DAS TREFFEN DER GENERATIONEN


 

„Tschau, Mommy?“, rief Milena über die Schulter zu und eilte auf die Kindergarteneingangstür zu.  

 

„Warum hast du es denn so eilig?“, hörte sie da eine Stimme von der Seite.

 

„Tali, du bist schon da? Ich dachte ich könnte heute mal die erste sein.“

 

„Da musst du schon früher aufstehen“, erwiderte die kleine Israeli lächelnd, während sie ihrer Freundin zusah die sich mit ihren neuen Chucks abquälte. „Hilf mir doch mal, der Reißverschluss klemmt und ich bekomm den Arm immer noch nicht so richtig gedreht“, jammerte sie herum.

 

Taljah seufzte, lies sich dann aber doch auf die Knie nieder, um ihrer Freundin aus den Schuhen zu helfen. Seit zwei Wochen war Mia von ihrem Abenteuer in Israel zurück und seit ungefähr einer Woche war sie den Gipsarm los, doch das Gelenk war noch steif und unbeweglich. Aber das schlimmste war, dass Mia das heillos ausnutzte und häufiger mal bei ihren Freunden auf die Mitleidstour machte. Aber heute Morgen schienen Ihre Sorgen echt zu sein, denn auch Tali hatte mit dem verklemmten Reißverschluss ihre Mühe.

 

„Schaffst du es nicht?“, fragte Mia und linste nach unten.

 

„Doch doch, zur Not nehme ich einfach eine Büroklammer und reiß…:“

 

Mia machte einen Schritt nach hinten. „Taliiiiiii, die sind NEU!“, sagte sie aufgebracht.

 

Doch der Ruck hatte gereicht und den Reißverschluss entwirrt. Schnell zog Mia ihre Lillifee Pantoffeln an und stellte die neuen Turnschuh ins Regal, dann schnappte sie sich mit der einen Hand ihren Rucksack und mit der anderen Taljah und düste an den anderen Kinder vorbei in die Malecke in dem sich die Freunde jeden Morgen vor dem Frühstück trafen.

 

Tommy war wie immer mit seinen Kindercomputer beschäftigt und bekam sein Umfeld gar nicht mit. Er ordnete gerade auf dem kleinen Bildschirm die Farben zu einigen Formen. Sabby hüpfte ihr strahlend entgegen. In ihrer Hand die Trinkflasche mit ihrem Multivitaminsaft.

 

„Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein, Mia dubistschonda?“

 

„Warum fragt mich eigentlich jeder heute Morgen dasselbe? Ich bin doch immer pünktlich. Ich weiß jetzt gar nicht….“, doch weiter kam sie nicht, weil ihr Kopf leicht nach vorne geschupst wurde. „Auuuuaaaa, was..“

 

„Du bist also immer pünktlich? Und was war gestern? Und vorgestern?“, für Diggs war das Gespräch damit beendet und er widmete sich wieder Rocky zu, mit dem er sich gerade über einen Bericht aus der letzten Sesamstrasse unterhielt.

 

„Mein Gott, führt hier einer eine Liste?“, erwiderte sie beleidigt, mit rollenden Augen. „Aber ist jetzt ja auch egal, ich hab euch was mitgebracht. Das sollt ihr euren Mamas geben.“ Sie öffnete ihren Rucksack und zog ein paar Umschläge hervor. Freudestrahlend reichte sie jedem eine Karte.

 

„Was ist das?“, fragte Tali und öffnete den Umschlag um die Karte heraus zu ziehen.

 

„Eine Einladung zu meinem Geburtstag“, sagte ihre Freundin mit einem Grinsen. „Ich werde doch am Samstag fünf Jahre alt und das wollen wir GROSS feiern, bei meinem Onkel im Garten, und ihr müsst alle kommen.“

 

„Hast du die selbst gemacht?“, hörte Mia da Sabby fragen, die die Karte gerade genauestens unter die Lupe nahm und sich das ausgemalte Einhorn ansah.

