen rümpfte die Nase. „Von mir aus auch von unten. Aber kannst du mir sagen, was genau du auf dem Baum suchst?“ Sie hielt dem Jungen die Hand hin und half ihm beim Aufstehen.
Diggs musterte das Mädchen, nachdem er in voller Größe wieder auf seinen Beinen stand und konterte. „Darf ich zunächst erfahren, was genau DU im Garten zu suchen hast?“
Verlegen biss der Lockenkopf sich auf die Unterlippe. Jetzt musste sie wohl oder übel Farbe bekennen. „Ähm, ich……. ich….. ich.“
„Heute noch, Tali, ich hab nicht ewig Zeit.“
*Spiel hier nicht immer den Boss* zischte Tali ihn in Gedanken an, aus ihrem Mund kam aber nur ein zögerliches: „Ja“
Als sie immer noch nicht weitersprach, schubste Diggs sie gegen die Schulter. „Ich warte.“
„Ich wollte Spanky aufheitern. Er hat gestern so traurig ausgesehen und da wollte ich ihm eine Freude machen, weil …… weil ich hab ihn doch gestern gegen das Bein getreten und jetzt dachte ich ….“
Diggs grinste. „Du wolltest dich entschuldigen.“
„Aber du sagst immer, man soll sich nicht entschuldigen, weil….“ Verwirrt nahm sie hin, dass Diggs ihr einen Arm um die Schulter legte.
„Ich glaub bei Spanky können wir ne Ausnahme machen.“
Tali nickte und gemeinsam schlichen sie zum Hügel, um das Körbchen hinter dem Strauch zu verstecken. Tali trat schon wieder hinter dem Holunderblütenstrauch hervor als sie mit einem Ruck von Diggs zurück gezogen wurde.
„Heee, was soll das?“ zischte sie den Jungen an.
„Psst.“ Mehr sagte Diggs nicht und legte sich flach auf den Boden. Vor die Augen hielt er das Fernglas und wie versteinert blickte er hindurch.
„Du Diggs, es gibt gar keinen Osterhasen.“ Nach kurzem Überlegen fasste das Mädchen den Entschluss Diggs die Wahrheit zu erzählen. „Der Osterhase ist eine Erfindung der Erwachsenen, um Kindern eine Freude….“
„Tali“ zischte Diggs. „Das weiß ich doch längst.“ ER, der große Diggs war so langsam auch von der Tatsache überzeugt bezüglich des Osterhasengeschichte einem gründlichen Irrtum zu unterliegen. Aber DAS würde er NIEMALS zugeben. NIE. Er winkte Taljah zu sich und drückte ihr das Fernglas in die Hand. „Da schau“ er zeigte mit dem Finger in eine Richtung. „Siehst du den Vogel? Ein äußerst seltenes Exemplar.“
„Ich seh keinen Vogel.“ flüsterte Taljah zurück und Diggs nahm freudig hin, dass er die kleine Israelin perfekt getäuscht hatte. Schließlich hatte er tatsächlich nach dem Osterhasen Ausschau gehalten. Er grinste über beide Ohren.
„Oh, dann ist er wohl weggeflogen.“ sagte er mit großer Enttäuschung in seiner Stimme.


Kapitel 18 „Das große Geheimnis“


Die Beiden rannten durch den Garten in Richtung der Terrassentür, durch die Taljah nach draußen geschlüpft war. Doch diese Tür war ins Schloss gefallen und war dummerweise nur von innen zu öffnen.
„Großer Mist.“ flüsterte Taljah und sah zu Diggs, der jedoch auch nur ratlos dreinblickte.
„Wir müssen Mia oder Sabby auf uns aufmerksam machen.“ sagte er zweifelnd und wollte bereits eine Tür weitergehen.
„He“ rief Taljah. „Oder….“ Sie kramte in der Hosentasche, während Diggs zu ihr zurückkam und sie fragend musterte. „….oder….oder wir nehmen die Büroklammer.“ Grinsend hielt sie das Metallgebiege in die Höhe. Ohne ein weiteres Wort begann sie im Schloss herumzustochern. Irgendwie musste das doch gehen. Diggs blickte ihr gespannt über die Schulter und fieberte beinahe mit.
Irgendwann gab es Taljah gefrustet auf und rümpfte die Nase.
„Bestimmt ein Sicherheitsschloss, Tali.“ Murmelte er, als er das traurige Gesicht des Mädchens sah. „ Lass uns außen rum gehen, vielleicht ist die Tür zur Küche schon offen.“
„Dann müssen wir aber am Fenster von Miss Cumberland vorbei.“ erhob Tali Einspruch, folgte dann aber dem Jungen bereitwillig.
Diggs warf einen vorsichtigen Blick in den Gruppenraum, der sich mittlerweile etwas gefüllt hatte. Mia saß noch immer auf dem Schoß der Erzieherin und hielt sich den Eisbeutel gegen den Kopf. Natürlich hatte sie die ganze Zeit den Teil des Gartens, den sie von hier aus sehen konnte, im Blick. Schließlich wollte sie nichts verpassen. Und selbstverständlich bemerkte sie auch Diggs, der kurz durch das Fenster spähte und dann sofort den Kopf wieder einzog. Sie war dran.
„Miss Cumberland“ kam es geknickt von der Kleinen. „Ich hab ganz dolle Durst. Gibst du mir was zum Trinken.“ Gekonnt spielte Mia ihre Rolle weiter, als die Erzieherin aufstand und mit ihr zu den Getränken am hinteren Tisch ging, das Kind dort absetzte und ihr Tee in den Becher goss.
Um von Miss Cumberland nicht entdeckt zu werden, krabbelten sie über den Boden. Mitten durchs Blumenbeet, aber es gab nun mal keinen anderen Weg. Taljah musste kurz an die Stuhlkreisszene zurückdenken, als sie als Schildkröte im Kreis rumkriechen musste. Das hier war doch viel aufregender. Nach wenigen Metern hatten sie es geschafft, schnell standen sie auf und flitzten los. Taljah war schnell, doch Gibbs war noch viel schneller und sie hatte Mühe mitzuhalten. Kurz vor der Hausecke warf er ein Blick über die Schulter, drosselte ein wenig das Tempo, damit Tali aufschließen konnte und gemeinsam bogen sie um die Ecke und ……

….gerade als Diggs die Tür öffnen wollte, hielt ihn Tali zurück. „Vielleicht sollten wir das mit der Osterhasen-Geschichte besser für uns behalten. Mia wäre entsetzt, wenn es wirklich Mr. Bob wäre, der die Ostereier versteckt. In ihrer kindlichen Fantasie glaubt sie eben noch an die Erwachsenen-Erfindungen.“
Diggs zog eine Augenbraue nach oben und blickte in Taljahs leuchtend braune Augen. Er schien zu überlegen. Sollte er seinen Bandenmitgliedern tatsächlich die Wahrheit verschweigen. Sabby wäre vermutlich total enttäuscht, auch wenn sie es nicht zugeben würde, sie hoffte so sehr, dass es den Osterhasen doch gab. Tommy war es sicherlich egal, er war dafür einfach zu strukturiert. Rocky, nun gut, dem konnte er es später immer noch erzählen. Und Mia…..
„Stell dir nur das Gejammer vor und die Tränen und…..“ Tali konnte ihren Satz nicht zu Ende bringen.
Gibbs fasste Taljah abrupt an den Schultern. „Du hast recht – DAS geht gar nicht.“
Wissend blickten sie sich in die Augen. „Dann haben wir ab sofort ein gemeinsames GEHEIMNIS?“
Diggs huschte in die Küche, sah sich um und erst als er ganz sicher war, dass die Luft rein war, öffnete er die Tür noch ein Stückchen weiter und winkte Tali herein.
„Wie überzeugen wir Mia?“ flüsterte Tali besorgt, schließlich wollte ihre Freundin sicherlich gleich Ergebnisse von der Baumkletter-Aktion hören.
„Das lass mal meine Sorge sein.“ Grinste Diggs und verschwand ohne ein weiteres Wort. Tali hob die Schultern, mopste sich eine kleine Erdbeere aus dem Vorratsregal und steckte sie genüsslich in den Mund. Diggs würde sich sicher etwas einfallen lassen, hoffentlich. Sie rümpfte die Nase und schlich langsam in die Garderobe, zog ihre Hausschuhe an und ging frohgelaunt in die Gruppe.