 

„Ja mit meinem Daddy zusammen am Computer“, teile sie ihr stolz mit.

 

„Und was steht da drauf?“, kam es von Tali.

 

„Na Einladung, du Dummchen“, sagte Mia und rollte mit den Augen.

„Selber Dummchen“, pfefferte Taljah zurück und ihre Augen blitzen verdächtig auf.

„Na das sagt die Richtige. Du kannst ja noch nicht mal…..Auuuaaa, nicht schon wieder“, sagte Mia jammernd, denn schon wieder hatte sie von Diggs eine Kopfnuss bekommen.

 

„Nicht streiten Mädchen. Verstanden?“ Er wartete keine Antwort ab, sondern sprach einfach weiter. „Wir werden kommen“, und mit einem strengen Blick in die Runde fügte er hinzu. „Alle.“

 

„Oh gut, also ich habe da noch folgende Wünsche auf meiner Geburtstagswunschliste...........................“, Taljah warf Diggs und den anderen einen genervten Blick zu und wie auf Kommando drehten sie sich alle um, um zum Frühstückstisch zu gehen.

 

„Hey!“, hörten sie Mia hinter sich her rufen. „Ich war noch gar nicht fertig.“

 

~~~***~~~


Ziva stand in Gibbs Garten und bereitete den Geburtstagstisch zu. Gibbs, seine Freundin, sowie Abby und Tim, hatten den Garten mit der Hilfe des restlichen Teams zu einem Kinderspielparadies umgearbeitet. Es war der jungen Frau ein Rätsel wo sie die ganzen Dinge aufgetrieben hatten, aber auf der Wiese gab es jetzt einen Sandkasten und davor war ein Kinderzelt in bunten Farben aufgebaut. Aber das Highlight bildete ein halb fertig gebautes Boot aus Gibbs Keller. Dies sollte als Klettergerüst dienen und er hatte an dem Gerippe eine Schaukel und eine Rutsche befestigt. Als Ziva ihn gefragt hatte, warum er sein geliebtes Boot für die Kinder hergab, hatte er nur mit den Schultern gezuckt und ihr gesagt, dass er im Keller schon ein neues angefangen habe und dass dieses falsch war. So stand die *Jenny* jetzt im Garten und würde den Kindern herrlichen Spaß bereiten.

Auf der Terrasse standen ein paar Gartenmöbel um den Erwachsenen auch eine schöne Fete zu garantieren. Zivas Mutter war eigens aus Israel angereist und unterhielt sich gerade mit Tonys Vater über die Weltausstellung in Shanghai, als es wieder an der Tür schellte.

 

„Ich geh schon“, rief Ziva und eilte zur Tür. Es wurde ja auch langsam Zeit das Tony, Tim und Milena vom Kino kamen. Wenn das so weiterging, war ihr Besuch schneller als die Drei, die sie zu Mias Ablenkung ins Kino geschickt hatten. Zum einen konnten sie so in Ruhe Mias Geburtstagstisch aufbauen und zum anderen stand ihnen Tony mit seinen Krücken nicht im Weg herum. Die junge Frau war schon ganz gespannt, was ihre kleine Ziehtochter zu dem Garten sagen würde. Voller Vorfreude zog sie die Tür auf und blickte leicht verwirrt auf eine völlig übernächtigt aussehende Frau mit einem kleinen Mädchen an der Hand.

 

„Hallo, ich weiß wir sind zu früh, aber darf ich Ihnen meine Tochter schon einmal vorbei bringen. Ich muss zum Arzt und mit ihr zusammen ist das unmöglich.“

 

Ziva nickte der Frau nur zu und fragte sich, was daran unmöglich war. Milena nahm sie immer mal wieder mit zum Arzt. Die Kleine setzte sich dann zu den Mädchen an der Annahme und unterhielt diese mit ihren Kindergarten Geschichten. Bisher hatte sie noch nie etwas Negatives gehört.

 

„Na, du musst also Sabby sein?“, fragte sie die Kleine und ließ sich auf ein Knie nieder, während sie der Frau hinterher sah, die wie als wäre sie auf der Flucht, das Haus wieder verließ.

„Ja,dasbinich,woistMia?“, fragte sie ohne Luft zu holen und hüpfte völlig überdreht von einem Bein auf das nächste, dabei hielt sie ihr Geschenk mit beiden Hände fest. Um ihren Hals baumelte eine Kindergartentrinkflasche und ihre Haare waren zu niedlichen Zöpfen geflochten.

 

„Sie ist noch nicht da, aber du kannst ja auf sie im Garten…“, weiter kam sie nicht, da die Kleine schon an ihr vorbei gestürzt war und den Geräuschen folgte. „….warten“, rief sie ihr dann verwirrt hinterher. Vielleicht konnte sie die Mutter doch verstehen, dachte sie kopfschüttelnd als es wieder an der Tür schellte. Vielleicht waren sie das ja jetzt. Doch nein, als sie die Tür öffnete standen Ducky und Palmer davor.

 

„Es tut mir leid meine Teure, das wir mal wieder zu spät kommen, aber der Verkehr ist mörderisch und auf der Lane Street hat es einen Unfall gegeben und Palmer hat sich auf der Umfahrung verfahren“, dabei warf er seinem Assistenten einen bösen Blick zu.

 

Ziva schenkte beiden Männern ein Lächeln. „Das macht gar nichts. Denn ihr seid eine Stunde zu früh. Wir hatten 16 Uhr gesagt, aber geht doch schon einmal in den Garten. Ich denke das Geburtstagskind wird auch gleich kommen.“

 

„Sehen Sie Doktor? Ich wusste es ja. Ich sagte doch wir sind zu früh“, meldete sich nun Palmer zu Wort.

 

Unterdessen kam Sabby im Garten an, blieb abrupt stehen und blickte sich um. Nervös, weil sie niemanden kannte, zupfte sie an ihrem schwarzen Kleidchen. Als sie die Blicke der Erwachsenen auf sich spürte, zog sie gespielt die Augenbrauen zusammen und drehte sich einmal im Kreis.

 

„Um das klarzustellen….“ sagte sie schnippisch in die Richtung der Leute, die sie nun anlächelten. „….dieses blöde Outfit war nicht meine Idee.“

 

Gibbs räusperte sich und lachte dem Kind entgegen. „Ich finds gut“

 

Durch Sabbys Gesicht ging ein riesen Lächeln. „Ja niedlich, oder?“ Erneut drehte sie sich im Kreis und achtete dabei darauf, ihren Rock gekonnte schweben zu lassen. Dann ließ sie sich kurzerhand auf die Knie fallen, richtete ihre Zöpfe und nuckelte an ihrer Trinkflasche. Für besondere Anlässe hatte sie eine extra schöne Trinkflasche, weiß mit vielen kleinen Totenköpfen darauf.

 

Ziva hörte Ducky und Palmer auf dem Weg durch das Haus weiter streiten. Doch lange Zeit zum Grübeln hatte sie nicht, denn es schellte nun im Minuten Takt. Ihre Schwägerin brachte Taljah, die ihrer Tante erst einmal um den Hals fiel und es sichtlich genoss, dass Milena noch unterwegs war. Dann kamen auch die drei eingeladenen Jungen nacheinander an und alle versammelten sich im Garten.

 

Als Ziva wenig später selber in den Garten kam, war in der Spielecke schon so einiges los. Das kleine Mädchen mit den Zöpfen besah sich gerade die schleimigen Schneckenspuren im Blumenbeet und veränderte immer wieder fasziniert ihre Haltung um das Glitzern der Spuren zu verändern.

Tommy hockte über seinem Kindercomputer, ohne den er wohl nicht das Haus verließ. Der kleine Junge namens Diggs saß ganz oben auf dem Boot, wie Kapitän Ahab aus Moby Dick und der letzte im Bunde stand bei Ducky und zeigte diesem sein Lupenglas, in dem sich ein dicker Wurm befand.

 

Tali saß im Sandkasten und blickte immer wieder vorsichtig zu Zivas Mutter. Schließlich war diese Frau die Mutter ihrer Tante, die Ehefrau ihres Großvaters, aber den kannte sie nur flüchtig. Deshalb wollte auch ihre Mama nicht auf der Fete bleiben und hatte sie nur kurz hier abgeliefert. Dabei sah die Frau eigentlich ganz nett aus.

 