Miss Cumberland sah auf die Uhr, es war Zeit für den Begrüßungskreis. Sie ließ ihren Blick durch die Gruppe schweifen, fast alle Kinder waren bereits da. Es fehlte niemand. Oder doch, wo war eigentlich Diggs, ihn hatte sie schon längere Zeit nicht mehr gesehen. Gerade legte sie die Stirn in Falten, als sich die Tür des Gruppenraumes öffnete und ein lächelnder Diggs den Raum betrat. Beruhigt griff die Erzieherin zum Gong, das Zeichen für die Kinder sich in den Stuhlkreis zu setzen.
Mia rutschte nervös auf ihrem Hosenboden herum und suchte immer wieder den Blickkontakt zu Diggs, doch dessen Mine war wie versteinert und zeigte ihr keinerlei Ergebnisse. Wohl oder übel musste sie bis später warten. Aber sie war doch so neugierig.
„Hast du Bienen im Hintern?“ zischte Taljah, die neben ihr saß.
„Hummeln. Tali. Es heißt Hummeln im Hintern haben. Und ich ….“ Mia verstummte als sie den tadelnden Blick der Erzieherin bemerkte und presste die Lippen aufeinander.
Gerade wollte Miss Cumberland mit den Kindern besprechen, was heute im Kindergarten geplant sei, als es laut an der Tür klopfte und kurz darauf Mr. Bob den Kopf hereinstreckte.
„Mr. Bob.“ Die Erzieherin lächelte ihm entgegen. „Was kann ich für Sie tun?“
„Sie können eigentlich nichts für mich tun, Miss. Aber ich hätte ein kurzes Anliegen an die Kinder.“ Er kam näher und trat in die Mitte des Kreises. „Eigentlich hätte ich nur eine kleine Bitte.“ Der Gärtner drehte sich einmal im Kreis und schaute jedes Kind einzeln an.
Bildete Taljah sich das ein, oder hatte er Diggs ganz kurz angelächelt.
„Leider muss ich seit Tagen feststellen, dass der Hasenstall wohl ständig offen gelassen wird. Jeden Morgen muss ich Schnuffel im Garten einfangen. Puh, und der ist richtig schnell, der kann meterweit springen.“ Er sah Miss Cumberland an. „Vielleicht könnten die Kinder besser darauf achten, den Hasenstall richtig zu verschließen.“
Jetzt begriff Taljah die Situation und nickte Diggs zufrieden zu, der warf ihr ein Petzauge entgegen und grinste bis über beide Ohren.
Mia hatte den Mund offen stehen und lauschte gespannt den Worten von Mr. Bob. Also doch, es gab den Osterhasen und Hasen können wohl ganz weit springen, deshalb haben sie keine Fußspuren gefunden. Klar. Das sie da nicht selbst dran gedacht hatte. Innerlich jubelte sie und triumphierend zupfte sie an Talis Ärmel. „Siehst du, ich hatte recht. Es gibt ihn doch.“
„Jaaaaa“ antwortete diese genervt und verdrehte die Augen. Sie zog die Augenbrauen zusammen und sah böse zu Diggs. Was war eigentlich die bessere Alternative - genervt vom Gejammer oder genervt von einer rechthaberischen Mia. In diesem Moment bemerkte sie das Strahlen ins Sabbys Gesicht und alleine dafür würde sie ein Opfer bringen und die Besserwisserei von Milena tapfer ertragen.


Einen Tag später "Das geköpfte Osterlamm"



„Milena DiNozzo“ dröhnte es über den Flur des Kindergartens. Miss Cumberland war dunkelrot angelaufen, die Augen hatte sie zu kleinen Schlitzen zusammengezogen. „MIA“ Wütend stampfte die Erzieherin mit dem Fuß auf den Boden. Dieses Mädel war zum Haare raufen. Eigentlich hatte sich die Frau auf einen schönen Tag gefreut, eine gemütliche kleine Osterfeier mit Nestern suchen. Sie wollte den Kindern die neue Ostergeschichte vorlesen, die sie vor ein paar Tagen in der Bücherei entdeckt hatte. Gestern war sie nach Feierabend extra noch länger im Kindergarten geblieben um für die Kinder ein Osterlamm zu backen. Sie hatte es sogar mit Schokolade überzogen. „MILENA“ schrie sie erneut. „Schaff deinen kleinen Hintern hierher.“

Mia zuckte bereits beim ersten Schrei ihres Namens zusammen und blickte erschrocken zu ihrer Freundin Taljah, mit der sie gemeinsam auf dem Bauteppich saß und rumalberte. Bis zu diesem Zeitpunkt war Mia davon überzeugt, heute einen rießen Glückstag zu haben. Er hatte so gut angefangen. Jetzt saß sie vollkommen erstarrt auf dem Boden.