Gibbs machte einen kleinen Rundgang durch seinen Garten. Er blickte Sabby über die Schulter, die jedoch noch immer vollkommen vertieft in die Schneckenspuren war, strich Taljah aufmunternd über den Lockenkopf und stellte sich dann zu Tommy, der kurz von seinem Kinder-PC aufblickte und bemerkte, wie Gibbs seinen Freund Diggs auf dem Boot beobachtete.

 

„Gehen Sie ihm lieber aus dem Weg“ murmelte Tommy leise.

 

„Was“ Verdutzt blickte Gibbs zu dem kleinen Jungen, der neben ihm auf dem Boden saß.

 

„Ähm, ich bin ihm schon ziemlich häufig begegnet, naja sagen wir mehrmals täglich, und er kann manchmal sehr schwierig sein.“ flüsterte er dem Mann geheimnisvoll zu, der sich mittlerweile in die Hocke begeben hatte um die Worte des Jungen besser zu verstehen.

 

„Und du bist der Ansicht, ich sei weniger schwierig.“ fragte Gibbs vor sich hin lächelnd.

 

Tommy schüttelte den Kopf. „Ich war nie dieser Ansicht, Sir.“

 

Gibbs strich dem Jungen über den Kopf. „Nenn mich nicht Sir.“

 

Der Junge rümpfte die Nase. „Doch Sir, meine Eltern haben einen Gentleman großgezogen, keinen unhöflichen Jungen.“ Er nickte ihm noch einmal kurz zu und konzentrierte sich dann wieder auf sein Spiel.

 

*******

 

„Wo bleibt denn Mia? Ich dachte das wäre ihr Geburtstag?“, kam es genervt von Zivas Nichte.

 

„Ich weiß es ja auch nicht. Aber sieh doch mal Tali. Findest du diese Spuren nicht auch merkwürdig? Sie führen vom Haus zum Boot. Aber wieso? Und wo fangen sie an?“ Aufgeregt zeigte sie auf die breiten Spuren. „Das sind eindeutig Schleifspuren“, teilte sie ihr mit einem wichtigtuerischen Nicken mit.

 

„Wenn du das sagst“, kam es gelangweilt zurück und Taljah wollte sich gerade wieder dem Sand widmen, als sie ihre Tante rufen hörte. „Nun sag schon Gibbs, wie hast du das Boot aus dem Keller und in den Garten bekommen?“ Die Antwort des Mannes ging im allgemeinen Gelächter unter, aber sie spürte wie die Erde neben ihr erbebte als sich Diggs von seinem Ausguck, zu ihr auf den Boden fallen ließ.

„Ja, das wäre doch einmal eine Untersuchung wert, oder? Was meint ihr?“, er warf dabei einen Blick in die Runde. „Aber erst müssen wir uns um Mia kümmern“, sagte er besserwisserisch und nickte zur Treppe, die in den Garten führte. „Sie ist da.“

 

Tali drehte sich um und sah ihre Freundin mit strahlendem Gesicht die Stufen herunter laufen, ihr Vater folgte ihr auf seinen Krücken langsamer.

 

„Ihr seid wirklich alle gekommen“, jauchzte sie ihnen entgegen.

 

„Hast du daran gezweifelt?“, fragte Tali mit einem Augenzwinkern und reichte Mia ihr Geschenk.

 

Mia bekam große Augen. Wow, mit diesem Geschenk hatte sie nicht gerechnet. Nicht von Tali. Glücklich fiel sie ihr um den Hals, nur um sich dann erschrocken wieder von ihr zu lösen.

 

„Autsch“ fluchte sie. „Ich weiß, du willst nicht umarmt werden, aber musst du mich jedes Mal mit deiner blöden Klammer pieksen. Taljaaaaah, ein bisschen Liebe ist normal.“ Doch ihr Ärger war schnell wieder verraucht und sie betrachtete die Barbie-DVD in ihrer Hand. Ihre Augen funkelten verträumt.

 

„Mensch Mia, das ist doch nur ein Film.“ Tali verdrehte die Augen, Mias Reaktion war ja so typisch.

 

„Das ist nur ein Film, hast du gesagt: DAS ist nur ein Film?“ Langsam und betonend schüttelte Mia den Kopf. „Tali, DAS ist nicht nur ein Film. Barbie ist ein Lebensgefühl, eine Traumwelt, ein….ach du verstehst es ja eh nicht.“ Sie bedachte ihre Freundin noch mit einem kurzen mitleidigen Lächeln und drehte sich dann zu Tom, der bereits neben Taljah darauf wartete, ihr zu gratulieren.

 

Mit freudig erregten Augen überreichte er ihr seine gebundene Bilderbuchgeschichte. Jedes einzelne Blatt hatte er in mühevoller Kleinarbeit mit seiner Mutter einlaminiert, gelocht und liebevoll auf ein rosa Geschenkband gefädelt.

 

„Auf der letzten Seite ist sogar eine persönlich Widmung. Meine Mama sagt, dass macht man so als Autor.“

 

Mia nahm das Buch dankend entgegen und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Tommy hatte wegen dieser Bilder ganz schön was einstecken müssen, Tali und sie hatten ihm übel mitgespielt.

 

Sabby hüpfte hinter ihren Freunden schon eine ganze Weile auf der Stelle und zog die belustigten Blicke der Großen auf sich.

 

„Ich bin dran, ich bin dran. ICH bin dran.“ Sie drängte sich an den anderen vorbei. „Ich hab zwei Sachen für dich“ sagte sie stolz und streckte Mia ein Bild entgegen. „Hier, ich habe dir eine Rose gemalt.“

 

Mia betrachtete das Bild und runzelte die Stirn. „Das ist ja schön, Sabby. Aber Rosen sind normalerweise rot, oder weiß oder ROSA“ Sie zwinkerte ihrer Freundin zu.

 

„Weiß ich doch“ grummelte Sabby. „Aber meine Filzstifte waren leer und nur noch der schwarze Kugelschreiber ist gegangen.“ Sie legte eine seltene Pause ein, während sie das zweite Geschenk noch hinter ihrem Rücken versteckte. Urplötzlich streckte sie ihren Arm aus und hielt ihr ein kleines Fläschchen unter die Nase. „Ich habe dir ein eigenes Parfüm gemixt. Mit Schokogeruch, Zimt und …“ Sie biss sich auf die Unterlippe. „….hab ich vergessen.“ Sie rümpfte die Nase. „Aber es riecht gut“

Lächelnd hüpfte das Mädel mit den Zöpfen davon und ließ Mia stehen.

 

Rocky saß neben Ducky auf der Gartenbank und trank gerade einen Schluck Pfefferminztee. Als er bemerkte, dass Mia seine Aufmerksamkeit wollte, hielt er seinen Tee dem älteren Mann entgegen.

„Wären Sie so freundlich, Doktor und mir kurz meine Teetasse abnehmen. Ich würde jetzt sehr gerne Milena meine Glückwünsche zum Geburtstag überbringen.“ Rocky robbte sich nach vorne und ließ sich von der Bank gleiten. „Vielleicht können wir uns später noch weiter unterhalten, ich wüsste zu gerne, wie die interessante Geschichte endet.“

 

Ducky sah lächelnd dem kleinen Jungen hinterher. Zur Feier des Tages hatte seine Mutter ihm eine kleine Fliege umgebunden und dadurch sah er so niedlich aus.

 

Zögerlich trat Rocky zu Milena und blickte traurig in ihre Augen. „Eigentlich wollte ich dir das neue Was-IST-Was Buch über den menschlichen Körper schenken, damit du auch nachsehen kannst, was dir immer weh tut.“ Er verzog das Gesicht kurz zu einem Lächeln. „Du bekommst es morgen“ Er trat ganz dicht an das Mädchen heran und flüsterte ihr ins Ohr. „Meine Mama hat es vergessen zu kaufen.“

 

Mia strahlte glücklich in die Runde und ihr Blick blieb an Diggs haften. Dieser verzog wie immer keine Mine, kam aber auf das Mädchen zu und boxte ihr leicht gegen die Schulter.

 

„Happy Birthday, Milena“ grummelte er und fuhr sich durch die Haare. Solche Momente waren ihm immer unangenehm. „Ich weiß man kann dich nur mit einer Sache glücklich machen.“ Er deutete auf den Geburtstagstisch. „Deswegen habe ich heute Morgen mit meiner Mama Muffins gebackt.“ Mias Augen funkelten bereits. Diggs hob seine Hand hoch und streckte dem Geburtstagskind die Finger entgegen. „5 Stück, für jedes Jahr das du alt bist einer.“

 