„Was hast du denn angestellt?“ flüsterte Taljah ihr zu. Und nach dem sie den zweiten Ruf von Miss Cumberland hörte, schluckte sie schwer. „Egal was, Miss Cumberland scheint ziemlich wütend zu sein.“

Mia hob die Schultern und in ihrem Gesicht sah man, wie ihre Gedanken kreisten. „Nix hab ich gemacht.“ Sie rümpfte die Nase und krabbelte zur Eingangstür, vorsichtig lugte sie um die Ecke. Nach dem dritten Schrei von Miss Cumberland sah sie keinen Ausweg mehr. Sie warf noch einen kurzen Blick über die Schulter zu Taljah, die verunsichert auf ihrer Lippe kaute. Dann ging sie den schweren Weg, durch die Garderobe, vorbei am Gruppenraum der blauen Gruppe, bis hin zum Frühstücksraum. Die Erzieherin hatte das Mädchen bereits entdeckt und mit jedem Schritt den Mia näher kam, schnaubte sie aus.

„Milena“ Die Erzieherin riss sich innerlich am Riemen, um das Kind nicht anzuschreien. „Kann es sein, dass du heute bereits im Frühstücksraum gewesen bist?“

„Ich,…..ich…….“ Mia suchte verzweifelt nach einer Ausrede. Als sie den Ort des wütenden Aufschreis bemerkt hatte, wusste sie sofort worum es ging.

„Keine Ausreden, Milena“ zischte Miss Cumberland. „Oder kannst du mir sonst deinen Schokoladenverschmierten Mund erklären.“ Du kleiner Vielfraß, fügte sie in Gedanken hinzu.

„Es,…..es…..“ Mia stammelte vor Verzweiflung. „tutmirleid“ kam es schnell und leise über ihre Lippen. Nervös spielte sie dabei mit ihren Händen.

„Warum, Mia. Sag mir warum. Ich habe mir so viel Arbeit gemacht und jetzt ist das Osterlamm nur noch ein Krümelhaufen.“ Die Enttäuschung in der Stimmer der Frau war deutlich zu hören.

Doch auf Mias Gesicht machte sich ein riesiges Grinsen breit. „Aber ich wollte heute in deiner Vorschule doch die Beste sein.“ sagte sie besserwisserisch. „Und ich brauch nun mal zum Denken SCHOKOLADE.“

„DAS ist kein Grund das Osterlamm zu schlachten.“ Vor Wut stiegen Miss Cumberland die Tränen in die Augen.

„Ich hab das Osterlamm nicht geschlachtet. NEIN. Ich habe nur die Glasur abgeschleckt. E H R L I C H, Miss Cumberland.“ Jetzt war auch Mia den Tränen nah. „Da will mir jemand was anhängen.“

Taljah und Diggs haben sich heimlich angeschlichen, um Mias Standpauke mit anzuhören. Gegen einen kleinen Denkzettel ihrer Freundin hatten sie nichts einzuwenden. Doch bei dem, was sie soeben gehört hatten, warfen sie sich einen betroffenen Blick zu. Ja, Mia war Schokoladenabhängig, aber in der Regel sagte sie auch die Wahrheit und wenn sie sagte, sie sei es nicht gewesen, dann war sie es auch nicht.

Mia musste der Erzieherin, die ihr keinen Glauben schenkte folgen. Taljah presste die Lippen aufeinander, vermutlich musste ihre Freundin jetzt irgendeine Förderaufgabe erledigen und war damit die nächste Stunde beschäftigt.

„Ruf Ducky“ flüsterte Diggs. „Und Sabby und Tommy. Wir müssen Mia entlasten, sonst hat sie es bei Miss Cumberland ganz schön versch…“ Er rümpfte die Nase, das Wort war verboten. Statt weiter zu sprechen, betrat er den Frühstücksraum. Taljah machte sich sofort auf den Weg. In Gedanken war sie bei Mia, ihr trauriger Blick brannte ihr in der Seele. Sie konnte es einfach nicht gut ertragen, wenn es der nervigen, vorlauten Göre schlecht ging, wirklich schlecht ging.

Wenige Minuten später stand Rocky am Tatort. „Mmh, mit Sicherheit kann ich zunächst nur sagen, dass das Lamm geköpft wurde.“ Er hatte sich aus dem Waschraum ein paar Gummihandschuhe entliehen und hielt nun vorsichtig den Kopf in die Höhe. „Ein ganz glatter Schnitt, vermutlich von einem großen Messer.“

„Vermutlich dieses hier?“ Tommy hielt das Messer, das auf dem Teewagen in der Ecke gelegen hatte, seinen Freunden entgegen.

Diggs nickte. „Vermutlich….. Leg das besser wieder hin, Tommy, das ist gefährlich.“ Fügte er vorsichtshalber noch hinzu und trat zu Sabby, die mit ihrer Lupe über den Boden kroch.