~~~***~~~

 

Eine Stunde später waren auch die letzten Krümel der Schokotorte mit rosa Marzipanröschen aufgegessen und alle Geschenke ausgepackt. Die Kleinen spielten wieder im Garten, während Mias Familie auf der Terrasse saß und sich angeregt unterhielt. Thema war wieder die wundersame Bootverlegung und Diggs, der wieder auf dem Boot thronte, lauschte heimlich mit.

 

„Jethro, nun sag es uns doch einfach, wie hast du es in den Garten geschafft“, fragte Ducky zum wiederholtem Male, doch der Angesprochene schüttelte nur lächelnd den Kopf.

 

„Ja Sir, das würde mich auch brennend interessieren“, hörte er da eine kleinjungen Stimme.

 

„Mutig“, dachte sich der Grauhaarige und sein Interesse war geweckt. „Wie heißt du?“

 

„Diggs, Sir.“

 

„Diggs? Was ist das für ein Name?“, fragte Jethro mit einem Lächeln.

 

„Mein Nachname, Sir.“

 

„Du lässt dich mit deinem Nachnamen rufen? Warum?“

 

„Weil ich meine Vornamen nicht mag“, kam es von Diggs leise.

 

„Junger Mann, ich glaube ich mag dich. Wie sind deine Vornamen? Und nenn mich nicht mehr Sir. Was hältst du von Agent Gibbs?“

 

Diggs bekam ganz große Augen. „Das Sir.. Ich meine das wäre wunderbar, Agent Gibbs“, sagte er hastig, dann fiel ihm ein, dass er ihm noch eine Antwort schuldig war. Zögerlich blickte er sich erst um, ob auch kein anderer in Hörweite war. „Ich heiße Maria-Andrea, nach den Brüdern meiner Mutter“, sagte er dann zögerlich.

 

Gibbs konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er wuschelte dem kleinen Jungen durch die Haare. „Das mein Sohn, kann ich gut verstehen. Ich mach dir einen Vorschlag, ich zeig dir, wo ich die Boote baue und vielleicht auch, wie ich sie in den Garten bekomme. Aber das bleibt dann unter uns. Okay?“

 

Der Kleine strahlte über das ganze Gesicht und ließ sich von seinem Ausguck fallen. „Großes Indianer Ehrenwort. Das ist toll Sir“, doch als er Gibbs bösen Blick bemerkte, korrigierte er sich schnell und reichte seinem älteren Double die Hand. „…ähmm ich meine natürlich Agent Gibbs.“

 

„Natürlich!“, sagte Gibbs mit sehr ernstem Gesicht und zusammen gingen sie ins Haus.

 

~~~***~~~

 

Ziva saß zwischen Tonys Beinen auf der Liege und beobachtete ihren Boss, der gerade mit dem kleinen Diggs im Haus verschwand. Es war schon seltsam.

Rocky zog es mit seinem Lupenglas immer wieder zu Ducky, der ihm geduldig auch die hundertste Frage beantwortete und die endlosen Geschichten, sowohl aus Rockys, als auch aus Duckys Kindergartenzeit nahmen und nahmen kein Ende.

Gibbs hatte auf Anhieb den Jungen ausgemacht der ihm am ähnlichsten war.

Milena konnte ihr DiNozzo Erbe nicht verleugnen und stand mit leuchtend grünen Augen an ihrem Geburtstagstisch und bestaunte zum wiederholten Male ihre Geschenke.

Tja, und Tali? Auch sie konnte ihr Erbe nicht verleugnen. Einzeln für sich bog sie eine Büroklammer nach der nächsten auf, blätterte dabei in einem Bilderbuch und ließ noch nicht einmal bei diesen Tätigkeiten ihre Freundin aus den Augen.

Der kleine Tommy hingegen brütete ohne die anderen überhaupt zu bemerken, über seinen Kinderlaptop gebeugt und als Ziva Tim suchte, fand sie ihn unter dem Apfelbaum sitzend mit seinem Smartphone spielen.

Vorhin hatte sie die kleine Sabby gefragt, was sie mal werden wollte und ohne zu überlegen hatte sie geantwortet: „Scharensiggerin.“

Ziva hatte darauf nur gelächelt, weil sie nicht verstanden hatte, was Sabby ihr damit sagen wollte, doch als sie sie jetzt beobachtete, wie sie eine Käferleiche auf ihre Flügelverletzungen hin untersuchte, da war es ihr klar. Forensikerin, wollte sie werden. Sie konnte nur das Wort noch nicht richtig aussprechen.

Es war, als wenn sich das Team im Kindergarten wiedergefunden hätte, eine neue Generation reifte heran.

 

„Tante Abby“ Mia stürzte auf die Kriminaltechnikerin zu, die sich heute leider verspätet hatte und erst jetzt im Garten auftauchte. Fröhlich umarmte sie Milena und zwinkerte unbemerkt Taljah zu, die sich langsam vom Rand des Sandkastens erhob und auf die beiden zukam. Mia löste sich aus der Umarmung und legte ihren Kopf schief. „Hast du ein Geschenk dabei?“ fragte sie frech und musste das Wuscheln durch ihre Haare über sich ergehen lassen. Abby rieb sich über die Nase. „Lass mal überlegen…..“ Doch als sie Mias schreckliche Ungeduld bemerkte, sprach sie weiter. „…für dein Geschenk brauch ich noch kurz Taljahs Hilfe. Wir sind gleich wieder da.“ Abby stand auf, nahm Tali an die Hand und verschwand wieder im Haus. Zurück ließen sie eine verwirrte Mia, die den Beiden hinterher sah, erst die Arme vor dem Körper verschränkte und dann ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden tepperte.

 

Taljah und Abby schleppten angestrengt Kisten in den Garten. Eine nach der anderen und diese schienen ziemlich schwer zu sein. Gibbs und Diggs, die gerade aus dem Keller zurückgekehrt waren, wurden eingeweiht und auch Sabby, Rocky und Tommy halfen nun tatkräftig mit. Jede Kiste war liebevoll mit Stoff bedeckt und wurde im Garten verteilt aufgestellt. Mia stand auf der obersten Treppenstufe und beobachtete kritisch die geheimen Arbeiten.

 

„Ok“ schrie Abby. „Die Überraschung kann beginnen“ Sie blickte sich zu ihren Helfern um und diese positionierten sich jeweils an einer Kiste. „Und ACTION“

 