„Viele kleine Krümel, Diggi. Viele kleine Krümel, viele kleine Krümel, viele ….“ murmelte sie unverständlich und krabbelte immer weiter. Plötzlich hielt sie inne. „Der Täter muss den Raum verlassen haben, die Spur führt……… hier entlang.“

Diggs und Taljah folgten Sabby, deren Rattenschwänze hin und her wippten, während sie von Krümel zu Krümel weiterrutschte. Rocky tauchte hinter ihnen auf und tippte Diggs auf die Schulter. „Ich habe das Lamm so gut es ging wieder zusammengesetzt. Das erinnert mich im Übrigen an das letzte Weihnachtsfest, als….“

„Keine Zeit, Rocky.“ Grummelte Diggs nur und blieb stehen. „Ergebnis?“

Rocky stöhnte, immer musste sein Freund ihn unterbrechen. „Es fehlt ein Stück, ungefähr so groß.“ Dabei hielt er Zeigefinger und Daumen etwa 3 Zentimeter auseinander.

„Diggs.“ Mischte sich Tommy ein, der ihnen mittlerweile ebenfalls gefolgt ist. „Ich war gerade bei Mia. Sie hat wirklich nur einen Schokomund und Schokohände. Keine Krümel zu finden.“

„Natürlich nicht.“ Stieß Taljah ihm als Antwort entgegen. „Zweifelst du etwa daran, dass Mia die Wahrheit sagt?“

„Nein, ….natürlich nicht.“ Sagte Tommy weinerlich, das Taljah so böse mit ihm redete, war ihm neu.

Diggs klopfte ihm auf die Schulter. „Gut gemacht, Tommy.“ Und zu Taljah gewandt, sprach er weiter: „Es ist immer gut, Dinge ausschließen zu können.“

„Wie geht es Mia?“ flüsterte Taljah nun etwas gedämpfter.

„Sie ist tapfer. Sie hat schon ein Viertel des Blumenpuzzles geschafft. Ich konnte aber nicht lange mit ihr reden. Miss Cumberland bewacht sie wie ein großer Schäferhund.“

„Jajajajajajaja.“ Erklang die Stimme von Sabby, die unbeachtet des Gesprächs weiter gekrabbelt war und nun in der Tür zur Bücherei stand. „Diggi,Diggi,Diggiman.“ Sie warf einen Blick über ihre Schulter und wies dann mit dem Zeigefinger in die Ecke. Die anderen kamen herbeigeeilt und starrten ins Zimmer. Auf dem kleinen Sofa saß Spanky, genüsslich vor sich hin kauend, die Backen voll.

Diggs rollte mit den Augen. „Na klar. Wer sonst.“ Sprach er mehr zu sich, als zu den anderen.

Spanky schluckte schwer. Gerade hatte er sich das letzte Stück Kuchen in den Mund geschoben als Sabby quietschend in der Tür stand und nach Diggi schrie. Vorsichtig tastete er an sein linkes Ohr. Nicht schon wieder, er hatte doch gar nichts getan. Nur ein Stück Kuchen gemopst.

„Warum?“ Taljah ging auf den kräftigen Jungen zu. Am liebsten wäre sie ihm an den Hals gesprungen. „Wieso tust du dass Mia an?“

Verständnislos blickte Spanky in die Runde. Er sah keinen Sinn in Taljahs Frage. Als Diggs neben dem Mädchen auftauchte, zuckte er kurz zusammen.

„Warum hast du das Osterlamm geköpft?“ fauchte Diggs.

„Weil,….weil…..“ Spanky begann zu weinen. „Ich hab vorhin ein Osternest ……“ er schniefte. „…hinter dem Holunderblütenstrauch gefunden und in das Ei…….“ Spanky bemerkte nicht das Runzeln auf Taljahs Gesicht. „….ich hab in das Ei gebissen und ein Stückchen gegessen….“ Er schüttelte sich. „ …bäh, es war aus Knete …. Und dann hatte ich so einen üblen Geschmack im Mund, da hab…… da hab ich ein Stück Kuchen gebraucht, um den los zu werden.“

Diggs und Taljah begannen hemmungslos zu lachen. Taljah hielt sich bereits den Bauch, als sie versuchte die Worte aus ihrem Mund zu pressen. „Ich glaube wir haben Mias Unschuld bewiesen.“




-The End-

 


Die Kindergarten-Agents wünschen allen ein
FROHES OSTERFEST
und freuen sich auf ein baldiges Wiedersehen.