PLATSCH, die erste Wasserbombe landete neben Mia auf der Treppe und das Mädchen quiekte laut auf. Die Erwachsenen, die das entsetzte Gesicht des Mädchens beobachtet hatten, lachten kurz auf, doch als der Wasserstrahl, den Gibbs aus seiner Wasserpistole mitten in die Menschenmenge abgab, auf die Sitzecke traf, brach auch dort schnell das Chaos aus.

Abby näherte sich mit einer prall gefüllten Wasserbombe langsam Tonys Liege. „NEIN, das machst du nicht“, kam es von ihm.
„Warum nicht?“, fragte sie mit einem hinterlistigen Lächeln.
„Abbyyyyy, das kannst du nicht machen. Ich bin verletzt, ich kann nicht so schnell und außerdem darf der Gips nicht nass werden.“ Seine Stimme klang ängstlich.
Die junge Kriminaltechnikerin kam noch einen Schritt näher und hob dabei ihren Arm mit der Bombe.
„Oh ich kann!“
„Ziva HILFE!!!!!!!!!!“, rief Tony und versuchte so schnell es ging auf die Beine zu kommen, doch dem mit Wasser gefüllten Luftballon konnte er nicht mehr ausweichen und wurde in Hüfthöhe getroffen.
Kurz wanderte sein Blick auf seine durchnässte Designer Jeans, dann wanderte sein Blick hoch zu Abby. „Na warte, wenn ich dich...“Der Rest ging in Abbys Quietschen unter, die nun ihrerseits seitlich von einer tief geworfenen Wasserbombe getroffen wurde.
„HAAA“, rief Tony „Strike!“, und lächelte seine Partnerin an, die ihm zu Hilfe geeilt war und ihm nun ihrerseits ein wundervolles Lächeln schenkte.

Mia wusste erst gar nicht, wo sie hinsehen sollte, ob sie flüchten sollte oder was die bessere Alternative wäre. Doch dann riss sie die Arme hoch, sprang die Treppenstufen runter und lief schreiend zu einer Kiste. „WASSERSCHLACHT“

 

Ein paar Minuten später saßen die Kinder und die Erwachsenen im Gras. Niemand mehr war trocken.

 

Tommy saß gegenüber von Timmy. Während Tommy gespannt auf seinen Computer starrte in der Hoffnung, dass dieser unversehrt geblieben war, rieb Timmy sein neues IPhone trocken.

 

Ducky lehnte an der Mauer und blickte auf den kleinen Rocky runter. Vorsichtig ging er in die Knie und richtete ihm seine kleine Fliege.

 

Taljah lag lachend in den Armen ihrer Tante, die ihr liebevoll durch die Haare wuschelte. Ruth trat zu ihnen und warf der Nichte ihrer Tochter einen stolzen Blick zu. „Na, wenn du mal keine kleine David bist.“ Sie streckte dem Mädchen die Hand hin und zog sie zu sich hoch.

 

Diggs und Gibbs saßen am Baumstamm und begutachteten die Lage. „Du hast dein Team gut im Griff.“ Diggs nickte. „Sie auch, Agent Gibbs. Sie auch.“

 

Mitten in der Wiese saßen kichernd Sabby und Abby. Das Mädchen war noch vollkommen außer Atem und auch Abby war sichtlich erschöpft. Sabby legte den Kopf schief und betrachtete die Frau. Dann löste sie den Gurt um ihren Hals, nahm einen Schluck aus ihrer Flasche und hielt sie dann Abby entgegen. „Auch ein Schluck Mulitvitaminsaft. Der verleiht neue Kräfte“ Lächelnd nahm Abby die Flasche entgegen. „Aaaah, wie süß. Da sind ja lauter Totenköpfe drauf.“ Quiekend fiel sie dem kleinen Mädchen um den Hals, das sofort in das Gequietsche einstieg.

 

Mia saß gemeinsam mit ihrem Vater auf den Treppenstufen und beobachtete ihre Gäste.

„Das war ein echt gelungener Geburtstag. Daddy“ Sie umarmte Tony und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Danke“